Diabetestherapie: Männer ticken anders РFrauen auch!

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ern√§hrung und Gesundheit

Freitag, 23. Oktober 2015

Im Rahmen ihrer Typ-2-Diabetestherapie schaffen Frauen es leichter abzunehmen, w√§hrend es M√§nnern eher gelingt, ihren Langzeitblutzuckerwert (HbA1c-Wert) zu senken. Geschlechtsspezifische Unterschiede sollten daher bei der individuellen Diabetestherapie st√§rker ber√ľcksichtigt werden.

An der Studie, deren Ergebnisse k√ľrzlich in der Fachzeitschrift Experimental and Clinical Endocrinology & Diabetes ver√∂ffentlicht wurde, beteiligten sich 129 deutsche Diabeteszentren. Damit umfasste der Datenpool f√ľr die aktuelle Auswertung immerhin Daten von 9.108 Probanden mit Typ-2-Diabetes. Die Probanden waren durchschnittlich 63 Jahre alt und seit knapp sechs Jahren an Diabetes erkrankt. Beinahe die H√§lfte der Probanden (49 Prozent) waren Frauen.

F√ľr die Studie wurden das K√∂rpergewicht und der HbA1c-Wert der Probanden vor und nach durchschnittlich 0,8 Jahren (also etwas weniger als 10 Monaten) verglichen, wobei die Diabetestherapie der Probanden unver√§ndert fortgef√ľhrt wurde. So waren Aussagen m√∂glich, wie sich das Gewicht und der HbA1c-Wert von M√§nnern und Frauen, deren Diabetes auf unterschiedliche Weise behandelt wurde, ver√§nderte.

Fast zwei Drittel der Probanden (63,5 Prozent) sollten zur Behandlung ihres Typ-2-Diabetes ihren Lebensstil verbessern. Fast jeder vierte Proband erhielt Metformin (23,9 Prozent), jeder zehnte nahm Sulfonylharnstoff-Tabletten ein (10,4 Prozent) und die verbleibenden Probanden (2,2 Prozent) erhielten andere blutzuckersenkenden Medikamente.

Die Auswertung der Daten zeigte teilweise deutliche Unterschiede zwischen M√§nnern und Frauen: Frauen mit der Lebensstil-‚ÄěTherapie‚Äú nahmen signifikant mehr ab als M√§nner ‚Äď im Mittel waren es bei Frauen 0,8 Kilogramm, bei M√§nnern lediglich 0,2 Kilogramm. √Ąhnliche Unterschiede bestanden auch bei Frauen und M√§nnern, die Metformin einnahmen (Abnahme Frauen: -1,8 Kilogramm, M√§nner: -1,2 Kilogramm) und bei Frauen und M√§nnern mit Sulfonylharnstoff-Therapie (Abnahme Frauen: -0,9 Kilogramm, M√§nner: -0,2 Kilogramm).

Wurde jedoch anstelle der Gewichtsabnahme der HbA1c-Wert als Ma√üstab verwendet, hatten die M√§nner die Nase vorne ‚Äď wenn auch nur knapp: Durch eine Lebensstilintervention oder Metformineinnahme konnten sie ihren HbA1c-Wert um 0,7 Prozentpunkte senken, Frauen dagegen nur um 0,6 Prozentpunkte. Bei M√§nnern und Frauen, die Sulfonylharnstoff-Pr√§parate einnahmen, war die Ver√§nderung der HbA1c-Werte dagegen vergleichbar (beide -0,5 Prozentpunkte).

Die Autoren folgern, dass Strategien zur Behandlung des Diabetes bei M√§nnern und Frauen zu unterschiedlichen Ergebnissen f√ľhren k√∂nnen. Daher lautet ihre Empfehlung, bei der individuellen Anpassung der Diabetestherapie auch Geschlechtseffekte mit zu ber√ľcksichtigen.

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verfasst von am 23. Oktober 2015 um 08:42

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7 Kommentare zu “Diabetestherapie: M√§nner ticken anders – Frauen auch!”

  1. Daniel sagt:

    Im Grunde war es doch eigentlich schon immer so, dass Frauen in Bezug auf Gesundheitsaspekte andere Ergebnisse hervorbrachten als M√§nner. Okay, nicht unbedingt bei jeder Studie, die aber auch immer mal wieder nach Frauen und M√§nnern unterschieden wird, aber doch im √ľberwiegenden Gesundheitsbereich.

    Was allerdings auch sinnvoll ist, ist nicht nur den Fakt zu sehen, dass diese speziellen Personen Diabetes haben oder eventuell sogar noch √ľbergewichtig. Auch andere Aspekte wie die Stoffwechselfunktion sollten dabei unter die Lupe genommen werden. Ern√§hrung ist ein weiteres Thema, welches zwar h√§ufig angeschnitten, aber mit Medikamenten umgangen wird. Daher ist es ohnehin empfehlenswert, sich bei der Feststellung von Diabetes mit dem Thema zu befassen. Denn h√§ufig kann eine komplette Ern√§hrungsumstellung inklusive der richtigen Nahrungszus√§tze – nat√ľrlicher Art versteht sich – schon einiges getan werden, vor allem was das Abnehmen angeht.

    Grundlegend ist es ohnehin empfehlenswert, sich schon in jungen Jahren damit zu befassen, da hier auch noch etwas an der Situation ver√§ndert werden kann. Hat man Diabetes erst einmal, wird es grunds√§tzlich seine Spuren hinterlassen. Leider besteht in der heutigen Zeit h√§ufig nicht der Wunsch, sich mit den Hintergr√ľnden der Probleme zu befassen. Dabei kann die L√∂sung h√§ufig auch so einfach sein, indem man einfach mal seine eigenen K√∂rperfunktionen, ergo den Stoffwechsel, unter die Lupe nimmt.

  2. Damian sagt:

    Eine unterschiedliche Therapie bei Diabetes ist meiner Ansicht nach nichts neues. Ich w√ľrde sogar soweit gehen zu behaupten das nicht einmal das Geschlecht als Indikator ausreicht. Jeder Mensch ist in seiner Beschaffenheit individuell und so muss es auch hier individuelle Behandlungsans√§tze geben.

  3. Matthias sagt:

    Das h√§tte ich so nicht gedacht, immerhin haben wir in der Familie einige Diabetes-F√§lle. Aber man lernt nie aus. Vielen Dank f√ľr die Erkl√§rung. Ich teile eigentlich auch eher die Ansicht des Vorredners, dass jeder Mensch individuell zu betrachten ist. VG.

  4. Ohle sagt:

    Ich h√§tte nicht erwartet, dass es hier Unterschiede auf Basis des Geschlechts gibt. Allerdings gibt es hier bei 9100 Probanden auch nichts anzufechten. Die Zahl ist mehr als ausreichend um aussagekr√§ftige Ergebnisse zu liefern. Spannend finde ich, dass es den Frauen leichter f√§llt hierbei abzunehmen. Ist das sonst nicht eher andersrum? ūüôā
    Gruß
    Ohle

  5. Klara Stoffwechsel sagt:

    Nicht nur körperlich Ticken Frauen anders, sondern eben auch Psychisch. Der weibliche Körper ist een anders beschaffen als der Männliche, demnach muss auf den weiblichen Körper anders eingegangen werden als auf den männlichen. Sehr guter Artikel. LG

  6. Antonia sagt:

    Das wusste ich so vorher noch gar nicht, konnte also ne menge dazulernen. Danke f√ľr den √§u√üerst informativen Artikel. Lg Antonia

  7. Horst Berghäuser sagt:

    Ich glaube auch, wie Klara, dass es einiges mit der Psyche zu tun hat. Steht die Diagnose Diabetes fest, dann sind es gerade Frauen, die dies schneller akzeptieren und sich darauf einstellen. Also auch der gesamte K√∂rper akzeptiert die neue Situation und geht in die notwendigen Mechanismen √ľber.

    Beim Mann dauert dies länger, er und auch sein Körper wehren sich erstmal gegen diese Diagnose, die sie so nicht wahrhaben wollen und kämpfen dagegen an. Bis sie dann eines besseren belehrt werden und die Krankheit annehmen. Daher reagieren Männer später darauf. Das konnte ich bei einigen Bekannten sehen.

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