Israel bannt superdünne Models

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ernährung und Gesundheit

Donnerstag, 29. März 2012

Menschen
© alancleaver_2000

In Israel dürfen keine Models mehr beschäftigt werden, deren BMI einen Wert von 18,5 unterschreitet. So will es ein neues israelisches Gesetz, das am 19. März 2012 verabschiedet wurde. Weiter müssen nachträgliche Bildbearbeitungen, die die Models dünner wirken lassen, gekennzeichnet werden. Diese Maßnahmen sollen das Auftreten von Essstörungen bei Models und jungen Frauen, die sich diese zum Vorbild nehmen, verhindern.

„Schön ist nicht (gleichzusetzen mit) Untergewicht“, betont die Ärztin Rachel Adato, die an dem Gesetzesentwurf beteiligt war. Unter den Befürwortern des Gesetzes befand sich auch der israelische Modeagent und -fotograf Adi Barkan. Durch immer dünner werdende Models werde ein erheblicher Druck auf junge Frauen ausgeübt abzunehmen, glauben die Initiatoren, und das auf Kosten der Gesundheit. Nur wenige Models seien von Natur aus extrem schlank. Nun, vermutet Adi Barkan, muss ungefähr die Hälfte der in 300 in Israel arbeitenden Models zunächst wieder an Gewicht zunehmen, wenn sie weiterhin in ihrem Beruf arbeiten wollen.

Kritiker des Gesetzes merken an, dass die Abbildung einer größeren Körpervielfalt wünschenswert sei, aber nicht, indem anstelle der Normal- und Übergewichtigen die sehr Schlanken ausgegrenzt würden. Sie meinen, dass sich Essstörungen nicht ausschließlich am BMI festmachen lassen würden. Eine gesundheitliche Prüfung, anstelle eines Ausschlusses aufgrund des Aussehens oder Gewichts, wäre deshalb sinnvoller, eine Sichtweise, die von der amerikanischen Gesellschaft für Essstörungen (National Eating Disorders Association) geteilt wird.

In Israel weisen schätzungsweise zwei Prozent der 14- bis 18-Jährigen eine Essstörung auf. Als effektive Maßnahme, um Essstörungen bei jungen Mädchen abzuwenden, scheint das israelische Gesetz fragwürdig, da in die Entstehung dieser Erkrankungen weitere, unberücksichtigt gebliebene Faktoren mit hineinspielen. Wohl aber könnte das Gesetz einen wichtigen Schritt zu einem Wandel des gesellschaftlich akzeptierten Körperideals darstellen und somit einen Beitrag leisten im Kampf gegen Essstörungen. Auch der Gesundheit vieler Models werden die Maßnahmen sicherlich entgegenkommen.

Quellen einblenden

verfasst von am 29. März 2012 um 06:20

Was ist das?

DEBInet-Ernährungsblog - über uns

Unsere Autoren schreiben für Sie über Aktuelles und Wissenswertes aus Ernährungswissenschaft und Ernährungsmedizin. Die redaktionell aufbereiteten Texte richten sich nicht nur an Experten, sondern an alle, die sich für das Thema "Ernährung" interessieren.

Sie können sich die Beiträge per Newsletter zuschicken lassen oder diese über RSS-Feed oder Twitter abonnieren.

Der "DEBInet-Ernährungsblog"
ist ein Projekt der


© 2010-2016 Kluthe-Stiftung Ernährung und Gesundheit

- noch keine Kommentare -

Kommentar abgeben