Diabetes und Depression: Wechselspiel zwischen Körper und Psyche?

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ern√§hrung und Gesundheit

Montag, 7. Februar 2011

Diabetes-Pass 2010

Aktuelle Studien ergaben, dass Diabetiker mit Depressionen besonders fr√ľh versterben. Eine m√∂gliche Erkl√§rung hierf√ľr liegt darin, dass das gleichzeitige Vorliegen beider Erkrankungen mit einem deutlich erh√∂hten Risiko f√ľr Sch√§digungen der Blutgef√§√üe und Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbunden ist. Eine fr√ľhe Diagnose und Therapie sind daher besonders wichtig f√ľr die Prognose der Patienten. Aus diesem Grund empfiehlt die Deutsche Diabetes-Gesellschaft (DDG) ein j√§hrliches Depressions-Screening f√ľr Diabetiker. Bereits der WHO-5-Fragebogen, der aus nur f√ľnf Fragen besteht und u.a. im Gesundheitspass der DDG enthalten ist, kann erste Anhaltspunkte f√ľr das Vorliegen depressiver St√∂rungen geben.

Schon im 17. Jahrhundert wurde vermutet, dass das gleichzeitige Auftreten beider Erkrankungen mehr als nur ein Zufall ist. Doch erst die aktuelle Forschung konnte diese Zusammenh√§nge n√§her untersuchen. Anders als Erkrankungen des K√∂rpers werden depressive St√∂rungen, wie viele andere psychische Erkrankungen auch, h√§ufig nicht wahrgenommen. Dennoch sind oder waren viele Menschen im Laufe ihres Lebens direkt betroffen: Ca. jeder sechste Befragte hat in seinem Leben schon einmal eine unipolare Depression (1) durchlitten, Frauen h√§ufiger als M√§nner. Das ergab eine bundesweite Gesundheitsuntersuchung der erwachsenen deutschen Bev√∂lkerung (18-79 Jahre). Gleichzeitig hatten ca. f√ľnf Prozent der Befragten einen bekannten Diabetes ‚Äď eine Erkrankung mit hoher Dunkelziffer. Diese Zahlen legen nahe, dass es √úberschneidungen zwischen Diabetes und Depressionen gibt.

Verbl√ľffend ist allerdings die St√§rke des Zusammenhangs: Patienten mit einem Diabetes litten doppelt so h√§ufig an Depressionen als Patienten ohne die Erkrankung. So lautet das Resultat einer √úbersichtsstudie, bei der die Ergebnisse von 42 Studien zusammengefasst wurden. Und umgekehrt war das Risiko, an einem Typ 2-Diabetes zu erkranken 1,4mal h√∂her bei Patienten mit einer Depression als bei gesunden Kontrollpersonen. Noch ist die Richtung des Zusammenhangs zwischen den beiden Erkrankungen, also die Frage, ob Diabetes ein Risikofaktor f√ľr eine Depression ist oder Depression ein Risikofaktor f√ľr Diabetes, nicht endg√ľltig gekl√§rt. Vielleicht sind auch beide Varianten zutreffend.

Schlafender Hund
© Primitim

√úber die Ursachen f√ľr den Zusammenhang zwischen den Erkrankungen l√§sst sich bislang ebenfalls nur spekulieren. So wird vermutet, dass die vielf√§ltigen Anforderungen, die eine Diabetes-Erkrankung mit sich bringt, die Entstehung einer Depression beg√ľnstigen. Solche Anforderungen sind beispielsweise die regelm√§√üige Einnahme von Tabletten oder Insulin oder die Notwendigkeit zur √Ąnderung des Lebensstils und Aufgabe alter Gewohnheiten. Dies erkl√§rt auch, warum gerade Patienten mit neu diagnostiziertem Diabetes und w√§hrend Phasen der Therapieumstellung h√§ufiger an einer Depression erkranken. Umgekehrt ist davon die Rede, dass eine erh√∂hte Aussch√ľttung von Stresshormonen oder/und depressionstypische Verhaltensweisen wie Bewegungsmangel und hochkalorische Ern√§hrung der Entstehung eines Typ 2-Diabetes Vorschub leisten.

(1) Eine unipolare Depression ist die h√§ufigste depressive Erkrankung. Der Name „unipolar“ (=einpolig) kommt daher, dass die Patienten nur depressive, aber keine Phasen mit gehobener Stimmung (manische Phasen) haben. Typisch sind Niedergeschlagenheit, Schlafst√∂rungen in der zweiten Nachth√§lfte, das fr√ľhe Aufwachen und das Morgentief.

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verfasst von am 7. Februar 2011 um 08:27

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