Evidenzbasierte DGE-Leitlinie zur Fettzufuhr und ernährungsmitbedingten Krankheiten aktualisiert

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ern√§hrung und Gesundheit

Dienstag, 3. März 2015

Die Deutsche Gesellschaft f√ľr Ern√§hrung (DGE) hat im Januar die zweite, aktualisierte Version ihrer Leitlinie f√ľr die Fettzufuhr ver√∂ffentlicht. Ern√§hrungsfachkr√§fte, Verantwortliche in der Gesundheitspolitik, Medienvertreter und anderweitig Interessierte finden darin wissenschaftlich gesicherte Erkenntnisse √ľber den Zusammenhang zwischen der Aufnahme von Fett, Fetts√§uren und Cholesterin und der Entstehung ern√§hrungsmitbedingter Erkrankungen.

Im Jahr 2006 ist die erste DGE-Leitlinie zur Fettzufuhr und ern√§hrungsmitbedingten Krankheiten erschienen. Nachdem in den letzten Jahren zahlreiche neue Studien mit Ergebnissen zum Fettstoffwechsel publiziert wurden, hat die Leitlinienkommission der DGE nun ihre Leitlinie √ľberarbeitet. Sie ist kostenlos im Internet erh√§ltlich und liefert Informationen zum Wirkungsmechanismus von Fetten und Fetts√§uren bei bestimmten, ern√§hrungsmitbedingten Erkrankungen, Angaben zu Risikogruppen und Hinweise, wie die abgeleiteten Empfehlungen in die Praxis umgesetzt werden k√∂nnen. Hilfreich im beraterischen Kontext erscheint au√üerdem die Gegen√ľberstellung der Evidenz 2006 und 2015.

Unter Ber√ľcksichtigung der neuen Studienergebnisse zeigten sich die st√§rksten Zusammenh√§nge zwischen der Aufnahme von Fetten beziehungsweise Fetts√§uren und den betrachteten ern√§hrungsmitbedingten Erkrankungen in folgenden Bereichen:

  • Adipositas (Fettleibigkeit): Die Menge und der Anteil an Fett sind wichtige Nahrungsfaktoren, welche die Gewichtszunahme und damit die Entstehung von Adipositas beg√ľnstigen. Dies gilt allerdings nur, solange die Energiezufuhr nicht begrenzt wird. Werden dagegen ‚Äď bei gleich bleibender Energieaufnahme ‚Äď Kohlenhydrate oder Eiwei√ü durch Fett ersetzt, hat dies wahrscheinlich keine Auswirkungen auf das Adipositasrisiko.
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Zur Pr√§vention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen empfiehlt die DGE, anstelle von ges√§ttigten Fetts√§uren in tierischen Produkten (zum Beispiel Fleisch und Wurstwaren) mehr einfach und mehrfach unges√§ttigte Fetts√§uren (in pflanzlichen √Ėlen [Raps-, Walnuss√∂l] und fettem Fisch) zu verzehren. Der Verdacht, dass trans-Fetts√§uren (in Fertigprodukten, Backwaren aus Bl√§tterteig, Pommes frites) das Risiko f√ľr Herz-Kreislauferkrankungen steigern, wurde von √ľberzeugend auf wahrscheinlich zur√ľckgestuft.

  • Dyslipoprotein√§mien (Fettstoffwechselst√∂rungen): Hier ist die Fetts√§urenzusammensetzung entscheidend: Ges√§ttigte Fetts√§uren erh√∂hen die Konzentration des Gesamtcholesterins und des LDL-Cholesterins im Plasma, w√§hrend trans-Fetts√§uren die Konzentration des LDL-Cholesterins erh√∂hen und zugleich die HDL-Cholesterinkonzentration senken. In diesem Fall empfiehlt sich ebenfalls ein Austausch von ges√§ttigten und trans-Fetts√§uren durch einfach- und mehrfach-unges√§ttigte Fetts√§uren.
  • Einfluss von Nahrungscholesterin: Die Studienergebnisse weisen darauf hin, dass wahrscheinlich kein Zusammenhang zwischen der Cholesterinaufnahme mit der Nahrung und dem Schlaganfallrisiko besteht. M√∂glicherweise l√§sst sich dies durch den allgemein geringen Zusammenhang zwischen der Cholesterinaufnahme und dem Anstieg des Gesamtcholesterins und des LDL-Cholesterins im Plasma erkl√§ren. Jedoch ist die Absorption von Cholesterin aus der Nahrung individuell verschieden, sodass dieser Zusammenhang variieren kann.

Verglichen mit dem Jahr 2006 haben sich die Evidenzbewertungen nur bei wenigen Krankheiten/N√§hrstoffen ge√§ndert. Beispielsweise gilt es inzwischen als wahrscheinlich, dass der Austausch von ges√§ttigten Fetts√§uren durch mehrfach unges√§ttigte Fetts√§uren das Risiko f√ľr Herz-Kreislauf-Erkrankungen reduziert.
Die DGE weist in ihrer Leitlinie au√üerdem auf weiteren Forschungsbedarf hin. Bislang ist noch zu wenig bekannt √ľber Wechselbeziehungen zwischen Fetten/Fetts√§uren und anderen Nahrungsbestandteilen (beispielsweise Kohlenhydraten, anderen Fetts√§uren). Weitere Erkenntnisse in diesem Bereich k√∂nnten dabei helfen, zuk√ľnftig zielgerichteter und wirksamer vor ern√§hrungsmitbedingten Erkrankungen zu sch√ľtzen.

verfasst von am 3. März 2015 um 07:27

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3 Kommentare zu “Evidenzbasierte DGE-Leitlinie zur Fettzufuhr und ern√§hrungsmitbedingten Krankheiten aktualisiert”

  1. Christin sagt:

    Endlich passen sich die Empfehlungen der DGE mal an aktuelle Forschungsergebnisse an! Allerdings finde ich diesen Part seltsam:“In diesem Fall empfiehlt sich ebenfalls ein Austausch von ges√§ttigten und trans-Fetts√§uren durch einfach- und mehrfach-unges√§ttigte Fetts√§uren.“ Eigentlich sollten Transfette gar nicht in der Ern√§hrung vorkommen und gr√∂√ütenteils ges√§ttigte und einfach unges√§ttigte Fetts√§uren aufgenommen werden aber nicht zu viele mehrfach unges√§ttigte, so mein Wissen.

  2. Christina Bächle sagt:

    Derzeit essen die meisten Menschen zu viele gesättigte Fettsäuren, teilweise auch zuviel Trans-Fettsäuren. Daher lautet die Empfehlung der DGE, den Anteil dieser Fettsäuren zu reduzieren und durch einfach und mehrfach ungesättigte Fettsäuren zu ersetzen.

  3. Michael sagt:

    Klingt alles verst√§ndlich. Und wie sch√∂n, dass es „gutes“ und „nicht so gutes“ Fett gibt, das macht es einfach, das richtige Fett essen hilft f√ľr ein gesundes Leben. Ich wei√ü noch, wie Fett damals in den 80ern und 90ern verteufelt wurde, alles wurde „fettfrei“, dabei liegt die gro√üe Gefahr der heutigen Zeit, aus meiner Sicht im Zucker und deren „Ersatzstoffe“, Aspartam und √§hnlichem.

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