Auf Schwangerschaftsdiabetes folgt häufig Typ-2-Diabetes

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ern√§hrung und Gesundheit

Dienstag, 22. September 2020

Frauen, bei denen w√§hrend ihrer Schwangerschaft ein Schwangerschaftsdiabetes diagnostiziert wurde, haben auf l√§ngere Sicht ein beinahe zehnfach h√∂heres Risiko f√ľr Typ-2-Diabetes als Frauen ohne diese Schwangerschaftsbegleiterkrankung. Experten raten daher zu erh√∂hter Wachsamkeit ‚Äď auch nach der Schwangerschaft.

Als Schwangerschaftsdiabetes (auch Gestationsdiabetes genannt) wird eine St√∂rung des Zuckerstoffwechsels bezeichnet, die erstmals w√§hrend der Schwangerschaft auftritt. Da ein unerkannter Schwangerschaftsdiabetes schwerwiegende Folgen f√ľr Mutter und Kind haben kann, sieht die Schwangerschaftsvorsorge in Deutschland einen Blutzuckertest (Glukosetoleranztest) in der 24. bis 27. Schwangerschaftswoche vor. Bei einem auff√§lligen Testergebnis erfolgt ein aufw√§ndigerer Blutzuckertest zur Diagnose der Schwangerschaftsdiabetes. Etwa jede siebzehnte Frau (knapp sechs Prozent) erkrankt in der Schwangerschaft an Schwangerschaftsdiabetes, wobei die H√§ufigkeit des Schwangerschaftsdiabetes in den letzten Jahrzehnten zugenommen hat. Hierzu k√∂nnten √úbergewicht, das erh√∂hte Alter der schwangeren Frauen, aber auch die verbesserte Diagnostik beigetragen haben.

Viele Frauen freuen sich, wenn die Einschr√§nkungen durch die Therapie des Schwangerschaftsdiabetes (kontrolliertes Essen, mehr Bewegung, Blutzuckerkontrolle, eventuell Insulintherapie) nach der Geburt ihres Kindes beendet sind. Doch h√§ufig ist das Kapitel Diabetes damit nicht abgeschlossen. Abgesehen davon, dass bei einer erneuten Schwangerschaft ein deutlich erh√∂htes Risiko f√ľr Schwangerschaftsdiabetes besteht, steigt auch die Wahrscheinlichkeit, mittel- bis langfristig an Typ-2-Diabetes zu erkranken. Dies unterstreicht eine k√ľrzlich ver√∂ffentliche √úbersichtsarbeit, in der die Ergebnisse von 20 Studien zusammengefasst wurde. Herausragend an dieser Studie ist die lange Nachbeobachtungszeit der Probanden, die von 12 Monaten bis zu 25 Jahre nach Entbindung reicht.

Insgesamt wurden die Daten von √ľber 1,3 Millionen Frauen ausgewertet, davon knapp 68.000 Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes. In jeder der 20 Studien hatten Frauen mit vorherigem Schwangerschaftsdiabetes sp√§ter h√§ufiger Typ-2-Diabetes als Frauen ohne Vorgeschichte. Zusammen betrachtet war das Risiko f√ľr Typ-2-Diabetes beinahe 10-fach h√∂her (relatives Risiko 9,5) bei Frauen mit fr√ľherem Schwangerschaftsdiabetes im Vergleich zu Frauen ohne Schwangerschaftsdiabetes. Dabei war das Risiko, in den ersten 5 Jahren nach der Entbindung an Typ-2-Diabetes zu erkranken, besonders hoch (relatives Risiko 17,1 verglichen mit Frauen ohne Schwangerschaftsdiabetes). Die Unterschiede im Erkrankungsrisiko blieben bestehen, wenn bei der Auswertung Alter, Body Mass Index (BMI), die Dauer der Nachbeobachtungszeit sowie das Publikationsjahr ber√ľcksichtigt wurden.

Betroffene Frauen und ihre behandelnden √Ąrzte sollten daher auch in den Jahren nach der Entbindung ein wachsames Auge auf den Blutzuckerspiegel haben.

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verfasst von am 22. September 2020 um 06:08

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