Glutenfreie ErnĂ€hrung fĂŒr Kinder: Gut oder nur gut gemeint?

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung ErnĂ€hrung und Gesundheit

Donnerstag, 30. Juni 2016

Das Angebot an glutenfreien Lebensmitteln wĂ€chst verglichen mit der Zöliakie-PrĂ€valenz (KrankheitshĂ€ufigkeit) ĂŒberproportional. LĂ€ngst haben sich auch die Discounter auf den neuen Gesundheitstrend eingestellt. Doch wie sinnvoll ist eine glutenfreie ErnĂ€hrung fĂŒr gesunde Menschen und speziell Kinder? Gibt es Risiken, die die antizipierten Vorteile ĂŒbersteigen?

In den USA wurden 2015 mehr als 1.500 Erwachsene, die sich glutenfrei ernĂ€hrten, nach den GrĂŒnden hierfĂŒr gefragt. Ein Drittel der Befragten (35 Prozent) wĂ€hlte die Antwort „keinen Grund“, ein Viertel hielt eine glutenfreie ErnĂ€hrung fĂŒr die „gesĂŒndere Option“ (26 Prozent) und ein FĂŒnftel der Befragten glaubte an eine verdauungsfördernde Wirkung (19 Prozent). Bei jedem zehnten Befragten (10 Prozent) war ein Familienmitglied „glutensensitiv“ und lediglich acht Prozent gaben an, selbst „glutensensitiv“ zu sein. Doch ohne Ă€rztliche Indikation kann eine konsequent glutenfreie ErnĂ€hrung mehr schaden als nĂŒtzen, warnt Dr. Norelle R. Reilly vom Columbia University Medical Center in New York. In einer Kolumne in der Fachzeitschrift „Journal of Pediatrics“ diskutiert sie Vorteile, Nachteile und mögliche Risiken, die durch eine glutenfreie ErnĂ€hrung fĂŒr eigentlich gesunde Kinder entstehen.

Aus Sorge um die Gesundheit ihrer Kinder setzen Eltern manchmal ihre Kinder auf eine glutenfreie DiĂ€t, in dem Glauben, dass diese Symptome lindert, Zöliakie verhindert oder eine gesunde Alternative darstellt, ohne vorherige PrĂŒfung auf Zöliakie oder Beratung durch einem ErnĂ€hrungsberater„, erlĂ€utert Dr. Reilly. Der aktuelle Trend zur glutenfreien ErnĂ€hrung beruht allerdings auf vielen MissverstĂ€ndnissen.

Glutenfrei: Bestandteil eines gesunden Lebensstils ohne Risiken?
Laut Dr. Reilly existieren nur zwei Krankheitsbilder, bei denen eine glutenfreie ErnĂ€hrung nachweisbaren Nutzen mit sich bringt: Zöliakie oder eine Weizenallergie. Dagegen können durch die Wahl glutenfreier Produkte die Aufnahme von Fett und damit die Energieaufnahme insgesamt ansteigen, NĂ€hrstoffmĂ€ngel werden wahrscheinlicher und die Diagnose einer tatsĂ€chlich vorliegenden Erkrankung wird erschwert. Ein wissenschaftlicher Beleg dafĂŒr, dass Gluten toxisch fĂŒr den menschlichen Stoffwechsel ist, ist zudem nicht vorhanden.

Glutenfrei wegen familiÀrer Vorbelastung?
Weder Verwandte ersten Grades noch Kinder mit einem erhöhten Zöliakie-Risiko profitieren von einer vorsorglich glutenfreien ErnĂ€hrung. Im aktuellen wissenschaftlichen VerstĂ€ndnis ist weder eine besonders frĂŒhzeitige noch eine verzögerte EinfĂŒhrung von Gluten bei Kindern mit Zöliakie-PrĂ€disposition mit einem geringeren Erkrankungsrisiko verbunden, da die Erkrankung genetisch determiniert ist.

Glutenfrei: Mehr Schaden als Nutzen?
Wegen der erhöhten Kosten glutenfreier Lebensmittel, drohender NĂ€hrstoffmĂ€ngel und EinschrĂ€nkungen in der LebensqualitĂ€t kann eine glutenfreie ErnĂ€hrung in den Augen von Dr. Reilly mehr schaden als nutzen. „Eltern sollten ĂŒber mögliche finanzielle, soziale und ernĂ€hrungsbezogene Folgen einer unnötigen glutenfreien ErnĂ€hrung informiert werden„, fordert die Wissenschaftlerin. Anbieter gesundheitlicher Dienstleistungen wĂ€ren zwar möglicherweise nicht mehr in der Lage, den Trend zur glutenfreien ErnĂ€hrung aufzuhalten, sie sollten aber dennoch eine grĂ¶ĂŸere Rolle bei der AufklĂ€rung von Patienten und Eltern spielen, empfiehlt Dr. Reilly.

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verfasst von am 30. Juni 2016 um 06:15

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6 Kommentare zu “Glutenfreie ErnĂ€hrung fĂŒr Kinder: Gut oder nur gut gemeint?”

  1. Lena sagt:

    DarĂŒber habe ich schon oft diskutiert und dieser Bericht bestĂ€tigt meine Aussagen.
    Eine glutunfreie ErnÀhrung beinhaltet eine komplette Umstellung des Speiseplans und man muss darauf achten was man einkauft, denn da gibt es viele Sachen zu beachten.

    Liebe GrĂŒĂŸe

  2. Luca sagt:

    Hey super Beitrag!
    Und ich danke euch denn ich hatte vor kurzem eine Heiden Diskussion mit meiner Freundin darĂŒber. Und dank euch kann ich ihr jetzt klare beweise liefern warum eine glutunfreie DiĂ€t fĂŒr unsere Tochter humbuck ist.

  3. Rosemarie sagt:

    Den finanziellen Aspekt einer glutenfreien ErnÀhrung habe ich so noch nie betrachtet.

    Ich bin auch der Meinung, dass die LebensqualitÀt durch die EinschrÀnkung enorm leiden kann.

    Sehr interessant finde ich, dass durch die Wahl glutenfreier Produkte die Aufnahme von Fett ansteigen kann. Das war mir so bis jetzt noch nicht bewusst.

    Ein wirklich sehr wertvoller Beitrag. Herzlichen Dank!

  4. Antonia sagt:

    Ich bewundere eure Seite ! Sie gefĂ€llt mir unwahrscheinlich gut. Das ist auch einer der GrĂŒnde warum ich euch aktiv folge 🙂

  5. Moe sagt:

    Sehr Informativ , hatte mir auch schon ĂŒberlegt ob ich doch nicht mal wenigstens die gluten freie ErnĂ€hrung ausprobieren soll 🙂

  6. susilĂŒ sagt:

    Hey,

    Super Beitrag.
    Dient glutenfreie ErnĂ€hrung tatsĂ€chlich der Verdauungsförderung oder ist das nur ein GerĂŒcht? WĂŒrde mich doch mal stark interessieren. Ich stehe diese glutenfreien Bewegung irgendwie ein wenig skeptisch gegenĂŒber und esse vor allem ohne zu genau darĂŒber nachzudenken.

    Gruß, Susi

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