Welternährungssituation

Welternährungssituation

Die Ernährungssituation der Weltbevölkerung ist leider immer noch von einer hohen Rate der Fehlernährung geprägt! Obwohl es derzeit genügend Nahrungsmittel auf der Erde gibt, um alle Menschen rein rechnerisch mit durchschnittlich 3000 kcal und 80g Eiweiß pro Tag ausreichend gedeckt zu ernähren, sterben täglich noch immer etwa 25.000 Menschen, vor allem Kinder an den Folgen von Hunger! Dagegen wächst in hochindustrialisierten Nationen der Welt wie Nordamerika und Europa zunehmend das Problem der Überernährung und den damit verbundenen Folgeerkrankungen wie Übergewicht und Adipositas! Die Prävalenz der Adipositas beträgt in Europa 15-20%, die des Übergewichts liegt bereits bei 50% der Erwachsenen!

Warum leiden die Entwicklungsländer noch immer an Unter- und Mangelernährung, während in den Industriestaaten mehr und mehr Überernährung herrscht? Die Ursachen hierfür beruhen in erster Linie auf wirtschafts- und gesellschaftspolitischen Strukturen. Auf der einen Seite überfluten sich die modernen Staaten mit einem Überangebot an ständig neuen, schmackhaften und somit meist fettreichen Konsumgütern und Genussmitteln. Diese modernen Umwelt- und Lebensbedingungen schaffen hohe Anreize für eine erhöhte Energieaufnahme des hauptsächlich durch Werbung animierten Verbrauchers.

Der technisierte und automatisierte Wohlstand und die vorwiegend sitzende Lebensweise im beruflichen und auch täglichen Leben führen jedoch gleichzeitig zu einer deutlichen Senkung des Energiebedarfs. Dadurch wird der tatsächliche Energiebedarf meist weit überschritten, und Fehlernährung ist die Folge!

Auf der anderen Seite führt der Teufelskreis der Armut (siehe Abb.) in den Entwicklungsländern zu Unter- und Mangelernährung. Daneben stellen Naturkatastrophen, die Überbevölkerung und Kriege sowie zunehmende Umweltbelastungen Ursachen für Hunger und Unterernährung dar.

Ernährungssituation in den Entwicklungsländern

Es sollte eine lokale Aufklärung aller Menschen über die weltweite Ernährungssituation stattfinden. In den Industrieländern könnten bereits Kinder im Schulalter im Fach Ernährungskunde unterrichtet werden, um die Bedeutung und den Umgang der heutigen Nahrung zu verstehen. Vielleicht erhöht sich dann die Bereitschaft, das Ernährungsverhalten im Interesse einer gerechten weltweiten Nahrungsmittelverteilung zu verändern und gleichzeitig gesundheitsbewusste Verhaltensweisen zu fördern.

Zur Verbesserung der Ernährungssituation in den Entwicklungsländern nennt Prof. Leitzmann, einer der Gründer Vollwert-Ernährung, eine Vielzahl von Möglichkeiten: globale Strategien wie eine gerechte Weltwirtschaftsordnung, weltweite Solidarität, Fairer Handel, Recht auf Nahrung, und Vorbild wohlhabender Länder, aber auch lokale situationsgerechte Maßnahmen wie Bildung, Ernährungsberatung, Hygiene, Vorratshaltung, Wasserver- und -entsorgung. Allen Maßnahmen sollte das Prinzip der Hilfe zur Selbsthilfe zu Grunde liegen!

Quelle: Leitzmann C. Die Ernährungssituation armer Menschen in sogenannten Entwicklungsländern. Lexikon der Ernährung. Spektrum Verlag. S. 369-374

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