Buchbesprechung. Biesalski: „Ernährungsmedizin“, 4. Auflage

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ernährung und Gesundheit

Montag, 8. November 2010

In der im Mai 2010 erschienenen 4. Neuauflage des Buches „Ernährungsmedizin“, herausgegeben von Biesalski, Bischoff und Puchstein, wurden einige thematische Änderungen vollzogen. So finden sich im Vergleich zu den Vorgängern längere Abhandlungen zur künstlichen Ernährung und zu den Themen „Lebensmittelsicherheit, Qualitätssicherung“.

Die Themenkomplexe „Grundlagen der Ernährung“ und „Stoffwechsel und Wirkungen der Nahrungsbestandteile“ aus der vorherigen Ausgabe wurden zu einem gemeinsamen Themengebiet zusammengefasst. Die darin enthaltenen Kapitel stimmen weitestgehend mit denen des Vorgängers überein, wurden aber zum Großteil von neuen Autoren geschrieben, die eine andere Strukturierung und Schwerpunktsetzung vorgenommen haben. In den „Grundlagen der Ernährung“ sind die Kapitel „Evolution und Ernährung“, „Makro- und Mikronährstoffe – Bedarf und Referenzwerte“, „Grundlagen industrieller Be- und Verarbeitung von Lebensmitteln“, „Mikronährstoffsupplemente“ und „ernährungsabhängige Polymorphismen am Beispiel des Apolipoproteins E“ neu hinzugekommen. Ausführlicher als bisher werden „sekundäre Pflanzenstoffe“, „funktionelle Lebensmittel“ und „Probiotika“ in jeweils eigenen Kapiteln vorgestellt.

Der ursprünglich mit „Ernährung in verschiedenen Lebenslagen“ betitelte Abschnitt wurde an das Curriculum der BÄK 2007 inhaltlich angeglichen und enthält nunmehr die Ernährung Frühgeborener, der Altersstufe Säuglinge bis Jugendliche, Stillender und Sportler. Herausgefallen ist die Gruppe der Erwachsenen und als neue Gruppe finden sich ältere Menschen. Die Umbenennung des gesamten Komplexes in „Ernährungsprävention von Risikogruppen“ scheint allerdings weniger gelungen, da durch diesen Titel auch durchaus normale Lebensumstände zu potentiellen Gefahrensituationen erklärt werden. Die Umbenennung des Themenkomplexes „Dysfunktionen des Energiestoffwechsels und Immunsystem“ in „Übergewicht und Mangelernährung“ hingegen präzisiert den Inhalt und hat durch eine inhaltliche Erweiterung um die Themen bariatrische Chirurgie, Tumorkachexie, kardiale Kachexie und Malnutrition in Verknüpfung mit Sarkopenie und Frailty (Gebrechlichkeit) an Tiefe gewonnen.

Auch das zentrale Themengebiet der ernährungsassoziierten (ehemals „ernährungsabhängigen“) Erkrankungen hat, ähnlich wie die Grundlagen, keine wesentliche inhaltliche Schwerpunktänderung erfahren. In das Kapitel Diabetes mellitus wurde das Metabolische Syndrom aufgenommen, die Erkrankungen des Gastrointestinaltraktes wurden breiter aufgefächert. Die Erkrankungen des Skelettsystems wurden um den Punkt „Rheumatoide Arthritis und Arthrose“ erweitert. Für neurologische Erkrankungen wurde eine Verbindung zu Ernährungskomplikationen aufgezeigt. Zusammen mit den Grundlagen bildet dieser Komplex den inhaltsschwersten Teil des Buches.

Der letzte Themenkomplex setzt die bereits bei den Vorgängern begonnene Tradition des Praxisbezugs fort und verweist auf konkrete Anwendungen der Ernährungsmedizin in Arztpraxen und Krankenhäusern. Die Kapitel aus dem Vorgängerwerk „Praktische Umsetzung von Ernährungsempfehlungen“, „Rationelle Diätetik“ und „Gemeinschaftsverpflegung für ältere Menschen“ sind dabei teilweise eingearbeitet worden. Bedauerlicherweise ist die Darstellung der beiden Modellprojekte (Schwerpunktpraxis, Lehrklinik) nicht hinreichend konkret realisiert und nur unzureichend fundiert. Im ersten Beitrag wirkt zudem die indirekte Werbung für kommerzielle Gewichtsreduktionsprogramme störend.

Die aktuelle Auflage wendet sich an Ärzte, Ernährungsfachkräfte und andere Ernährungsinteressierte. Das Werk ist klar gegliedert und gefällt durch seine optische Gestaltung, bei der u. a. Schlüsselwörter zugeordnet oder weiterführende Tipps durch graphische Mittel hervorgehoben sind. Die Themenkomplexe sind verschiedenfarbig markiert, was das Nachschlagen erleichtert. Zwischenüberschriften, der Fettdruck zentraler Begriffe und überschaubare Abschnittslängen erleichtern das Lesen. Das Ziel der Herausgeber, dem Werk ein neues modernes Gesicht zu geben, wurde größtenteils erreicht. Alte Kapitel wurden thematisch von neuen Autoren aufgegriffen und überarbeitet, meist auch unter Einbezug neuerer Quellen. Das Einfügen neuer Themen in das Grundgerüst der Vorgänger erweitert das Gesamtwerk und stellt aktuelle Bezüge her, wodurch das Werk modernen Anforderungen weitgehend gerecht wird. Das Buch hat durchaus Chancen, sich zum ernährungsmedizinischen Standardwerk zu entwickeln.

verfasst von am 8. November 2010 um 10:05

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