Gemeinsam isst es sich gesünder

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ernährung und Gesundheit

Dienstag, 25. Oktober 2011

Kinder und Jugendliche, die regelmäßig gemeinsam mit ihren Eltern essen, ernähren sich gesünder, sind seltener übergewichtig und haben ein geringeres Risiko, an Essstörungen zu erkranken.

Oft bleibt im Familienalltag wenig Zeit für gemeinsame Mahlzeiten. Gerade in Haushalten mit älteren Kindern ist es schwierig, die Zeiten von Arbeit, Schule und Freizeitaktivitäten so aufeinander abzustimmen, dass auch während der Woche Zeit für gemeinsame Mahlzeiten bleibt. Und am Wochenende unterscheidet sich die Wochenendplanung von Jugendlichen häufig deutlich vom Tagesablauf ihrer Eltern. Dass es sich dennoch lohnt, sich um gemeinsame Mahlzeiten zu bemühen, zeigt eine amerikanische Untersuchung.

Amber J. Hammons und Barbara H. Fiese gingen der Frage nach, welche Auswirkungen regelmäßige Familienmahlzeiten auf die Nährstoffaufnahme und Gesundheit von Kindern und Jugendlichen haben. Hierfür werteten die Wissenschaftlerinnen der Universität von Illinois die Ergebnisse von 17 Studien mit insgesamt 182.836 Kindern und Jugendlichen gemeinsam aus. Die Mehrheit der Studien stammte aus den USA (12), hinzu kam je eine Studie aus Kanada, Australien, Neuseeland, Finnland und Japan. Die Größe der Studien variierte deutlich: Die kleinste Studie hatte 145, die größte 99.836 Teilnehmer. Das mittlere Alter der Probanden lag je nach Studie zwischen 2,8 und 17,3 Jahren. So konnten die Autorinnen für ihre Analysen einen großen Bereich der Kindheit und Jugend abdecken.

Im Ergebnis fanden Hammons und Fiese heraus, dass sich Kinder und Jugendliche aus Familien, die mindestens dreimal wöchentlich gemeinsam aßen (egal, ob Frühstück, Mittag- oder Abendessen) gesünder ernährten als Kinder und Jugendliche mit einer geringeren Anzahl an Familienmahlzeiten. Ein Viertel der Probanden bzw. ihrer Eltern gab an, mehr gesunde Lebensmittel wie Obst und Gemüse zu essen, und frühstückte häufiger. Ungünstige Ernährungsgewohnheiten wie häufiger Konsum von Limonade und Fast Food, frittierten Lebensmitteln, Süßigkeiten oder ein Auslassen des Frühstücks waren in der Gruppe mit mehr als drei Familienmahlzeiten seltener. Die Kinder hatten außerdem ein 12 Prozent geringeres Risiko für Übergewicht und wiesen 35 Prozent seltener Zeichen von Essstörungen (z. B. Gewichtskontrollverhalten, Auslassen von Mahlzeiten bis hin zum Fasten, Essen von sehr kleinen Portionsgrößen, Binge Eating, selbst induziertes Erbrechen, Medikamenten­missbrauch) auf.

Die positive Wirkung von häufigen Familienmahlzeiten führen die Autorinnen unter anderem darauf zurück, dass die Kinder seltener Fertiggerichte verzehren. Fertiggerichte und Fast Food sind reich an Energie und Fett und begünstigen die Entstehung von Übergewicht. Bei gemeinsamen Familienmahlzeiten können außerdem erste Anzeichen einer Essstörung frühzeitig bemerkt werden. So haben Eltern die Möglichkeit zu reagieren, bevor manifeste Essstörungen entstehen.

Auch wenn bislang noch weitgehend unklar ist, auf welchen Ursachen die positiven Wirkungen von gemeinsamen Mahlzeiten im Familienkreis beruhen, können und sollen die bisherigen Ergebnisse dazu motivieren, häufiger gemeinsam zu essen. In diesem Zusammenhang wäre es interessant zu untersuchen, ob die gemeinsamen Mahlzeiten auch mit günstigen gesundheitlichen Auswirkungen bei den Erwachsenen einhergehen.

Quelle:
Hammons AJ, Fiese BH: Is frequency of shared family meals related to the nutritional health of children and adolescents? Pediatrics 2011; 127:e1565-e1574

verfasst von am 25. Oktober 2011 um 06:29

Was ist das?

DEBInet-Ernährungsblog - über uns

Unsere Autoren schreiben für Sie über Aktuelles und Wissenswertes aus Ernährungswissenschaft und Ernährungsmedizin. Die redaktionell aufbereiteten Texte richten sich nicht nur an Experten, sondern an alle, die sich für das Thema "Ernährung" interessieren.

Sie können sich die Beiträge per Newsletter zuschicken lassen oder diese über RSS-Feed oder Twitter abonnieren.

Der "DEBInet-Ernährungsblog"
ist ein Projekt der


© 2010-2016 Kluthe-Stiftung Ernährung und Gesundheit

- noch keine Kommentare -

Kommentar abgeben