Jojo-Effekt: Liegt es an den Hormonen?

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ern√§hrung und Gesundheit

Donnerstag, 17. November 2011

Nach den Anstrengungen der Abnehmphase geht der Kampf gegen die Pfunde weiter: Denn nun droht der sogenannte JoJo-Effekt. Eine neuere Studie zeigt, dass dieser wahrscheinlich weniger durch mangelnde Disziplin bedingt wird als durch langfristige hormonelle Veränderungen, die mit der Gewichtsreduktion einhergehen.

Jojo
© Candie_N

Abnehmen ist nicht leicht und mancher, der es geschafft hat, frohlockt zu fr√ľh. Denn nach der eigentlichen Abnehmphase folgt der Kampf gegen die Wiederzunahme. Schuld an dem sog. Jojo-Effekt kann mangelnde Disziplin sein. Schlie√ülich ist es nicht einfach, dauerhaft auf lieb gewonnene Gewohnheiten zu verzichten. So k√∂nnen das wieder aufgenommene Knabbern vor dem Fernseher oder Computerbildschirm, das zweite oder dritte Bier in geselliger Runde und andere „Di√§ts√ľnden“ den anf√§nglichen Erfolg schm√§lern. Der Jojo-Effekt kann aber auch auf hormonelle Ver√§nderungen w√§hrend des Gewichtsverlusts zur√ľckzuf√ľhren sein, wie eine Studie, die k√ľrzlich im New England Journal of Medicine ver√∂ffentlicht wurde, zeigt.

Eine Gruppe von Wissenschaftlern der Universit√§t von Melbourne untersuchte physiologische Vorg√§nge vor, w√§hrend und nach dem Abnehmen bei insgesamt f√ľnfzig √ľbergewichtigen und adip√∂sen Probanden. Von Interesse war unter anderem die Ver√§nderung der Konzentration von Hormonen, die im Magen-Darm-Trakt, der Bauchspeicheldr√ľse und dem Fettgewebe freigesetzt werden und die an der Regulation von Hunger, Appetit und S√§ttigung und dem K√∂rpergewicht beteiligt sind.

Wie erwartet, reagierte der Organismus schnell auf die stark eingeschränkte Energieaufnahme der Probanden: Die Spiegel appetithemmender Hormone (Leptin, Peptid YY, Cholecystokinin, Amylin, Insulin) fielen während der zehnwöchigen Abnehmphase ab, dagegen nahmen die Konzentrationen der appetitstimulierenden Hormone Ghrelin, pankreatisches Polypeptid und gastroinhibitorisches Peptid (GIP) zu.

BMI-Rechner

Diese Ver√§nderungen wurden bereits in fr√ľheren Studien beobachtet. Neu war allerdings die Erkenntnis, wie lange die kompensatorischen Vorg√§nge anhalten. Zum Leidwesen der Abnehmenden blieben die hormonellen Ver√§nderungen auch nach der Abnehmphase bestehen. Ein Jahr nach dem Ende der Abnehmphase hatte sich die Regulation von Appetit und S√§ttigung zwar etwas normalisiert, das Ausgangsniveau vor Beginn der Studie wurde jedoch nicht erreicht. Gem√§√ü der vorhandenen Hormonkonstellation war der K√∂rper demnach weiterhin auf Hunger und Gewichtszunahme programmiert. Und dies, obwohl die Probanden in der Nachbeobachtungsphase bereits an Gewicht zugenommen hatten!

Personenwaage
© puuikibeach

Auch die Probanden selbst berichteten noch ein Jahr nach ihrer Gewichtsabnahme von verst√§rkten Hungergef√ľhlen und Essensgel√ľsten. Ihre subjektiven Aussagen deckten sich demnach mit den Untersuchungsergebnissen der Wissenschaftler.

Und das Fazit? Probleme nach der Gewichtsabnahme sind nicht unbedingt nur auf mangelnde Disziplin zur√ľckzuf√ľhren. F√ľr eine langfristig erfolgreiche Gewichtsabnahme w√§re es vorteilhaft, wenn auch das Hormonprofil ber√ľcksichtigt w√ľrde. Wie dies sicher und m√∂glichst ohne Nebenwirkungen gelingen kann, bleibt bislang ungekl√§rt.

Quelle:
Sumitrhran P, Prendergast LA, Delbridge E, et al. (2011): Long-term perstistence of hormonal adaptations to weight loss. N Engl J Med 2011; 365: 1597-604

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verfasst von am 17. November 2011 um 12:54

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