Nahrungsergänzungsmittel contra Lebensmittel: Natürliche Ernährung schlägt Pillen und Pulver

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ernährung und Gesundheit

Donnerstag, 16. Mai 2019

US-amerikanische Wissenschaftler zeigen anhand von Daten der national repräsentativen NHANES-Studie, dass Vitamine und Mineralstoffe aus natürlichen Quellen anders wirken als ihre Pendants in Nahrungsergänzungsmitteln.

An der Tufts-Universität in Boston werteten Prof. Fang Fang Zhang und ihre Kollegen Daten von 30.899 mindestens 20-jährigen Probanden der NHANES-Studie1 aus den Jahren 1999 bis 2010 aus. Alle Probanden beantworteten in Zweijahresabständen Fragen zu ihrer Ernährung (per 24-Stunden-Ernährungsrecall) und der Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln während der letzten 30 Tage. Aus diesen Angaben errechneten die Wissenschaftler die Aufnahme von Vitaminen und Mineralstoffen insgesamt und separat aus Lebensmitteln und Supplementen. Außerdem wurden Daten des Nationalen Sterberegisters hinzugezogen.

Im Mittelpunkt des Interesses der Wissenschaftler stand der Zusammenhang zwischen der Mikronährstoffaufnahme und dem Versterben der Probanden sowie die Frage, inwieweit die Herkunft der Nährstoffe (natürlich vs. Supplement) diesen Zusammenhang beeinflusst.

Während des durchschnittlich 6,1-jährigen Beobachtungszeitraums verstarben 3.613 Probanden, davon 945 Menschen infolge von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und 805 Menschen an Krebs. Hinsichtlich des Zusammenhangs zwischen Nährstoffaufnahme und dem Sterberisiko stellten Zhang und ihre Kollegen fest, dass

  •  adäquate Vitamin K- und Magnesium-Aufnahmen mit einem geringeren Sterberisiko einhergingen,
  • die Sterblichkeit an kardiovaskulären Erkrankungen bei angemessener Aufnahme von Vitamin A, Vitamin K und Zink geringer war, und
  • eine höhere Calciumaufnahme mit einem erhöhten Risiko, an Krebs zu versterben, assoziiert war.

Wurde der Ursprung der Vitamine und Mineralstoffe mit berücksichtigt, stellten die Wissenschaftler allerdings fest, dass

  • das niedrigere Sterberisiko in Zusammenhang mit der Vitamin K- und Magnesium-Aufnahme nur für mit Lebensmitteln aufgenommenes Vitamin K und Magnesium galt, und auch
  • die beobachtete geringere Sterblichkeit an kardiovaskulären Erkrankungen nur bei mit Lebensmitteln aufgenommenen adäquaten Mengen von Vitamin A, Vitamin K und Zink in Verbindung stand.
  • eine Calciumaufnahme von mindestens 1.000 Milligramm täglich weiterhin mit einer erhöhten Krebssterblichkeit assoziiert war. Dies galt allerdings nur für Calcium aus Calciumpräparaten.

Ferner fanden die Wissenschaftler keine Hinweise, dass eine Supplementierung von Mikronährstoffen das Sterberisiko von Menschen mit Nährstoffdefiziten reduzieren kann. Tatsächlich stieg bei einer eigentlich überflüssigen Vitamin D-Supplementierung sogar das Risiko, an Krebs zu sterben.

„Unsere Ergebnisse stützen die Idee, dass die Verwendung von Nahrungsergänzungsmitteln zwar zu einer erhöhten Gesamtaufnahme an Nährstoffen beiträgt, es jedoch vorteilhafte Verbindungen zu Nährstoffen aus Nahrungsmitteln gibt, die bei Nahrungsergänzungsmitteln nicht zu sehen sind“, folgert Prof. Zhang. „Diese Studie bestätigt auch die Wichtigkeit der Ermittlung der Nährstoffquelle bei der Bewertung der Mortalitätsergebnisse.“

Zhang und ihre Kollegen weisen darauf hin, dass bei der Interpretation der Ergebnisse auch die Schwächen ihrer Studie berücksichtigt werden sollten. So wurden in den statistischen Analysen zwar Störgrößen wie Rauchen, körperliche Aktivität und Alkoholkonsum beachtet, allerdings könnten komplexe Wechselwirkungen zwischen Nährstoffen aufgetreten sein, die die Wissenschaftler nicht berücksichtigt haben. Hinzu kommt, dass die Analysen auf Selbstangaben der Probanden zum Lebensmittelkonsum und der Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln basieren und aufgrund des Studiendesigns keine kausalen (Ursache-Wirkungs-)Beziehungen nachgewiesen werden konnten.

1 National Health and Nutrition Examination Survey, Nationaler Gesundheits- und Ernährungssurvey

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verfasst von am 16. Mai 2019 um 07:41

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2 Kommentare zu “Nahrungsergänzungsmittel contra Lebensmittel: Natürliche Ernährung schlägt Pillen und Pulver”

  1. Dr. Winfrid Grunert sagt:

    Das ist eine Schwachsinns – Studie: Aus dem Vitamin Shop futtern US – Amerikaner pure Chemie. Die Anzahl der untersuchten Vitalstoffe ist very poor. Nahrungsergänzung aus natürlichen Quellen macht durchaus Sinn – je nach Situation. Und: Von Oktober bis März (UV – Index <3) müssen wir alle Vitamin D substituieren.

    Dr. Winfrid Grunert, Nördlingen

    • Dr. oec. troph. Christina Bächle sagt:

      Sehr geehrter Herr Dr. Grunert,
      vielen Dank für Ihren Kommentar. Bevor ich (situationsbedingt) zu einem Supplement rate, würde ich immer die Möglichkeit einer Optimierung der Ernährung ausloten. Die Bioverfügbarkeit bestimmter Wirkstoffe variiert je nach Verbindung, ob natürliche Nahrungsergänzungsmittel immer die bessere Variante sind, kann ich nicht mit Sicherheit sagen.
      Ausgehend von der aktuellen Studienlage würde ich nicht zu einer pauschalen Vitamin-D-Supplementation raten. In der Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland (DEGS 1) waren 30% der Erwachsenen mangelhaft mit Vitamin D versorgt (25(OH)D-Serumkonzentrationen < 30 nmol/l). Der Anteil schwankt saisonal, da ein Großteil des Vitamin Ds vom Körper bei ausreichender Sonnenexposition selbst gebildet wird. Für eine ausreichende Vitamin-D-Versorgung wird empfohlen zwischen März und Oktober zwei- bis dreimal wöchentlich Gesicht, Hände und Arme unbedeckt und ohne Sonnenschutz der Sonne auszusetzen, wobei Sonnenbrände vermieden werden sollten. Auf diese Weise kann der Körper Vitamin D-Reserven für die Wintermonate, in denen hierzulande keine Eigensynthese möglich ist, anlegen. Zur Supplementation rät die DGE bei nachgewiesenem Vitamin D-Mangel. Risikogruppen sind u.a. Säuglinge, Personen, die selten oder nur bedeckt im Freien sind (Pflegebedürftige, religiöse Gründe), Menschen mit dunkler Hautfarbe und Personen , die chronische Magen-Darm-, Leber- oder Nierenerkrankungen haben beziehungsweise Medikamente einnehmen, die den Vitamin-D-Stoffwechsel beeinträchtigen.

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