Alkoholismus: warum der Verzicht so schwer fällt

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ern√§hrung und Gesundheit

Mittwoch, 6. Juni 2012

Rund 1,3 Millionen Menschen in Deutschland sind alkoholkrank. Der Weg aus der Alkoholabh√§ngigkeit ist m√ľhsam und h√§ufig mit R√ľckf√§llen verbunden. Warum f√§llt es Suchtkranken so schwer, auf Alkohol zu verzichten? Forscher der Universit√§t von Kalifornien sind der Antwort ein St√ľck n√§her gekommen.

Alkoholverbot Schild
© ell brown

Mithilfe bildgebender Verfahren verglich das Forscherteam um Jennifer Mitchell Prozesse im Gehirn von 13 Alkoholikern und Nichttrinkern nach dem Trinken von Alkohol. Bei beiden Gruppen reagierte das Gehirn mit einer verst√§rkten Aussch√ľttung k√∂rpereigener Gl√ľckshormone (sogenannte Endorphine) auf den Alkohol. Hier gab es keinen Unterschied zwischen den beiden Gruppen. Au√üerdem zeigte sich eine Dosis-Wirkungs-Beziehung: Je mehr Alkohol die Probanden tranken, desto mehr Endorphine wurden ausgesch√ľttet und desto gl√ľcklicher f√ľhlten sich die Probanden. Dies galt sowohl f√ľr Alkoholabh√§ngige als auch f√ľr die Kontrollgruppe.

In einem anderen Bereich zeigte sich jedoch ein deutlicher Unterschied: In den Gehirnen starker Trinker wirkten die Endorphine mit zunehmender Konzentration st√§rker auf das Belohnungssystem. Dieser Effekt wurde bei der Kontrollgruppe nicht beobachtet. Die Forscher schlie√üen daraus, dass das Gehirn von S√ľchtigen anders auf Alkohol reagiert.

Die Ursache f√ľr die unterschiedliche Funktionsweise des Gehirns von Alkoholabh√§ngigen und Nichttrinken wird Gegenstand weiterer Studien sein. Es wird vermutet, dass regelm√§√üiger starker Alkoholkonsum bestimmte Areale im Gehirn ver√§ndern kann. Umgekehrt w√§re aber auch denkbar, dass von Anfang an vorliegende Ver√§nderungen des Belohnungssystems Ausl√∂ser f√ľr die Alkoholsucht sind.

Die Ergebnisse dieser und weiterer Studien sollen dazu beitragen, alkoholkranken Menschen in Zukunft gezielter helfen zu können.

Quellen einblenden

  • J. M. Mitchell, J. P. O‚ÄôNeil, M. Janabi, et al. (2012): Alcohol consumption induces endogenous opioid release in the human orbitofrontal cortex and nucleus accumbens. Science Translational Medicine 4: 116ra6
  • Drogenbeauftragte der Bundesregierung: Drogen- und Suchtbericht. Mai 2012.

verfasst von am 6. Juni 2012 um 06:05

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Ein Kommentar zu “Alkoholismus: warum der Verzicht so schwer f√§llt”

  1. Simone sagt:

    Ein informativer Beitrag zum Thema Alkoholsucht. Die direkten Folgen f√ľr Alkohol sind ja doch recht gut erforscht und verheerend. Zudem gibt es noch indirekte Folgen, die aber ebenso gef√§hrlich sein k√∂nnen. Schlafapnoe ist hier das Schlagwort.

    Besten Gruß
    Simone

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