Vitamin D / Calcium und metabolisches Syndrom
Einfluss des Vitamin D-Status und der Calciumzufuhr auf das metabolische Syndrom
Folgeerkrankungen von Übergewicht wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes mellitus Typ 2 verursachen Kosten in Höhe 2stelliger Milliardenbeträge. Die Hälfte aller Todesfälle in Deutschland ist auf mit Adipositas verbundene Folgeerkrankungen zurückzuführen. Das sogenannte metabolische Syndrom liegt vor, wenn mindestens 3 der folgenden Krankheiten gleichzeitig auftreten:
- Adipositas
- Bluthochdruck
- Gestörte Glucosetoleranz (Vorstufe des Diabetes mellitus)
- Erhöhter Serum-Triglyceridspiegel
- Reduzierter Serum-HDL-Cholesterinspiegel
Gewichtsreduktionsprogramme haben bisher nur einen begrenzten langfristigen Erfolg, da weniger als ein Drittel der Betroffenen ihr erreichtes Gewicht über einen längeren Zeitraum halten können. Die Behandlung der Begleiterkrankungen der Adipositas erfolgt in aller Regel medikamentös. Deshalb wird nach neuen Ansätzen zur Prävention und Therapie gesucht. Eine neue Hypothese sieht einen niedrigen Vitamin-D-Status und eine geringe Calciumzufuhr als Risikofaktoren des metabolischen Syndroms an.
Calcium- und Vitamin-D-Status bei Adipositas
Es gibt einige Studien an Mensch und Tier, die einen Zusammenhang zwischen Calcium und Adipositas aufzeigen. So reduzierte sich das Gewicht bei einer energiereduzierten, calciumreichen Kost mehr als bei energiereduzierten, calciumarmen Kost der Vergleichsgruppe. Erklärt wird dies durch einen veränderten intrazellulären Calciumstoffwechsel. Dies führt im Fettgewebe zu einer Hemmung des Fettaufbaus bei gleichzeitiger Erhöhung des Fettabbaus und der Thermogenese. Im Umkehrschluss kann eine geringe Calciumzufuhr die Entstehung von Fettdepots fördern.
Adipositas stellt einen Risikofaktor für einen niedrigen Vitamin-D-Status dar. Studien mit UVB-Bestrahlung der Haut haben gezeigt, dass der Anstieg des Serumspiegels an Vitamin D bei Adipösen lediglich 50% des Wertes von Normalgewichtigen erreicht. Dies wird auf eine vermehrte Speicherung des Vitamin D im Fettgewebe zurückgeführt. Ebenso wird bei Afroamerikanern ein erniedrigter Vitamin-D-Status im Vergleich zu weißen Amerikanern festgestellt. Dies liegt an deren stärkeren Hautpigmentierung.
Hypertonie
Bei Afroamerikanern ist das Hypertonierisiko um 1,3 bis 3fache höher als bei weißen Amerikanern. Die Calciumzufuhr mit der Nahrung ist bei Hypertoniekern gegenüber Menschen mit einem normalen Blutdruck häufig vermindert. In Studien konnte bei Bluthochdruckkranken der Blutdruck durch eine verbesserte Calcium- und Vitamin-D-Versorgung gesenkt werden.
Weitere Informationen zum Thema Hypertonie finden Sie auf unserer Seite im Kapitel Bluthochruck!
Arteriosklerose
Calcitriol (Hormon aus Vitamin D) unterdrückt die Sekretion von Zytokinen (IL-6 und TNFa), die arteriosklerotische Veränderungen fördern und erhöht die Sekretion eines anderen Zytokins (IL-10), welches eine schützende Wirkung auf die Gefäße hat. So lässt sich auch die positive Wirkung von ungesättigten Fettsäuren (Erhöht die Bioverfügbarkeit von Calcitriol) und Sport (Verbesserte Vitamin-D-Versorgung) auf das Arterioskleroserisiko erklären.
Diabetes mellitus
In tierexperimentellen Studien konnte gezeigt werden, dass Vitamin-D-Mangel sowohl zu verminderter Insulinsekretion als auch zu Insulinresistenz führen kann. Möglicher Verursacher ist auch hier das Zytokin TNFa. Inzwischen gibt es auch beim Menschen Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen Vitamin-D-Versorgung und Diabetesrisiko. Verschiedene Studien stützen diese Hypothese.
Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie auf unserer Seite im Kapitel Diabetes mellitus!
Schlussbetrachtung
Derzeit wird davon ausgegangen, dass in Europa das Sonnenlicht ausreicht, um Vitamin D-bedingte Mangelsymptome zu vermeiden. Nur im Säuglingsalter und bei Senioren wäre dies nicht der Fall. Studien haben jedoch gezeigt, dass bei Männer und Frauen in Deutschland die Vitamin-D-Versorgung im Winter unzureichend ist. Besondere Risikogruppen sind außerdem dunkelhäutige Personen, die in nördlichen Breiten leben sowie Übergewichtige. Auch die Calciumzufuhr liegt unter den Zufuhrempfehlungen.
Die Hypothese, dass eine unzureichende Vitamin-D-Versorgung an der Entstehung des metabolischen Syndroms beteiligt ist, liefert eine plausible Erklärung für die unterschiedliche Häufigkeit der Erkrankung in verschiedenen Bevölkerungsgruppen.
Quelle: Zittermann A: Niedriger Vitamin-D-Status und geringe Calciumzufuhr-Riskofaktoren des metabolischen Syndroms? Ernährungs-Umschau 50 (2003) 84-90
Weitere Informationen zu dem einzelnen Grunderkrankungen des metabolischen Syndroms finden Sie auf unserer Seite in der Rubrik Ernährungstipps!




