Sage mir Dein Gewicht und wie Du isst und ich sage Dir, wer Du bist (?)

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ern√§hrung und Gesundheit

Donnerstag, 25. Juni 2015

F√ľr einen besseren Therapieerfolg bei √úbergewicht, Fettleibigkeit und Binge Eating-St√∂rungen sollte bei der Behandlung die Pers√∂nlichkeit der betroffenen Personen st√§rker ber√ľcksichtigt werden. Dies empfehlen Wissenschaftler der Universit√§ten Bamberg und Bochum nach der gemeinsamen Auswertung von √ľber 70 Studien in der Fachzeitschrift Obesity Reviews.

F√ľr ihre Studie recherchierten die Psychologin Dr. Sabine L√∂ber und ihre Kollegen nach Studien aus den Jahren 1993 bis 2013, in denen der Zusammenhang zwischen √úbergewicht, Adipositas (Fettleibigkeit) beziehungsweise einer Binge Eating-St√∂rung („Essattacken-St√∂rung“) und der Pers√∂nlichkeit der Probanden untersucht wurde. Von den urspr√ľnglich 980 Treffern wurden schlussendlich 70 Studien in die √úbersichtsarbeit eingeschlossen.

In den meisten Studien wurden Pers√∂nlichkeitsmerkmale nach dem „F√ľnf-Faktoren-Modell der Pers√∂nlichkeit“ bestimmt. Es besagt, dass die Pers√∂nlichkeit jedes Menschen sich innerhalb der folgenden f√ľnf Hauptdimensionen einordnen l√§sst:

  • Neurotizismus (√Ąngstlichkeit, Impulsivit√§t, Verletzlichkeit),
  • Extraversion (Geselligkeit, Selbstsicherheit, Abenteuerlust),
  • Gewissenhaftigkeit (Kompetenz, Pflichtbewusstsein, Ehrgeiz, Selbstkontrolle)
  • Vertr√§glichkeit (Vertrauen, Geradlinigkeit, Empfindsamkeit)
  • Offenheit (Fantasie, √§sthetisches Empfinden, Ideen)

Dabei variiert die Ausprägung der verschiedenen Merkmale je nach Persönlichkeit.

Unter Verwendung der bereits vorhandenen Studiendaten zeichnete sich ab, dass Menschen mit √úbergewicht auffallend h√§ufig neurotische Pers√∂nlichkeitsmerkmale aufweisen und zugleich impulsiver sind als Personen mit Normalgewicht. M√∂glicherweise f√ľhrt dies dazu, dass sie ihr Handeln schlechter an langfristigen Konsequenzen ausrichten k√∂nnen als Vergleichspersonen ohne √úbergewicht. Au√üerdem waren Menschen mit √úbergewicht extrovertierter und schienen empf√§nglicher f√ľr Belohnungen zu sein als Menschen ohne √úbergewicht. Zu dieser als „Belohnungssensitivit√§t“ bezeichneten Eigenschaft geh√∂rt unter anderem ein besonders stark ausgepr√§gtes Empfinden von Genuss beim Essen. Die Wissenschaftler stellten au√üerdem fest, dass diese Belohnungssensitivit√§t besonders stark bei Menschen mit einer Binge Eating-St√∂rung ausgepr√§gt war. Bei M√§nnern erwies sich die Belohnungssensitivit√§t sogar als Risikofaktor f√ľr die Entstehung dieser Essst√∂rung.

Demgegen√ľber sind gewissenhafte Menschen seltener √ľbergewichtig. Sie besitzen die F√§higkeit, sich selbst zu kontrollieren, und k√∂nnen Belohnungen aufschieben, lautet ein Erkl√§rungsansatz. Zwischen den Pers√∂nlichkeitsmerkmalen „Vertr√§glichkeit“ sowie „Offenheit“ und dem Gewicht der Probanden wurde dagegen kein Zusammenhang beobachtet.

Ergebnisse dieser Art sind grunds√§tzlich mit Vorsicht zu interpretieren, zumal eine einseitige Betrachtungsweise zur Stigmatisierung der Betroffenen f√ľhren kann. Zugleich k√∂nnten Menschen mit √úbergewicht, Adipositas oder/und einer Binge Eating-St√∂rung unmittelbar von den Erkenntnissen aus dieser √úbersichtsarbeit profitieren, wir PD Dr. Sabine L√∂ber erl√§utert: „Diese Aspekte sollten in der Therapie ber√ľcksichtigt werden. So k√∂nnte beispielsweise ein Selbstregulationstraining, in dessen Rahmen Strategien zum Umgang mit Impulsivit√§t und Belohnungssensitivit√§t ge√ľbt werden, dazu beitragen, die Ursachen von √úbergewicht und Essattacken anzugehen und insofern eine wichtige Erg√§nzung zu anderen Behandlungsformen der Adipositas sein.

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verfasst von am 25. Juni 2015 um 06:03

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