Heißhunger auf Chips: Warum man so schwer aufhören kann

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ern√§hrung und Gesundheit

Mittwoch, 7. September 2011

Nach einem gem√ľtlichen Fernsehabend f√§llt der Blick auf die Chipst√ľte. Typisch, wieder einmal leer. Dabei hat man sich doch fest vorgenommen, nach einer Hand voll aufzuh√∂ren. Oder zumindest nach der H√§lfte der Packung. Warum klappt das eigentlich nicht?

Chips
© Fuzzy Gerdes

Diese Frage besch√§ftigte auch Wissenschaftler der University of California in Irvine (USA). Sie vermuteten, dass nicht mangelnde Selbstdisziplin, sondern physiologische Vorg√§nge zu dem ungez√ľgelten Konsum von Chips und anderen fettreichen Speisen f√ľhren. In einer Tierstudie untersuchten die Forscher die Wirkung des Fettgeschmacks auf den Organismus. Hierf√ľr lie√üen sie Ratten an einer Mais√∂l-Emulsion lecken. W√§hrenddessen ma√üen sie die Konzentration von Endocannabinoiden. Endocannabinoide sind eine Art k√∂rpereigene Droge. Sie werden in den Darmzellen gebildet und steigern die Lust auf fettige Speisen.

Das Ergebnis der Untersuchung: Durch den Fettgeschmack stieg die Konzentration von Endocannabinoiden nur im Verdauungstrakt an, im Gehirn und anderen Geweben blieb sie konstant. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Endocannabinoide im Darm die Freisetzung von Verdauungssekreten ausl√∂sen und so das Hungergef√ľhl f√∂rdern. Die Synthese von Endocannabinoiden erfolgt jedoch nur, wenn sich fetthaltige Nahrung ank√ľndigt, beim Verzehr kohlenhydrat- oder eiwei√üreicher Speisen bleibt sie aus.

Weshalb bevorzugt der Organismus fettreiche Speisen? Die Ursache liegt in der Evolution. F√ľr Tiere ist der Konsum von Fetten unverzichtbar. Fett dient nicht nur als platzsparendes Energiedepot, sondern ist auch f√ľr den Aufbau und die Funktion jeder K√∂rperzelle notwendig. Da Fette in der Natur jedoch nur selten vorkommen, greift die Natur zu einem Trick: Die Aufnahme fettreicher Nahrungsmittel wird durch die Aussch√ľttung einer k√∂rpereigenen Droge, den Endocannabinoiden, ‚Äěbelohnt‚Äú.

In der modernen Zivilisation mit dem √úberangebot an Lebensmitteln aller Art ist die Lust auf fetthaltige Speisen eher l√§stig, beg√ľnstigt sie doch die Entstehung von √úbergewicht und damit einhergehenden Erkrankungen. Die Ergebnisse dieser und weiterer Untersuchungen √ľber die genauen Vorg√§nge w√§hrend des Konsums fettreicher Speise k√∂nnten deshalb zur Entwicklung neuer Medikamente beitragen, die einen √ľberm√§√üigen Fetthunger d√§mpfen.

Quelle:

DiPatrizio NV, Astarita G, Schwartz G, Li X, Piomelli D: Endocannabinoid signal in the gut controls dietary fat intake. Proc Natl Acad Sci U S A. 2011; 108:12904-12908.

verfasst von am 7. September 2011 um 07:20

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