Fundierte Onlineinformationen oder Fake News? Digitale Gesundheitskompetenz in Deutschland ist unzureichend

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ern√§hrung und Gesundheit

Donnerstag, 4. Februar 2021

Laut einer aktuellen, bundesweit repr√§sentativen AOK-Studie hat jeder zweite Bundesb√ľrger Probleme bei der Nutzung von gesundheitsbezogenen digitalen Angeboten und Informationen. Vielen f√§llt es schwer, gezielt nach Informationen zu Gesundheitsthemen zu suchen und deren Zuverl√§ssigkeit zu beurteilen.

Willkommen im 21. Jahrhundert mit den (fast) unbegrenzten digitalen M√∂glichkeiten! Die digitale Transformation macht auch vor dem Gesundheitswesen nicht halt. Nicht nur die Menge an Gesundheitsinformationen im Internet nimmt stetig zu, dar√ľber hinaus sollen digitale Helfer wie Gesundheitsapps bei der Umsetzung eines gesunden Lebensstils oder Bew√§ltigung von Erkrankungen helfen. Nicht allen f√§llt es leicht, angesichts der Informationsflut Fakten und Falschmeldungen zu unterscheiden, das f√ľr sie Notwenige herauszufiltern und effektive und gesunde Handlungen daraus abzuleiten.

Die AOK hat ein Marktforschungsinstitut beauftragt, deutschlandweit 8.500 Personen im Alter von 18 bis 75 Jahren zu ihrer digitalen Gesundheitskompetenz zu befragen. Doch was genau versteht man unter Gesundheitskompetenz? Die AOK greift eine Definition von Kolpatzik, Zeeb und S√∂rensen (2020) auf, wonach die allgemeine digitale Gesundheitskompetenz „individuelle, soziale und technische Kompetenzen und Ressourcen umfasst, die f√ľr das Suchen, Finden, Verstehen, Bewerten und Anwenden digital verf√ľgbarer Gesundheitsinformationen wichtig sind.“ In der aktuellen Studie wurden die M√§nner und Frauen zu sieben Bereichen ihrer digitalen Gesundheitskompetenz befragt: operative F√§higkeiten, Informationssuche, Bewertung der Verl√§sslichkeit, Bestimmung der Relevanz, F√§higkeit zur Navigation, Erstellung eigener Inhalte sowie Schutz der Privatsph√§re/Datenschutz. Aus den Antworten der Probanden auf die insgesamt 21 Fragen wurde ein individueller Durchschnittswert berechnet, der sogenannte eHealth Literacy-Score. Er erm√∂glicht die Beurteilung der Gesundheitskompetenz der Befragten.

Die Ergebnisse lassen zu w√ľnschen √ľbrig: Mehr als die H√§lfte der Befragten verf√ľgten √ľber eine eingeschr√§nkte digitale Gesundheitskompetenz (52,4 Prozent), w√§hrend ein Viertel der Befragten (24,8 Prozent) eine sehr hohe und gut ein F√ľnftel der Befragten (22,7 Prozent) eine hohe digitale Gesundheitskompetenz aufwiesen. Damit ergibt sich f√ľr die digitale Gesundheitskompetenz der B√ľrger ein √§hnliches Ergebnis wie f√ľr die Ern√§hrungskompetenz in der vorausgehenden AOK-Studie vor einem halben Jahr.

Die digitale Gesundheitskompetenz variierte mit verschiedenen soziodemographischen Merkmalen. Verglichen mit M√§nnern verf√ľgten Frauen √ľber eine etwas h√∂here digitale Gesundheitskompetenz. Mit zunehmendem Alter stieg der Anteil der Befragten mit einer eingeschr√§nkten digitalen Gesundheitskompetenz nur unwesentlich an. Die digitale Gesundheitskompetenz nahm mit dem Bildungsabschluss und dem Einkommen zu, w√§hrend die Herkunft der Personen (mit/ohne Migrationshintergrund) kaum von Bedeutung war. Au√üerdem zeigte sich ein deutlicher Zusammenhang zwischen der digitalen Gesundheitskompetenz und dem selbst eingesch√§tzten Gesundheitszustand der Befragten. Von den Probanden mit einem subjektiv sehr guten Gesundheitszustand verf√ľgten nur 40,6 Prozent √ľber eine eingeschr√§nkte digitale Gesundheitskompetenz, bei den Probanden mit subjektiv schlechtem Gesundheitszustand betrug der Anteil dagegen 60,3 Prozent.

Am schwersten fiel den Befragten die Suche nach Informationen sowie die Bewertung der Verl√§sslichkeit und Relevanz der gefundenen Gesundheitsinformationen. Mit 48,3 Prozent hatte fast jeder Zweite Probleme zu beurteilen, ob Informationen zuverl√§ssig sind oder nicht und zwei von f√ľnf Befragten (40 Prozent) fanden es ‚Äěschwierig‚Äú oder ‚Äěsehr schwierig‚Äú herauszufinden, ob kommerzielle Interessen hinter den Gesundheitsinformationen stehen.

„W√§hrend die Digitalisierung immer weiter voranschreitet, w√§chst die Gefahr, dass die B√ľrger nicht mehr mitkommen“, warnt Martin Litsch, Vorstandsvorsitzender des AOK-Bundesverbandes. „Die Umfrage zeigt auf, dass digitale Angebote leicht zug√§nglich und verst√§ndlich sein m√ľssen, damit alle Menschen davon profitieren“, so Litsch weiter. Deshalb m√ľssten Barrieren abgebaut werden, um Menschen in die Lage zu versetzen, die richtigen Entscheidungen f√ľr die eigene Gesundheit zu treffen.

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verfasst von am 4. Februar 2021 um 09:12

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