Schon Alltagsaktivitäten erhöhen das Wohlbefinden

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ern√§hrung und Gesundheit

Donnerstag, 10. Dezember 2020

Sport steigert das Wohlbefinden. Es m√ľssen aber nicht unbedingt sportliche H√∂chstleistungen sein, die uns gl√ľcklich machen. Bereits Alltagsaktivit√§ten wie Treppensteigen oder zur Stra√üenbahn laufen k√∂nnen die Stimmung aufhellen. Und Personen mit psychischen Problemen scheinen davon besonders zu profitieren.

Aus fr√ľheren Studien ist bekannt, dass Sport das eigene Wohlbefinden erh√∂ht und dazu beitr√§gt, auch psychisch gesund zu bleiben. Bislang wurde allerdings kaum untersucht, wie sich allt√§gliche Aktivit√§ten auf die eigene Befindlichkeit auswirken und welche Gehirnstrukturen an dem Effekt beteiligt sind. Diesen Fragen widmete sich ein Forscherteam vom Zentralinstitut f√ľr Seelische Gesundheit (ZI) in Mannheim, dem Institut f√ľr Sport und Sportwissenschaft (IfSS) des Karlsruher Instituts f√ľr Technologie (KIT) sowie der Abteilung Geoinformatik am Geographischen Institut der Universit√§t Heidelberg.

„Die Untersuchungen wurden durch eine neuartige Kombination verschiedener Forschungsmethoden im Alltag und im Labor m√∂glich“, erl√§utert Professor Ulrich Ebner-Priemer, der sowohl eine leitende Position am ZI als auch am KIT innehat. In der Phase der Alltagserhebung wurden 67 Personen f√ľr eine Woche mit Bewegungssensoren ausgestattet und per Smartphone wiederholt zu ihrer Wachheit und Energiegeladenheit befragt. Diese Abfragen wurden durch Geolokalisationsdaten ausgel√∂st und erfolgten, sobald sich die Studienteilnehmer bewegten. Bei einer weiteren Gruppe von 83 Personen wurde am ZI das Volumen der grauen Hirnsubstanz per Magnetresonanztomografie vermessen, um Gehirnareale zu identifizieren die im Zusammenspiel zwischen Alltagsbewegung und Wohlbefinden eine Rolle spielen.

„Schon das allt√§gliche Treppensteigen kann helfen, sich wach und energiegeladen zu f√ľhlen und damit das Wohlbefinden zu steigern“, fassen Dr. Markus Reichert und Dr. Urs Braun Ergebnisse ihrer Studie zusammen, die sie als Erstautoren in der Fachzeitschrift Sciences Advances publiziert haben. Direkt nach allt√§glichen Aktivit√§ten f√ľhlten sich die Studienteilnehmer wacher und energiegeladener, was wiederum wichtige Komponenten des Wohlbefindens und der psychischen Gesundheit der Probanden waren.

Au√üerdem konnten die Wissenschaftler nachweisen, dass ein bestimmter Bereich der Gro√ühirnrinde, der subgenuale Anteil des Anterior Cingul√§ren Cortex, den Zusammenhang zwischen k√∂rperlicher Aktivit√§t und subjektiver Energiegeladenheit vermittelt. Diese Hirnregion ist bereits bekannt daf√ľr, dass sie eine zentrale Bedeutung in der Regulation von Emotionen sowie der Widerstandsf√§higkeit gegen√ľber psychischen Erkrankungen hat. Interessanterweise scheinen Menschen mit einem erh√∂hten Risiko f√ľr psychische Erkrankungen besonders von Alltagsaktivit√§ten zu profitieren. „Personen, die ein geringeres Volumen an grauer Hirnsubstanz in dieser Region aufwiesen und ein erh√∂htes Risiko haben, an psychiatrischen Erkrankungen zu leiden, f√ľhlten sich einerseits weniger energiegeladen, wenn sie k√∂rperlich inaktiv waren“, beschreibt Koautorin Prof. Heike Tost die Ergebnisse, „aber andererseits nach allt√§glicher Bewegung deutlich energiegeladener als Personen mit gr√∂√üerem Hirnvolumen.“

Die Ergebnisse dieser Studie gewinnen gerade angesichts der aktuellen Corona-Beschr√§nkungen und dem sich ank√ľndigenden Winter an Bedeutung. Aktuell leiden wir unter starken Einschr√§nkungen des √∂ffentlichen Lebens und unserer sozialen Kontakte, was sich auf unser Wohlbefinden niederschlagen kann‚Äú, erl√§utert Prof. Tost. „Da kann es helfen, √∂fter mal Treppe zu steigen, um sich besser zu f√ľhlen.“

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verfasst von am 10. Dezember 2020 um 06:54

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