Lebensmittelallergien bei betroffenen Kleinkindern unterschätzt

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ernährung und Gesundheit

Mittwoch, 19. September 2012

Kinder zeigen häufig ernste Reaktionen

Ob zufällige Aufnahme, Mangel an Aufmerksamkeit bei Auswahl oder Zubereitung, Unkenntnis betreuender Personen oder Übereifer experimentierfreudiger Eltern: Kleinkinder mit Allergien scheinen trotz vorab erfolgter Information der Eltern doch ziemlich häufig mit für sie unverträglichen Lebensmitteln in Kontakt zu kommen – teils mit ernsten Folgen.

Lebensmittelallergien betreffen etwa jedes zwölfte bis dreizehnte Kind und treten meist nach dem Verzehr von Milch, Ei, Erdnuss, Soja oder Weizen auf. Es kommt also eher selten vor, dass Bestandteile von Lebensmitteln, in der Regel sind es Eiweiße, vom Körper als fremd erkannt und vom Immunsystem, gleich einem unerwünschten Eindringling, angegriffen werden. Bei diesem Vorgang werden die Schleimhäute verschiedener Organe gereizt und der Körper reagiert „allergisch“ – mit Hautausschlag, Schnupfen, Asthma oder auch Durchfall.

Milch und Cookie
© aimeewenske

Eiweiße in Milch, Erdnüssen und Weizen sind vergleichsweise häufige Allergene.

In schwerwiegenderen Fällen können die betroffenen Kinder eine akute Allgemeinreaktion mit starken Beschwerden entwickeln, die sich auch auf das Herz-Kreislauf-System erstrecken kann. Ärzte weisen Eltern deshalb an, die Allergie-auslösenden Lebensmittel bei ihren Kindern zu vermeiden. Trotzdem kommen die Kinder offenbar häufiger mit diesen in Kontakt als gewünscht.

Zu diesen Ergebnissen kamen Wissenschaftler um den Kinderarzt David M. Fleischer. Sie verfolgten Anzahl, Schwere und Umstände allergischer Reaktionen von insgesamt 512 Kindern in sechs US-amerikanischen Kliniken in den Städten Baltimore, Denver, Durham, Little Rock und New York City. Die Kinder waren drei bis 15 Monate alt, unter ihnen hatten 331 eine nachgewiesene Milch- und oder Eiallergie, die verbleibenden 181 Kinder würden voraussichtlich eine Allergie entwickeln. Die Eltern der Kinder erhielten schriftliche und mündliche Anweisungen zum Meiden Allergen-haltiger Lebensmittel und wurden für den Fall, dass ernste Beschwerden auftreten, im Umgang mit dem Notfallmedikament Adrenalin unterwiesen.

367 Kinder entwickelten trotz der Anleitungen zum Meiden Allergie-auslösender Lebensmittel allergische Reaktionen, davon 269 mehr als eine. In den drei Jahren kamen insgesamt 1171 Ereignisse zusammen. Die durchschnittliche Reaktionsrate pro Kind betrug 0,81 Reaktionen pro Jahr. Dabei erfolgten etwa 88 Prozent der allergischen Antworten zufällig. Elf Prozent der Reaktionen hingegen gingen auf eine absichtliche Exposition, meist durch die Eltern, zurück. Vor allem der Verzehr, weniger Inhalationen oder Hautkontakt, führten zu den allergischen Beschwerden.

In der Studie löste Milch (42 Prozent) im Vergleich zu Ei (21 Prozent) doppelt so häufig Reaktionen aus (1). Durch den Kontakt mit Milch traten auch etwas stärkere Beschwerden auf als durch den mit Ei. Im Gesamten zeigten die Kinder 134 schwere Reaktionen, bei denen nur in 30 Prozent der Fälle Adrenalin eingesetzt wurde. Gründe dafür waren entweder, dass die Schwere der Reaktion unterschätzt wurde, dass kein Adrenalin zur Verfügung stand, oder auch, dass Eltern oder Bezugspersonen Angst davor hatten, das Medikament zu geben.

Fleischer und Kollegen empfehlen mehr Aufmerksamkeit bei der Nahrungsauswahl, ein genaueres Lesen der Etiketten und eine sorgfältigere Zubereitung der Mahlzeiten, letzteres, um Kreuz-Kontaminationen zu vermeiden. Wegen der hohen Rate oraler Expositionen sei insbesondere darauf zu achten, dass die Kinder die Lebensmittel nicht versehentlich aufnehmen. Weiter sollten Kinder nur unter ärztlicher Aufsicht mit dem Allergen konfrontiert werden. Da Eltern Adrenalin eher zögerlich anwendeten, brauchen sie hierzu wahrscheinlich eine gründlichere Einweisung. Die notwendigen Maßnahmen im Umgang mit der Allergie sollten neben den Eltern auch anderen Bezugspersonen vermittelt werden.

(1) Weitere allergische Reaktionen gingen auf Erdnüsse, sowie andere Lebensmittel zurück.

Quelle

David M. Fleischer, Tamara T. Perry, Dan Atkins, Robert A. Wood, A. Wesley Burks, Stacie M. Jones, Alice K. Henning, Donald Stablein, Hugh A. Sampson and Scott H.: Allergic Reactions to Foods in Preschool-Aged Children in a Prospective Observational Food Allergy Study. PEDIATRICS 2012;130(1): e25-e32

verfasst von am 19. September 2012 um 05:47

Was ist das?

DEBInet-Ernährungsblog - über uns

Unsere Autoren schreiben für Sie über Aktuelles und Wissenswertes aus Ernährungswissenschaft und Ernährungsmedizin. Die redaktionell aufbereiteten Texte richten sich nicht nur an Experten, sondern an alle, die sich für das Thema "Ernährung" interessieren.

Sie können sich die Beiträge per Newsletter zuschicken lassen oder diese über RSS-Feed oder Twitter abonnieren.

Der "DEBInet-Ernährungsblog"
ist ein Projekt der


© 2010-2016 Kluthe-Stiftung Ernährung und Gesundheit

- noch keine Kommentare -

Kommentar abgeben