Typ 2-Diabetes bleibt häufig eine Einbahnstraße

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ern√§hrung und Gesundheit

Mittwoch, 6. Mai 2015

Trotz Lebensstil√§nderung schaffen nur wenige Patienten mit einem diagnostizierten Typ 2-Diabetes den Weg zur√ľck zur normalen Glukosetoleranz. Dennoch bleiben eine gesunde Ern√§hrung und viel Bewegung elementare Bestandteile der Diabetestherapie.

Die Vorstellung, dass Menschen mit Typ 2-Diabetes einzig durch die √Ąnderung ihrer Ern√§hrungs- und Bewegungsgewohnheiten und ohne Einnahme von Medikamenten ihren Stoffwechsel normalisieren k√∂nnen, ist weit verbreitet. H√§ufig dient sie als Anreiz zur Motivation f√ľr Lebensstil√§nderungen. Aktuelle Ergebnisse der Auswertung eines amerikanischen Diabetesregisters zeigen allerdings, dass nicht jeder an Diabetes Erkrankte gleicherma√üen von Lebensstil√§nderungen profitiert.

Von den immerhin 122.781 Patienten des amerikanischen Versicherers Kaiser Permanente, die in diese Studie eingeschlossen wurden, erreichten 1,5 Prozent eine Teilremission (partielle Remission), das hei√üt einen subklinischen Blutzuckerlangzeitwert (HbA1c-Wert) zwischen 5,7 und 6,4 Prozent f√ľr mindestens zw√∂lf Monate ohne Einnahme von blutzuckersenkenden Medikamenten oder Insulin. Eine weitere Bedingung war, dass dieser Wertebereich an mindestens zwei aufeinanderfolgenden Messungen erreicht werden musste.

Die nächsthöhere Stufe wurde als komplette Remission bezeichnet. Nur 0,14 Prozent der Probanden konnten ihren HbA1c-Wert an mindestens zwei aufeinanderfolgenden Messungen auf den Normalbereich unter 5,7 Prozent senken. Auch hier war eine Zeitspanne von mindestens einem Jahr vorgesehen.

Von einer verl√§ngerten (prolongierten) Remission sprachen die Wissenschaftler, wenn der HbA1c-Wert zwei und mehrmals in Folge f√ľr mindestens f√ľnf Jahre unter 5,7% lag. Dieses Ziel war noch schwerer zu erreichen, nur 0,01 Prozent der Probanden schafften dies.

Demnach scheint eine Teilremission oder sogar eine komplette Remission prinzipiell m√∂glich zu sein, wie Privatdozent Dr. Wolfgang Rathmann vom Deutschen Diabetes-Zentrum auf der Veranstaltung Diabetes Update in D√ľsseldorf betonte. Um allerdings keine √ľbergro√üen Hoffnungen zu wecken und die Patienten nicht zu entt√§uschen, sollte ihnen auch mitgeteilt werden, dass komplette und erst recht prolongierte Remissionen sehr selten sind.

Besonders gut stehen die Chancen f√ľr eine Remission √ľbrigens zu Beginn der Diabeteserkrankung, wenn die Patienten noch keine Medikamente erhalten haben. Hier erreichte mehr als einer von zehn Patienten (12 Prozent) mindestens eine Teilremission. In der Gruppe der Patienten mit einer Diabetesdauer von unter zwei Jahren standen die Aussichten f√ľr eine teilweise oder vollst√§ndige Remission mit 4,5 Prozent ebenfalls gut.

Ziele der Diabetestherapie sollten daher nach wie vor eine m√∂glichst fr√ľhe Diagnose und umfassende Intervention, insbesondere eine √Ąnderung des Lebensstils, sein. Unter diesen Voraussetzungen bestehen gute Chancen, den nicht mehr abzuwendenden Beginn der Erkrankung auf ein h√∂heres Lebensalter zu verschieben oder sogar den Typ 2-Diabetes vollst√§ndig zu besiegen.

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verfasst von am 6. Mai 2015 um 06:11

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5 Kommentare zu “Typ 2-Diabetes bleibt h√§ufig eine Einbahnstra√üe”

  1. Manuel sagt:

    Hallo sehr aufschlussreicher Beitrag. Dachte ich doch immer, ich könnte den Typ2 mit viel Bewegung und gesunder Ernährung besiegen.

    Vor zwei Jahren senkte sich mein HbA1c-Wert auf 5,7 und ich brauchte zu dieser Zeit keine Tabletten mehr. Ein Jahr später allerdings kam der Wert nicht mehr unter 6 und ich dachte noch das eine Schwankung ok ist.
    Leider wurde meine Diagnose schon vor 8 Jahren gestellt. Somit bin kann ich den Diabetes wohl nicht mehr besiegen.

    Schade!

    • Roland sagt:

      Hallo Manuel,
      besiegen kann man den Diabetes Typ 2 sicherlich nicht, aber im Zaum halten.
      Und leben kann man eigentlich recht gut damit, wenn am die tollen Medikamente mal betrachtet. Einzig das bl√∂de Stechen zur BZ-Kontrolle und f√ľr die Insulingabe ist l√§stig.
      Aber, heh, was haben die Leute fr√ľher gemacht ? Im Gegensatz zu Amiland haben wir eine tolle Krankenversicherung, welche uns die notwendigen Medis bezahlt !

      Ich spritze seit einigen Jahren Insulin und habe, wenn ich will, alle Freiheit wie vorher auch…gut, die Ern√§hrung sollte man schon etwas umstellen, und bewegen, bewegen, bewegen …

      Sch√∂n w√§re ein BZ-Messystem mit „Dauersensoren“, damit die Finger nicht zum Nadelkissen werden m√ľssen. Allerdings nicht nach Art von ABOTT (LIBRE), wo meine Daten auf US-Server transferiert werden, auch wenn es angeblich anonym ist (bei ABOTT bekommt man ja nicht mal ein BZ-Tagebuch ohne Angabe der SN. des Messger√§tes und Chargennummer der Teststreifen ! )…

      Im Gegensatz zu vielen anderen Diabetikern hast Du aber schon die richtigen Schritte getan:
      Nahrungsumstellung und Bewegung ! Damit schl√§gst Du den Sp√§tfolgen ein „Schnippchen“ und wirst sicher irgendwann an Altersschw√§che sterben statt an Herzinfarkt, Schlaganfall oder Organversagen.

      Think positive !

      Liebe Gr√ľ√üe, Roland

    • J√∂rg sagt:

      Vielen Dank f√ľr den tollen Beitrag. Vor fast einem einem Jahr wurde bei mir Typ2 festgestellt. Damals lag mein HbA1c-Wert bei 10,1%. Durch die Umstellung meiner Ern√§hrung und etwas mehr Bewegung konnte ich den HbA1c in 9 Monaten auf 5,77 senken. In 4 Wochen ist die n√§chste Messung f√§llig. Mal sehen wie die dann ausf√§llt. An eine wirkliche „HEILUNG“ glaube ich zwar auch nicht, aber wie meine Vorredner schon geschrieben haben kann mann mit der richtigen Ern√§hrung und Bewegung sicherlich den Einsatzt von Medikamenten und/oder Insulin um einige Jahre hinausz√∂gern.

  2. Bärbel Puls sagt:

    Eine sehr informative Seite, die Betroffenen mit Sicherheit weiterhilft. Immer mehr √Ąrzte und Heilpraktiker sagen aber auch ganz klar: Wer seinen Lebensstil √§ndert, sich ges√ľnder ern√§hrt und sich viel bewegt, kann seine Diabetes in den Griff bekommen. Auch diverse Studien belegen, dass ‚Äď mit √Ąnderung des Lebensstils ‚Äď die sogenannte ‚ÄěAltersdiabetes‚Äú vermieden bzw. positiv beeinflusst werden kann.

  3. Rainer Kirmse , Altenburg sagt:

    Ein kleines Gedicht zum Weltdiabetestag:

    WIDER DAS S√úSSE BLUT

    Ganz und gar nicht s√ľ√ü
    Ist die Zuckerkrankheit.
    Nein, sie ist einfach fies,
    Doch niemand ist gefeit.

    Sich etwas mehr bewegen,
    Wirkt dem Unheil entgegen.
    Beim Essen mal maßhalten,
    Kann Widerstand entfalten.

    So kann man Diabetes
    Davonlaufen per pedes.
    Ohne Ern√§hrungss√ľnden
    Werden die Kilos schwinden.

    Ein toller Effekt daneben,
    Wir verlängern unser Leben;
    √úberlisten die Lebensuhr
    Mit etwas Enthaltsamkeit nur.

    Rainer Kirmse , Altenburg

    Mit freundlichen Gr√ľ√üen

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