Ein neuer Stern am Süßstoffhimmel – Stevia ist jetzt auch in Europa zugelassen

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ernährung und Gesundheit

Dienstag, 29. November 2011

Was lange währt, wird endlich gut: Nach zwanzigjährigem Streit ist die Verwendung des Süßstoffes Stevia ab 03. Dezember 2011 in Europa zugelassen – wenn auch mit Einschränkungen.

Die Pflanze Stevia rebaudiana, auch bekannt als Honig- oder Süßkraut, stammt ursprünglich aus Brasilien und Paraguay. Ihre Süßkraft ist 15-30fach stärker als die des üblichen Haushaltszuckers (Saccharose) und geht auf süß schmeckende Steviolglycoside zurück. Den aus den getrockneten Blättern der Stevia-Pflanze isolierten Süßstoff gibt es in Pulver- und Tablettenform. Derart konzentriert ist er sogar bis zu 300fach süßer als Haushaltszucker und dennoch nahezu kalorienfrei.

Ursache für die verzögerte Zulassung waren gesundheitliche Bedenken. Stevia stand im Verdacht, erbgutschädigend und krebserregend zu sein. Zugleich fehlten wissenschaftliche Informationen, die diesen Verdacht sicher entkräften und die gesundheitliche Unbedenklichkeit belegen konnten.

Stevia
© onezzzart

Inzwischen hat sich die Situation geändert. Das zuständige Gremium der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) schätzt Steviolglycoside in seiner abschließenden Bewertung als „in Maßen gesundheitlich unbedenklich“ ein. Dieser Beurteilung folgt nun auch die EU-Kommission in Brüssel. Möglicherweise ist bereits zu Weihnachten die erste Stevia-Schokolade in deutschen Lebensmittelgeschäften erhältlich. So lautete zumindest eine Ankündigung des Schokoladenherstellers Cavalier, der bereits in den USA testweise Steviaprodukte verkauft. Die Innovation hat allerdings ihren Preis: Eine Tafel Stevia-Schokolade wird wohl mit ca. 2,50 € zu Buche schlagen. Insbesondere Diabetiker gelten als Zielgruppe für Steviaprodukte.

Ein Wermutstropfen bei der Zulassung bleibt jedoch für Lebensmittelhersteller und -handel: Da Stevia nur in Maßen als gesundheitlich unbedenklich eingestuft wurde, besteht eine Tageshöchstmenge bezüglich der Aufnahme. Täglich sollten nicht mehr als 4 mg des natürlichen Süßstoffes pro Kilogramm Körpergewicht aufgenommen werden. Eine Menge, die gerade bei Kindern schnell überschritten wird. Um gefährdete Bevölkerungsgruppen wirkungsvoll zu schützen, darf Stevia nicht für alle Lebensmittelgruppen verwendet werden, beispielsweise nicht für Backwaren und Knabberartikel.

Steviatabletten
© pasukaru76

Auch bei Lebensmitteln, für deren Verwendung Stevia zugelassen ist, wird es wohl noch eine Weile dauern, bis eine Auswahl an Produkten im Supermarktregal zu finden ist. Denn aktuell besteht hier in der Lebensmittelindustrie enormer Entwicklungsbedarf. Dazu Dr. Udo Kienle, langjähriger Stevia-Forscher an der Universität Hohenheim: „Die Herstellungsverfahren der Steviolglycoside sind noch nicht einheitlich genug. Jeder Hersteller macht es etwas anders und jedes Mal schmeckt der Stoff etwas anders. Das Problem ist, dass sie (Stevia) nicht jedem gleich schmeckt – und nicht mit jedem Produkt harmoniert.“ Entsprechend fällt auch die Akzeptanz der Verbraucher sehr unterschiedlich aus. „Bei Studien mit verschiedenen Produkten hat ein Viertel der Tester alle Varianten abgelehnt. Ein weiteres Viertel war mit allen Produkten zufrieden. Die Hälfte aber unterschied sehr stark zwischen verschiedenen Produkten: Die Urteile reichten von sehr gut bis sehr schlecht.“

Kienle persönlich beurteilt Stevia uneingeschränkt positiv. Er habe Steviaprodukte schon öfter probiert und finde sie fantastisch. „Das ist ein Geschmack, den man nie wieder vergisst.“

Zum Weiterlesen

Dr. Udo Kienle: „Stevia rebaudiana – Der Zucker des 21. Jahrhunderts“, Spurbuchverlag, 2011, Hardcover mit zahlreichen Farbabbildungen,184 Seiten, ISBN-Nummer: 978-3-88778-356-3, Preis: 19,80 EUR

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verfasst von am 29. November 2011 um 08:31

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