BfR kritisiert Kochsendungen: Hygieneverstöße im Minutentakt

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ern√§hrung und Gesundheit

Mittwoch, 18. April 2018

Viele derzeit beliebte Kochsendungen sind mit Vorsicht zu genie√üen. Denn pro Minute wird darin mehr als einmal gegen g√§ngige Hygienevorschriften versto√üen, warnt das Bundesinstitut f√ľr Risikobewertung (BfR). Dass dies auch Auswirkungen auf die Zubereitung von Gerichten im eigenen Haushalt hat, demonstrierte das BfR anschaulich in einem aktuellen Experiment.

In Deutschland werden j√§hrlich √ľber 100.000 Krankheiten gemeldet, die wahrscheinlich durch lebensmittelbedingte Infektionen mit Mikroorganismen (beispielsweise Bakterien, Viren oder Parasiten) verursacht werden. Durch Sauberkeit in der K√ľche und die Einhaltung von Hygienema√ünahmen bei der Zubereitung von Speisen k√∂nnten viele dieser Erkrankungen vermieden werden. Die gesundheitlichen Risiken, die eine mangelhafte K√ľchenhygiene mit sich bringt, werden jedoch Umfragen zufolge immer noch h√§ufig untersch√§tzt. Eigentlich erstaunlich, scheinen die Deutschen doch ein gro√ües Interesse an der Zubereitung von Speisen zu haben, wie hohe Zuschauerquoten verschiedener Kochsendungen immer wieder belegen.

In einer aktuellen Studie hat das BfR 100 Folgen zuschauerstarker Kochsendungen unter die Lupe genommen und die Einhaltung von g√§ngigen Hygienevorschriften √ľberpr√ľft. Mit besorgniserregendem Resultat: „Die Ergebnisse zeigen, dass wichtige Hygienema√ünahmen in Kochsendungen h√§ufig zu kurz kommen: Im Schnitt wird alle 50 Sekunden ein Hygienefehler beobachtet“, berichtet BfR-Pr√§sident Professor Dr. Dr. Andreas Hensel. Besonders h√§ufig werden unter anderem schmutzige H√§nde an Geschirrt√ľchern abgewischt oder Schneidebretter ohne Zwischenreinigung weiterverwendet. Dadurch k√∂nnen Erreger von Krankheiten und Keime weiterverbreitet und auf andere Lebensmittel √ľbertragen werden. Werden diese Lebensmittel vor dem Verzehr nicht mehr gr√ľndlich erhitzt, steigt die Gefahr f√ľr Lebensmittelinfektionen.

Beeinflusst die im Fernsehen gezeigte (oder nicht gezeigte) K√ľchenhygienepraxis das Hygieneverhalten von Hobbyk√∂chen beim Nachkochen von Gerichten? Dieser Frage ging das BfR in einem eigenen Experiment nach. Hierf√ľr zeigte es Probandinnen und Probanden jeweils eines von zwei Videos zur Zubereitung eines Gefl√ľgelsalats mit selbst gemachter Mayonnaise. W√§hrend der Koch des einen Videos alle empfehlenswerten Hygienema√ünahmen bei der Zubereitung dieses eher hygienekritischen Gerichts sichtbar pr√§sentierte, lie√ü die K√ľchenhygiene des anderen Koches zu w√ľnschen √ľbrig. Im Anschluss an das Ansehen der Kochsendungen wurden alle Probandinnen und Probanden gebeten, den Gefl√ľgelsalat selbst in einer Versuchsk√ľche zuzubereiten. Hierbei wurde offensichtlich, dass die Gruppe der Personen, die das Kochvideo mit der vorbildlichen K√ľchenhygiene gesehen hatten, beim Nachkochen h√§ufiger die empfohlenen Hygienema√ünahmen anwandte.

Demnach kann die in Fernsehsendungen pr√§sentierte K√ľchenhygiene das Hygieneverhalten von Zuschauern zuhause beeinflussen. Kochsendungen k√∂nnten eine Vorbildfunktion √ľbernehmen, indem sie das Bewusstsein f√ľr K√ľchenhygiene sch√§rfen, statt es zu vernachl√§ssigen, folgert das BfR.

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verfasst von am 18. April 2018 um 08:02

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