Erst zu dick, dann zu d√ľnn: Kinder, die abnehmen, haben ein erh√∂htes Risiko f√ľr Essst√∂rungen

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ern√§hrung und Gesundheit

Mittwoch, 18. Dezember 2013

Kinder, die fr√ľher √ľbergewichtig waren und es geschafft haben abzunehmen, haben ein erh√∂htes Risiko, eine Essst√∂rung zu entwickeln. Leider wird die Erkrankung aufgrund der Vorgeschichte der Kinder oft erst sp√§t erkannt. Mediziner und Psychologen des Mayo Clinic College of Medicine in Minnesota berichten √ľber ihre Erfahrungen.

M√§dchen auf WaageVon den Kindern und Jugendlichen, die in der Mayo-Klinik wegen restriktivem Essverhalten aufgenommen werden, ist mittlerweile jedes dritte Kind schon einmal √ľbergewichtig gewesen. Die Wissenschaftler berichten exemplarisch von zwei vormals √ľbergewichtigen Jugendlichen, einem M√§dchen und einem Jungen, die innerhalb von 2-3 Jahren √ľber 40 Kilogramm abgenommen haben und bei denen die Gewichtsabnahme entgleiste. „Beide Jugendliche begannen damit, Di√§t zu halten, und beide waren sehr flei√üig darin„, erl√§utert Assistenzprofessor Leslie Sim, ein Experte f√ľr Essst√∂rungen an der Mayo-Kinderklinik. „Sie a√üen weniger als 1500 Kalorien t√§glich und schienen besessen davon zu sein, durch Joggen und andere intensive k√∂rperliche Aktivit√§ten Gewicht zu verlieren„, so Sim weiter. Sie hatten weder Hei√ühungerattacken noch √ľbergaben sie sich, ihre Gewichtsabnahme war lediglich das Resultat ihrer sehr geringen Energieaufnahme.

M√∂glicherweise war dies der Grund daf√ľr, dass die Essst√∂rung bei diesen Patienten, deren Geschichte stellvertretend f√ľr viele weitere Kinder und Jugendliche berichtet wird, erst sp√§t erkannt wurde. Damals war der Junge leicht reizbar, hatte Konzentrationsst√∂rungen, litt unter K√§lteempfindlichkeit und Schmerzen in der Brust. Auch das M√§dchen zeigte typische Symptome einer Essst√∂rung, unter anderem Haarausfall, Menstruationsprobleme, Schwindel und Stressfrakturen.

Die Untersuchung der Einstellungen der beiden Patienten zum Essen und Gewicht zeigte, dass sie nicht nur k√∂rperlich, sondern auch psychisch krank waren, wie die Psychiaterin der Klinik, Jennifer Hagmann erl√§utert. „Sie kommen mit derselben Angst vor Fett, Schlankheitsdrang und exzessivem Bewegungsdrang wie Kinder, bei denen man in der Regel eine Anorexia nervosa [Magersucht] diagnostiziert h√§tte. Aber weil sie normalgewichtig sind oder ein bisschen dar√ľber, denkt niemand daran.

Dies sollte sich jedoch dringend √§ndern, denn die Therapiechancen bei Essst√∂rungen sind am h√∂chsten, wenn fr√ľh interveniert wird. „Wehret des Anf√§ngen…“, doch wie k√∂nnen Eltern und √Ąrzte erkennen und unterscheiden, ob die Gewichtsabnahme eines Kindes gesund verl√§uft oder krankhafte Einstellungen zugrunde liegen? Dr. Metee Comkornruecha erkl√§rt, worauf es ankommt: „Immer, wenn Sie sehen, dass Kinder abnehmen, m√ľssen sie genau hinsehen, WIE sie vorgehen. Gewichtsverlust um jeden Preis ist nicht gut. Es kommt darauf an, dass sie auf gesunde Art abnehmen, also dass sie sich ausgewogen ern√§hren und bewegen.“

Welche Faktoren dazu f√ľhren, dass ehemals √ľbergewichtige Kinder eine Essst√∂rung entwickeln, ist noch nicht genau bekannt. Dennoch haben Wissenschaftler und Mediziner Ans√§tze, wie Kinder und Jugendliche bei ihrer Gewichtsabnahme begleitet werden sollten. Dr. David Katz vom Zentrum f√ľr Pr√§ventionsforschung der Universit√§t Yale betont: „Eine wirksame Behandlung von Fettleibigkeit darf sich nicht nur auf einen Gewichtsverlust konzentrieren.“ Seiner Meinung nach sollte vielmehr das Streben nach Gesundheit im Mittelpunkt stehen. Katz r√§t, gesunde Verhaltensweisen in den Vordergrund zu stellen und Ern√§hrung und Bewegung auf die Gesundheit abzustimmen. Werden zudem Familien-basierte Strategien verfolgt, stehen die Chancen gut, gleichzeitig das √úbergewicht zu behandeln und der Entstehung von Essst√∂rungen vorzubeugen.

Quellen einblenden

verfasst von am 18. Dezember 2013 um 14:11

Was ist das?

DEBInet-Ern√§hrungsblog - √ľber uns

Unsere Autoren schreiben f√ľr Sie √ľber Aktuelles und Wissenswertes aus Ern√§hrungswissenschaft und Ern√§hrungsmedizin. Die redaktionell aufbereiteten Texte richten sich nicht nur an Experten, sondern an alle, die sich f√ľr das Thema "Ern√§hrung" interessieren.

Sie k√∂nnen sich die Beitr√§ge per Newsletter zuschicken lassen oder diese √ľber RSS-Feed oder Twitter abonnieren.

F√ľr die Schriftenreihe der Gesellschaft f√ľr Rehabilitation bei Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten e.V. (GRVS) wurden 222 unserer Blog-Artikel ausgew√§hlt. Das dabei entstandene Ern√§hrungs-Lesebuch ist 2017 im Pabst Science Publishers Verlag erschienen und steht Ihnen hier kostenlos zum Download zur Verf√ľgung

Der "DEBInet-Ernährungsblog"
ist ein Projekt der


© 2010-2019 Kluthe-Stiftung Ern√§hrung und Gesundheit

- noch keine Kommentare -

Kommentar abgeben