Hamburger- und Chipssteuer – Auswege aus der Volkskrankheit √úbergewicht?

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ern√§hrung und Gesundheit

Mittwoch, 3. August 2011

Ungarn wagt neue Schritte im Kampf gegen √úbergewicht

Einkauf
© colros

Sicher haben schon andere L√§nder mit dem Gedanken gespielt, als ungesund eingestufte Lebensmittel zu versteuern. Doch Ungarn setzt als erstes europ√§isches Land entsprechende Pl√§ne um und etabliert zum September 2011 eine Sonderabgabe f√ľr ungesunde Lebensmittel. Die Steuer gilt f√ľr Fertigprodukte und Fast Food mit einem √ľberm√§√üig hohen Salz-, Zucker- oder Fettgehalt sowie industriell hergestellte Getr√§nke.

Die ungarische Regierung begr√ľndet diesen innovativen Schritt damit, dass der Gesundheitszustand der ungarischen Bev√∂lkerung im internationalen Vergleich „zur√ľckgeblieben“ sei: Etwa jeder f√ľnfte Ungar leidet an gesundheitsbeeintr√§chtigender Fettleibigkeit (1). Die ungarische K√ľche ist f√ľr ihre deftigen, kalorienreichen Speisen bekannt. Geht der Plan der ungarischen Regierung auf, dann k√∂nnte die Steuer den Landsleuten die Umstellung auf eine ges√ľndere Lebensweise erleichtern.

BMI-Rechner

F√ľr industriell hergestellte Kuchen und Getr√§nke m√ľssen demnach ab September umgerechnet 37-74 Cent pro Kilogramm Geb√§ck mehr bezahlt werden. Auch Speiseeis wird besteuert, falls sein Zuckergehalt √ľber f√ľnf Prozent betr√§gt. Der Aufschlag f√ľr Erfrischungsgetr√§nke betr√§gt bis zu 92 Cent pro Liter. Zucker- und energiereiche Energydrinks sind von der geplanten Steuer besonders betroffen. Auch Hamburger und andere Fast-Food-Gerichte werden nicht verschont: Der Salzgehalt des fertigen Gerichts ist hier ausschlaggebend f√ľr die Besteuerung.

geräucherte Wurst
© TheDeliciousLife

Aspekte wie Zielorientierung und Effektivit√§t der Steuer im Kampf gegen √úbergewicht und seine Folgekrankheiten scheinen jedoch bei der Entscheidung √ľber die Auswahl der Lebensmittel nicht die ausschlaggebenden Kriterien gewesen zu sein. Sonst w√§re es kaum zu erkl√§ren, dass f√ľr traditionelle ungarische Speisen wie Salami, Bauernw√ľrste oder G√§nseleberpastete trotz ihres hohen Fett-, Energie- und Salzgehalts offenbar keine zus√§tzlichen Abgaben f√§llig werden. Auch salzreiche So√üen und Senf bleiben von der Steuer verschont. Es entsteht der Eindruck, dass die Lebensmittelsonderabgaben in erster Linie f√ľr importierte Fertigprodukte gelten.

Neben Ungarn besch√§ftigen sich auch andere europ√§ische Mitgliedsstaaten mit der Einf√ľhrung einer Sonderabgabe f√ľr ungesunde Lebensmittel. In Rum√§nien wurden Pl√§ne zur Besteuerung von Fast Food vorerst zwar wegen der stark gestiegenen Lebensmittelpreise vertagt, D√§nemark hingegen ist gerade dabei, eine Steuer auf die gesundheitssch√§digenden ges√§ttigten Fetts√§uren einzuf√ľhren.

In Deutschland sind sich Verbrauchersch√ľtzer und Vertreter der Lebensmittelindustrie in einem Punkt einig: Das ungarische Modell sei kein L√∂sungsansatz f√ľr die √úbergewichtsproblematik vor Ort. „Die Produkte bleiben ja auf dem Markt“, kommentiert die Lebensmittelexpertin Jutta Jeschke den ungarischen Vorsto√ü. Besser seien Grenzwerte f√ľr bestimmte Fette. Und der Sprecher des industrienahen Bunds f√ľr Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde, Andreas Moritz, erg√§nzt: „Fettsteuern zum Beispiel auf Bratwurst machen Bratwurst teurer. Deswegen werden die Menschen doch nicht weniger Bratwurst essen. Sie zahlen nur mehr daf√ľr.“ Aus diesem Grund sehen Kritiker in der Lebensmittelbesteuerung Ungarns in erster Linie eine M√∂glichkeit zur Beschaffung neuer Staatseinnahmen und weniger eine wirkungsvolle gesundheitspolitische Ma√ünahme.

(1) In Deutschland sind aktuell (je nach Herkunft der Daten) 10-20 Prozent der erwachsenen Bevölkerung adipös.

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verfasst von am 3. August 2011 um 06:10

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Ein Kommentar zu “Hamburger- und Chipssteuer – Auswege aus der Volkskrankheit √úbergewicht?”

  1. Sigmund sagt:

    Super Artikel, ich finde die Idee sehr gut f√ľr ungesunde Lebensmittel mehr Geld zu verlangen. Es gibt ja auch einige L√§nder, wie z.B. Norwegen, in denen der Tabak und der Alkohol sehr hoch besteuert werden…. Fazit man wird sicherlich weniger Rauchen.

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