Deutsches Krebsforschungsinstitut veröffentlicht ersten Alkoholatlas für Deutschland

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ernährung und Gesundheit

Mittwoch, 8. November 2017

Wer trinkt wie viel Alkohol in Deutschland, welchen Einfluss hat der Sozialstatus auf den Alkoholkonsum, und bestehen regionale Unterschiede im Trinkverhalten? Antworten auf diese und weitere Fragen bietet der neue Alkoholatlas, den das Deutsche Krebsforschungsinstitut (DKFZ) aktuell veröffentlicht hat.

„Der Alkoholatlas fasst zahlreiche Daten, die ansonsten über verschiedene Fachpublikationen verteilt sind, verständlich und mit vielen Abbildungen in einem einzigen Werk zusammen und macht sie so einem breiten Publikum zugänglich“, erläutert der Vorstandvorsitzende des DKFZ Professor Dr. Dr. Michael Baumann im Vorwort des Atlasses. Die Initiative für die Zusammenstellung eines bundesweiten Alkoholatlasses ging von der der Drogenbeauftragten der bisherigen Bundesregierung, Marlene Mortler, aus. Das Projekt wurde vom Bundesministerium für Gesundheit finanziert. „Das Problembewusstsein ist beim Thema Alkoholkonsum nach wie vor zu niedrig“, so die Drogenbeauftragte Marlene Mortler. „Jedes Jahr sterben bei uns mehr als 20.000 Menschen an den Folgen ihres Alkoholkonsums, etwa 10.000 Kinder kommen jedes Jahr alkoholgeschädigt auf die Welt und etwa 2,65 Millionen Kinder haben mindestens einen alkoholkranken Elternteil. […] Mit dem jetzt erschienenen Alkoholatlas legt das DKFZ einen umfassenden Überblick über die Verbreitung des Alkoholkonsums in Deutschland, über seine Folgen und die Spannbreite der international diskutierten Handlungsoptionen vor. Wir leisten damit auch einen Beitrag zur aktuellen Debatte in der Europäischen Union – die estnische Ratspräsidentschaft hat das gemeinsame Vorgehen gegen den Alkoholmissbrauch weit oben auf die politische Agenda gesetzt. Jedem muss klar sein: Alkohol ist bestenfalls ein Genussmittel, jedoch absolut kein Lebensmittel, welches wie die Butter zum Brot gehört.“

Nachfolgend ausgewählte Zahlen zum Alkoholverbrauch in Deutschland: Der jährliche Alkoholverbrauch lag 2014 bei 11 Litern reinen Alkohols pro Person (ab 16 Jahren). Am meisten davon (5,9 Liter) wurde über Bier konsumiert, gefolgt von Wein/Schaumwein (3,1 Liter) und Spirituosen (2,1 Liter). Verglichen mit anderen EU-Mitgliedsstaaten liegt Deutschland leicht über dem EU-Jahresdurchschnitt in Höhe von 10,6 Litern Alkohol pro Person. Zwischen 2000 und 2015 ist der Alkoholkonsum pro Tag in der Gruppe der 18- bis 59-jährigen Männer von 22 Gramm auf 16 Gramm Reinalkohol pro Tag zurückgegangen (-27 Prozent), während der Alkoholkonsum gleichaltriger Frauen annähernd konstant geblieben ist. Zuletzt tranken sie durchschnittlich 9 Gramm Reinalkohol pro Tag. Knapp drei Prozent der Bevölkerung verzichten komplett auf den Genuss alkoholischer Getränke. Zwischen 2004 und 2015 sank der Anteil der Jungen, die angaben, regelmäßig Alkohol zu konsumieren, von 26 auf 14 Prozent, bei Mädchen von 16 auf 6 Prozent.

Auch wenn der Alkoholkonsum in Deutschland insgesamt rückläufig war, gibt es nach wie vor viele Menschen mit einem riskanten Alkoholkonsum. In diese Kategorie fallen alle Männer, die mehr als 20 Gramm und alle Frauen, die mehr als 10 Gramm Reinalkohol pro Tag zu sich nehmen. In Bier- oder Weineinheiten bedeutet dies für Männer mehr als zwei 0,3-Liter-Gläser Bier oder 0,2 Liter Wein, für Frauen liegt die Grenze bei einem 0,3-Liter-Glas Bier oder 0,1 Liter Wein täglich. Laut DKFZ ist der Alkoholkonsum von knapp jedem fünften Mann (18 Prozent) und jeder siebten Frau (14 Prozent) riskant. Dies gilt vor allem für Erwachsene unter 25 Jahren und die Gruppe der 45- bis 65-Jährigen. Unter den Männern mit wöchentlichem Alkoholkonsum haben insbesondere Männer in Thüringen, Sachsen und Berlin (jeweils 22 Prozent) einen riskanten Alkoholkonsum, während der Anteil der Frauen mit riskantem Alkoholkonsum in Hamburg (17 Prozent) und Berlin (16 Prozent) am höchsten ist. Erfreulich ist der Rückgang des riskanten Alkoholkonsums bei Minderjährigen. Im Jahr 2015 tranken lediglich 4 Prozent der Jungen und Mädchen in riskantem Maße Alkohol, wobei die Grenzwerte für Erwachsene zugrunde gelegt wurden. Damit ist der Anteil seit 2007 um circa zwei Drittel zurückgegangen (2007: Jungen: 13 Prozent, Mädchen: 11 Prozent).

In seinem Alkoholatlas weist das DKFZ auch auf die negativen Folgen von Alkohol für die Gesundheit hin. So sei Alkohol an der Entstehung von über 200 Erkrankungen beteiligt, schädige Gehirn, Nervensystem und Leber und schwäche das Immunsystem. Im Jahr 2012 ließen sich rund 530.000 Krankenhausaufenthalte der 15-bis 64-Jährigen auf alkoholbedingte Erkrankungen zurückführen und beinahe 15.000 Kinder und Jugendliche wurden 2015 wegen einer Alkoholvergiftung im Krankenhaus behandelt. Hinzu kommen zahlreiche Unfälle unter Alkoholeinfluss, teilweise mit Todesfolge. Mehr als 100.000 Männer und rund 36.000 Frauen in Deutschland hatten 2015 eine diagnostizierte Alkoholabhängigkeit. Last but not least wurden 2,3 Prozent aller Todesfälle der 16- bis 64-jährigen Bevölkerung 2012 alkoholbedingten Erkrankungen zugeschrieben. Schädlicher Alkoholkonsum verursacht in Deutschland gesellschaftliche Kosten von 39 Milliarden Euro pro Jahr. Zum Vergleich: Die Einnahmen durch die Alkoholsteuer betragen in Deutschland lediglich 3,2 Milliarden Euro jährlich.

Über alle Altersgruppen hinweg zeigte sich ein deutlicher Zusammenhang zwischen dem Sozialstatus und dem Alkoholkonsum. Dies galt sowohl für Männer als auch für Frauen. Von zehn Männern tranken sieben Männer mit hohem Sozialstatus (70 Prozent), sechs Männer mit mittlerem Sozialstatus (58 Prozent), aber nur fünf Männer mit niedrigem Sozialstatus mindestens einmal pro Woche Alkohol. Allerdings bestanden kaum Unterschiede in der Häufigkeit riskanten Alkoholkonsums bei Männern. Etwa jede zweite Frau mit hohem Sozialstatus trank mindestens wöchentlich Alkohol, jede fünfte Frau sogar riskante Mengen. Im Gegensatz dazu trank lediglich jede vierte Frau mit mittlerem Sozialstatus wöchentlich Alkohol und nur jede zehnte Frau dieser Gruppe zählte zur Gruppe des riskanten Alkoholkonsums.

„Der Atlas soll als umfassendes, anschauliches Grundlagenwerk dazu beitragen, in Politik und Bevölkerung das Wissen über die Probleme des Alkoholkonsums zu erhöhen und zu einer gesellschaftlichen Debatte anzuregen. So kann er als wichtige Grundlage  für Maßnahmen zur Alkohol- und Krebsprävention dienen. In diesem Sinne wünsche ich dem Alkoholatlas eine hohe und weitreichende Wirkung“, schließt Professor Dr. Dr. Baumann.

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verfasst von am 8. November 2017 um 07:29

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