Health Claims – wohl nicht der Weisheit letzter Schluss

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ern√§hrung und Gesundheit

Dienstag, 29. Mai 2012

Europäische Kommission veröffentlicht Liste mit zulässigen gesundheitsbezogenen Angaben auf Lebensmittel

Die Europ√§ische Kommission hat am 16. Mai 2012 die genehmigten Health Claims bekannt gegeben. 222 gesundheitsbezogene Angaben d√ľrfen fortan europaweit auf Lebensmitteletiketten und in der Werbung verwendet werden. Produkte mit bisher eingesetzten, nunmehr abgewiesenen Angaben k√∂nnen noch sechs Monate lang abverkauft werden, bevor sie vom Markt genommen werden m√ľssen.

√úber 44 000 Health Claims reichten die Mitgliedsstaaten der Europ√§ischen Union im Jahr 2008 bei der Kommission ein, die diese auf 4 600 zusammenfasste. Bis zum Jahr 2010 wurden die Health Claims an die europ√§ische Beh√∂rde f√ľr Lebensmittelsicherheit (EFSA) geschickt, die wissenschaftlich untersuchte, ob die darin gemachten Angaben best√§tigt werden k√∂nnen. Die EFSA schloss den Hauptteil dieser Arbeit Mitte 2011 ab. Die Mitgliedsstaaten stimmten daraufhin einer Autorisierung der Claims zu und das Europa-Parlament und der Europ√§ische Rat erkl√§rten sich nach vorangegangener Pr√ľfung am 27. April 2012 damit einverstanden.

John Dalli, EU-Kommisar f√ľr Gesundheit und Verbraucherpolitik, spricht in diesem Zusammenhang von einem „kr√∂nendem Abschluss“ als Ergebnis jahrelanger Arbeit. Weiter sieht er in der gefallenen Entscheidung einen „wichtigen Meilenstein bei der Regulierung der gesundheitsbezogenen Angaben auf Lebensmitteln“. F√ľr Zulassungsbeh√∂rden best√ľnde fortan weniger administrativer Aufwand und f√ľr Lebensmittelhersteller und Verbraucher g√§be es mehr Klarheit. „Die EU-weite Liste der zul√§ssigen Health Claims wird im Internet verf√ľgbar sein und wird es Verbrauchern √ľberall in der EU erm√∂glichen, eine informierte Entscheidung zu treffen“, meint Dalli.

Einen √§hnlichen Standpunkt vertritt Monique Goyens, Generaldirektorin der europ√§ischen Verbraucherorganisation (BEUC). √úber gesundheitsbezogene Angaben sagt sie: „Die Lebensmittelindustrie hat lange Zeit falsche oder √ľbertriebene Angaben genutzt, um die Aufmerksamkeit der Verbraucher zu gewinnen. Es ist h√∂chste Zeit, dass solche irref√ľhrenden und unbegr√ľndeten Angaben vom Markt genommen werden (‚Ķ).“ F√ľr die Verbraucher bedeute dies nach Meinung Goyens die Aussicht auf klare, pr√§zise und vor allem vertrauensw√ľrdige Informationen.

Doch es gibt auch kritische Stimmen. Die Europ√§ische Kommission hat mit den Health Claims insbesondere Werbung f√ľr Vitamine und Mineralstoffe genehmigt. Nach Ansicht von Dr. Martin M√ľller, einem Sachverst√§ndigen f√ľr Lebensmittel, √∂ffnen die neuen, zul√§ssigen Angaben f√ľr diese N√§hrstoffe viel Raum f√ľr werbebezogene Aussagen: „(Oftmals) reichen (…) geringe Mengen in den Produkten aus, um zugelassene Werbeversprechen t√§tigen zu k√∂nnen. Und wenn man sich die f√ľr Vitamine und Mineralstoffe zugelassenen Claims einmal genauer anschaut, dann findet man f√ľr alle wichtigen Bereiche und Funktionen des menschlichen K√∂rpers etwas passendes.“ Kritiker bef√ľrchten vor diesem Hintergrund einen gezielten Einsatz von Vitaminen und Mineralstoffen, der mehr einer gesundheitsbezogenen Werbung als dem tats√§chlichen gesundheitlichen Nutzen dienen wird.

Auch wenn sie wissenschaftlich gepr√ľft wurden – eine endg√ľltige Sicherheit f√ľr Hersteller und Verbraucher k√∂nnen die Health Claims nicht garantieren. Sie geben lediglich den aktuellen Wissensstand zum Zeitpunkt der Bewertung wieder. Irrt√ľmer sind dabei nicht auszuschlie√üen und wenn neue Erkenntnisse aufkommen, k√∂nnen m√∂glicherweise √Ąnderungen notwendig werden. Konkretes Beispiel sind Phytosterol- bzw. Phytostanol-haltige Produkte mit einem Gehalt √ľber 0,8 g, die mit der Aussage „gesunder Cholesterinspiegel durch Pflanzensterole bzw. -stanole“ ausgelobt werden d√ľrfen. Dieser Zusammenhang wird durch die Ergebnisse einer niederl√§ndische Studie in Frage gestellt. Das deutsche Bundesinstitut f√ľr Risikobewertung sprach sich daher bereits f√ľr eine Neubewertung von Phytosterolen durch die EFSA aus.

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verfasst von am 29. Mai 2012 um 07:15

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