BfR warnt: Pflanzenschutzmittel in Gurken könnte Gesundheit von Kindern gefährden

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ern√§hrung und Gesundheit

Montag, 12. Dezember 2011

Zwar nicht f√ľr Erwachsene, jedoch f√ľr Kinder k√∂nnte sich durch den Verzehr von Gurken ein Gesundheitsrisiko ergeben.

Gurkenscheibe
© viZZZual.com

Wegen möglicher Pestizid-Belastung Gurken besser schälen

Diese Schlussfolgerung zog das Bundesinstitut f√ľr Risikobewertung (BfR) in einer Stellungnahme vom 08. November 2011. Das BfR greift darin einen Hinweis der brandenburgischen Lebensmittel-√úberwachungsbeh√∂rde auf. Dieses hatte in Gurken einen erh√∂hten Gehalt des Pflanzenschutzmittels Fenamiphos detektiert und den Fund √ľber das europ√§ische Schnellwarnsystem bekannt gegeben. Mit einem Fenamiphos-Gehalt von 0,11 mg/kg Gurken wird die Referenzmenge, die f√ľr Kinder als gesundheitlich undenklich gilt, im √§u√üersten Fall um bis zu 157 Prozent √ľberschritten (gesamt = 257 Prozent), bei Erwachsenen liegt der h√∂chste Wert mit 87 Prozent noch im akzeptablen Bereich. Die Angaben beziehen sich auf rohe, ungesch√§lte Gurken. Gesch√§ltes und verarbeitetes Gem√ľse k√∂nnte niedrigere Werte aufweisen, vermutet das BfR, jedoch liegen dazu keine Daten vor.

Fenamiphos – zur Substanz

Fenamiphos wird weitr√§umig zum Pflanzenschutz eingesetzt. Verwendung findet die Organophosphat-Verbindung u. a. beim Anbau von Tabakkulturen, Kakao, tropischen Fr√ľchten wie Bananen und Ananas sowie einigen Gem√ľse- und Getreidesorten. Pflanzen nehmen Fenamiphos √ľber die Wurzeln auf und bauen die Substanz zu verschiedenen relativ best√§ndigen Produkten ab. Die Abbauprodukte hemmen die Cholinesterasen (1) der Zielorganismen, in der Hauptsache Nematoden (Fadenw√ľrmer), aber auch Thripsen und Blattl√§use. In Deutschland ist der Wirkstoff als Zusatz zu Pflanzenschutzmitteln nicht zugelassen.

Menschen nehmen Fenamiphos beim Verzehr von damit behandelten Lebensmitteln nahezu vollst√§ndig √ľber den Darm auf. Die Substanz wird zu phenolischen Produkten abgebaut, die schnell wieder ausgeschieden werden. Allerdings kann auch beim Menschen nach Aufnahme von Fenamiphos eine Cholinesterase-Hemmung eintreten. Durch das Lahmlegen dieser Enzyme wird die Signal√ľbertragung im Nervensystem gest√∂rt, weshalb die Substanz als neurotoxisch f√ľr den Menschen eingestuft wird. Nach Aufnahme der giftigen Substanz k√∂nnen kurzfristig Atembeschwerden, Durchfall, Harnabgang, verlangsamter Herzschlag, Muskelzucken und -zittern auftreten. F√ľr Fenamiphos sind nach aktuellem Kenntnisstand keine mutagenen, kanzerogenen, teratogenen oder reproduktionstoxischen Wirkungen bekannt.

(1) Cholinesterasen sind Enzyme die u. a. f√ľr den Abbau des Acetylcholins, eines Botenstoffs zur Erregungsweiterleitung in Nervenzellen, verantwortlich sind.

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verfasst von am 12. Dezember 2011 um 09:49

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