Neue Wege in der Diabetesforschung: Bittergurke bei Typ-2-Diabetes

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ern√§hrung und Gesundheit

Mittwoch, 14. September 2011

Bittermelone √ľ.a
© La.Catholique

Die Bittergurke (Momordica charantia), auch Bittermelone oder Balsambirne genannt, ist eine tropische Pflanze aus der Familie der K√ľrbisgew√§chse. Sie wird haupts√§chlich in Afrika, Asien, S√ľdamerika und in der Karibik angebaut und als Nahrungs- und Heilmittel verwendet. In der indischen Ayurveda-Medizin werden Bittergurken traditionell zur Behandlung von Patienten mit Typ-2-Diabetes eingesetzt, ebenso in Mexiko und Brasilien. Was dort schon seit Langem bekannt ist, erregt hierzulande zunehmend das Interesse von Wissenschaftlern: Bittergurken sollen Typ 2-Diabetikern helfen, den Blutzuckerspiegel zu senken.

Bereits 2004 berichtete die √Ėsterreichische Apothekerzeitung in einer √úbersichtsarbeit √ľber zahlreiche Studien, die die blutzuckersenkende Wirkung von Bittergurken bei Menschen und Tieren belegen sollen. Allerdings wurde damals die Qualit√§t der Studien (geringe Anzahl an Probanden, keine Randomisierung, fehlende Placebo- und Vergleichsgruppe) kritisiert. Dies ist vermutlich der Grund daf√ľr, dass Wissenschaftler aktuell einen Schritt zur√ľck gehen und an Tiermodellen Grundlagen der Bittergurken-Wirkung erforschen.

An der Universit√§t Gie√üen wird die Wirkung bestimmter Inhaltsstoffe von Bittergurken, u. a. Saponine und Lipide, auf den Stoffwechsel von M√§usen mit einem Diabetes-Gen untersucht. ‚ÄěBereits nach f√ľnf Wochen zeigten sich deutliche Ergebnisse‚Äú, so Professor Krawinkel vom Institut f√ľr Ern√§hrungswissenschaften in Gie√üen. ‚ÄěDie M√§use, die wir mit Bittergurke f√ľtterten, haben weniger zugenommen als die Kontrollgruppe und hatten auch einen niedrigeren Blutzuckerspiegel.“ Demnach scheinen sich die¬† Hinweise aus den oben genannten, fr√ľheren Untersuchungen zu best√§tigen. W√§hrend der Studie sank der Blutzuckerspiegel der Tiere um durchschnittlich 15 Prozent – ein wichtiges Ziel, um diabetesbedingte Begleiterkrankungen zu vermeiden. Denn bei dauerhaft erh√∂hten Blutzuckerwerten werden Blutgef√§√üe gesch√§digt und Arterien verkalken (Arteriosklerose) und durch die gest√∂rte Durchblutung k√∂nnen Herzinfarkte und Schlaganf√§lle auftreten.

Die Wissenschaftler sind allerdings erst ganz am Anfang ihres Forschungsvorhabens. Im n√§chsten Schritt sollen verschiedene Bittergurkensorten auf ihre Blutzuckerwirksamkeit untersucht werden. Auch die Anbautechnik scheint Auswirkungen auf den Wirkstoffgehalt der Bittergurke zu haben. In einem weiteren Schritt planen die Wissenschaftler deshalb die vielversprechendsten Bittergurke-Sorten auf unterschiedliche Weise zu kultivieren und dabei die Auswirkungen auf den Wirkstoffgehalt des Gem√ľses zu pr√ľfen. Offen ist au√üerdem die optimale Art der Zubereitung und Dosierung der Bittergurke. In Studien wurden √ľberwiegend S√§fte und Extrakte verwendet, in ihren Heimatl√§ndern werden Bittergurken aber auch gerne als Gem√ľse verzehrt.

Bittermelonengericht
© Augapfel

Gericht mit Bittergurke

Lohnt sich dieser Forschungsaufwand √ľberhaupt? Die Forscher sind davon √ľberzeugt. Ihr Ziel liegt jedoch nicht darin, mit Bittergurken westlichen Pharmakonzernen Konkurrenz zu machen, sondern ein Nahrungsmittel mit bestm√∂glichen antidiabetischen Eigenschaften zu entwickeln, das auch in Entwicklungsl√§ndern angebaut werden kann. Denn gerade dort nimmt die Zahl der von Typ-2-Diabetes betroffenen Menschen rasant zu. Das Forschungsprojekt der Gie√üener Wissenschaftler wird daher von der Beratungsgruppe f√ľr Entwicklungsorientierte Agrarforschung (BEAF) der Deutschen Gesellschaft f√ľr Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH im Auftrag des Bundesministeriums f√ľr wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung unterst√ľtzt.

Quellen einblenden

verfasst von am 14. September 2011 um 06:44

Was ist das?

DEBInet-Ern√§hrungsblog - √ľber uns

Unsere Autoren schreiben f√ľr Sie √ľber Aktuelles und Wissenswertes aus Ern√§hrungswissenschaft und Ern√§hrungsmedizin. Die redaktionell aufbereiteten Texte richten sich nicht nur an Experten, sondern an alle, die sich f√ľr das Thema "Ern√§hrung" interessieren.

Sie k√∂nnen sich die Beitr√§ge per Newsletter zuschicken lassen oder diese √ľber RSS-Feed oder Twitter abonnieren.

F√ľr die Schriftenreihe der Gesellschaft f√ľr Rehabilitation bei Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten e.V. (GRVS) wurden 222 unserer Blog-Artikel ausgew√§hlt. Das dabei entstandene Ern√§hrungs-Lesebuch ist 2017 im Pabst Science Publishers Verlag erschienen und steht Ihnen hier kostenlos zum Download zur Verf√ľgung

Der "DEBInet-Ernährungsblog"
ist ein Projekt der


© 2010-2020 Kluthe-Stiftung Ern√§hrung und Gesundheit

- noch keine Kommentare -

Kommentar abgeben