Fleisch: Vom Luxusgut zum Massenkonsum

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ernährung und Gesundheit

Donnerstag, 7. Februar 2013

BUND warnt vor globalen Folgen des Fleischkonsums

War Fleisch früher ein Luxusnahrungsmittel, so kann sich heute nahezu jeder Bürger in der westlichen Welt viel Fleisch leisten. Die Deutschen essen heute viermal so viel Fleisch wie in der Mitte des 19. Jahrhunderts und doppelt so viel Fleisch wie  vor hundert Jahren. Im „Fleischatlas 2013“, der gemeinsam von Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), der Heinrich-Böll-Stiftung und der Monatszeitung „Le Monde diplomatique“ herausgegen  wurde, werden Zahlen und Fakten rund um den Fleischkonsum und dessen Folgen für Mensch und Umwelt diskutiert.

Fleischtheke Lord Jim

Insgesamt ist der Fleischkonsum in den Industrieländern zwar in den letzten sechs Jahren um zwei Kilogramm von 81 auf 79 Kilogramm Fleisch pro Person und Jahr zurückgegangen, im gleichen Zeitraum stieg der Verbrauch in Entwicklungsländern allerdings von 30,7 Kilogramm pro Person auf 32,7 Kilogramm an. Mit durchschnittlich 60 Kilogramm pro Person und Jahr liegen die Deutschen mit ihrem Fleischverzehr etwas unter dem Durchschnitt der Industrieländer. Die Hochrechnung des Verzehrs von Fleisch in einem durchschnittlichen Menschenleben kann sich aber dennoch sehen lassen. Demnach isst jeder Deutsche in seinem Leben durchschnittlich 1094 Tiere, darunter vier Rinder, vier Schafe, zwölf Gänse, 37 Enten, 46 Schweine, 46 Puten und 945 Hühner.

17 von 20 Deutschen essen täglich oder nahezu täglich Fleisch. Dabei verzehren Männer mehr Fleisch als Frauen. Absolute Spitzenverbraucher sind hierzulande 19-24-jährige Männer.

Weltweit wurden 2012 300 Millionen Tonnen Fleisch produziert. Der BUND kritisiert, dass der Fleischkonsum hierzulande auf Kosten der Menschen in der Dritten Welt gehe. Zur Produktion von Fleisch werden große Mengen an Futtermitteln benötigt. In Deutschland werden inzwischen fast zwei Drittel der Agrarflächen für die Erzeugung von Futtermitteln verwendet. Doch die Menge der in Deutschland und Europa erzeugten Futtermittel reicht nicht mehr zur Deckung des Bedarfs aus und so werden Futtermittel, insbesondere Soja importiert. Mittlerweile wird beinahe ein Drittel der Landflächen weltweit für die Produktion von Futtermitteln genutzt, oft auch das Land, das Kleinbauern vor Ort eigentlich für den Anbau ihrer eigenen Nahrungsmittel benötigen. Hinzu kommen große Mengen an Wasser, die für den Anbau von Futtermitteln und die Haltung von Tieren benötigt werden. Zur Herstellung eines Kilogramms Fleisch werden Hochrechnungen zufolge etwa 10.000 Liter Wasser benötigt, bei Rindfleisch sind es sogar ca. 15.000 Liter. Zugleich haben 1,1 Milliarden Menschen auf der Welt keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser.

Auch in Industrieländern hat die Fleischproduktion Auswirkungen auf die Umwelt: Pflanzenarten sterben aus, im Grundwasser finden sich Rückstände von Düngemitteln, Unkraut- und Insektenvernichtungsmitteln und in Großställen werden massiv Antibiotika eingesetzt, so der BUND. BUND-Chef Hubert Weiger fordert ein Umdenken in der Agrarpolitik. Bundesagrarministerin Aigner wirft er Versäumnisse bei der Einleitung von Veränderungen vor. „Es werden weiter neue Mega-Ställe gebaut, deren Förderung Fleisch beim Discounter scheinbar billig macht.“ In Wirklichkeit zahle der Verbraucher jedoch dreimal für scheinbar billiges Fleisch: „Einmal beim Kauf des Fleisches, dann mit Steuergeld für neue Ställe und Schlachthöfe und drittens für die Umwelt- und Gesundheitsschäden.“ Weiger fordert für dieses Jahr eine echte ökologische und soziale Reform der europäischen Agrarpolitik und eine Kopplung von Subventionen an die Einhaltung strenger Umwelt- und Tierschutzauflagen.

Der Fleischatlas kann hier heruntergeladen werden.

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verfasst von am 7. Februar 2013 um 07:29

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