√úbergewicht, Herz-Kreislauf-Erkrankung und Jo-Jo-Effekt: Gefahr im Verzug?

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ern√§hrung und Gesundheit

Donnerstag, 29. Juni 2017

Schwankt das Gewicht von Menschen mit einer Herzvorerkrankung deutlich, haben sie ein erh√∂htes Risiko f√ľr kardiovaskul√§re Komplikationen und Todesf√§lle. So lauten die Ergebnisse einer gro√üen prospektiven Studie, die aktuell in der renommierten Fachzeitschrift New England Journal of Medicine ver√∂ffentlicht wurden.

In der von dem Pharmaunternehmen Pfizer unterst√ľtzten US-amerikanischen „Treating to New Targets“-Studie wurde urspr√ľnglich der Effekt einer aggressiven vs. moderaten LDL-Cholesterin-Senkung auf das Auftreten von kardiovaskul√§ren Erkrankungen und Todesf√§llen untersucht. W√§hrend der durchschnittlich 4,7-j√§hrigen Nachbeobachtungszeit hatten Wissenschaftler um Dr. Sripal Bangalore von der Medizinischen Fakult√§t New York die Gelegenheit, den Einfluss von unterschiedlich stark ausgepr√§gten Gewichtsschwankungen auf das Erkrankungsgeschehen zu untersuchen.

Insgesamt lagen Daten von 9.509 Probanden im Alter von 35 bis 75 Jahren (medianes Alter 61,8 Jahre) vor, wobei mehr als jeder Dritte 65 Jahre oder älter war. Mit einem Verhältnis von 4:1 waren Männer in der Studie deutlich häufiger vertreten als Frauen. Zu Studienbeginn waren die Probanden im Mittel 83,3 Kilogramm schwer.

Voraussetzung f√ľr die aktuelle Auswertung war, dass die Probanden bei mindestens zwei Arztkontakten in der Nachbeobachtungsphase gewogen worden waren. Tats√§chlich lagen im Mittel zw√∂lf Angaben zum Gewicht der Teilnehmer vor. F√ľr die Studie wurde dann die Variabilit√§t des Gewichts jedes Teilnehmers von Untersuchungstermin zu Untersuchungstermin berechnet.

Die statistische Analyse zeigte: Mit zunehmender Gewichtsvariabilit√§t um jeweils 1,5 bis 1,9 Kilogramm stieg das Risiko f√ľr koronare1 und kardiovaskul√§re2 Ereignisse um vier Prozent und die Sterblichkeit sogar um neun Prozent, wobei das Ausgangsgewicht, die mittlere Gewichtsver√§nderung w√§hrend der Studie sowie der Effekt g√§ngiger Risikofaktoren (darunter Alter, Geschlecht, Rauchen, Diabetes, Bluthochdruck und Cholesterinspiegel) bereits ber√ľcksichtigt wurden. Betrachteten die Wissenschaftler das Auftreten von Schlaganf√§llen und Herzinfarkten separat, so nahm deren Anzahl ebenfalls um vier beziehungsweise f√ľnf Prozent zu. Im Unterschied zu den vorher genannten Ergebnissen erreichten diese Ergebnisse allerdings keine statistische Signifikanz. Dar√ľber hinaus erkrankten die Probanden mit h√§ufigen Gewichtsschwankungen tendenziell √∂fter neu an Diabetes.

Anhand ihrer Gewichtsschwankungen im Studienverlauf wurden die Probanden in f√ľnf Gruppen eingeteilt. Verglichen mit den Probanden mit der niedrigsten Gewichtsvariabilit√§t (Mittelwert 0,93 Kilogramm) hatten die Teilnehmer mit den st√§rksten Gewichtsschwankungen (Mittelwert 3,86 Kilogramm) ein um 64 Prozent h√∂heres Risiko f√ľr koronare Ereignisse und ein um 85 Prozent h√∂heres Risiko f√ľr kardiovaskul√§re Komplikationen. Todesf√§lle, Herzinfarkte und Schlaganf√§lle traten sogar mehr als doppelt so h√§ufig auf (Todesf√§lle: +124 Prozent, Herzinfarkte: +117 Prozent, Schlaganf√§lle: +136 Prozent) als bei geringer Gewichtsvariabilit√§t. Wurde bei den Analysen nach dem Ausgangsgewicht differenziert, bestand nur bei den Probanden mit √úbergewicht und Adipositas (Fettleibigkeit) ein statistisch bedeutsamer Zusammenhang zwischen der Variabilit√§t des K√∂rpergewichts und dem Auftreten kardiovaskul√§rer Ereignisse.

„Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass wir uns um die Gewichtsschwankungen dieser Gruppe, die durch ihre kardiovaskul√§ren Vorerkrankungen bereits ein erh√∂htes Risiko besitzt, Gedanken machen sollten“, betont der Erstautor der Studie, Dr. Sripal Bangalore. Aufgrund des Studiendesigns lassen sich allerdings keine Aussagen √ľber die Kausalit√§t des Zusammenhangs zwischen Gewichtsschwankungen und kardiovaskul√§ren Ereignissen treffen. Es w√§re beispielsweise auch denkbar, dass die Gewichtsschwankungen lediglich eine Begleiterscheinung anderer (unentdeckter) Erkrankungen darstellen. Hinzu kommt, dass die Wissenschaftler bei ihrer Analyse nicht zwischen angestrebten und unabsichtlichen (m√∂glicherweise krankheitsbedingten) Gewichtsver√§nderungen unterscheiden konnten.

„Obwohl diese Analyse nicht so konzipiert war, dass damit die Ursachen f√ľr ein erh√∂htes Risiko bei K√∂rpergewichtsschwankungen ermittelt werden konnten, m√ľssen wir untersuchen, wie wir (…) helfen k√∂nnen Gewicht dauerhaft zu reduzieren, anstatt es nach oben und unten schwanken zu lassen“, folgert Bangalore.

1 Hierzu z√§hlten durch koronare Herzerkrankungen bedingte Todesf√§lle, Herzinfarkte, wiederbelebte Herzstillst√§nde, Wiederherstellungen der Blutversorgung von Gef√§√üen (Revaskularisierungen) und Angina pectoris („Brustenge“).
2 Hierzu zählten alle koronaren Vorfälle, die Hirnblutgefäße betreffende (zerebrovaskuläre) Ereignisse (beispielsweise Schlaganfälle), periphere Gefäßerkrankungen und Herzinsuffizienz.

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verfasst von am 29. Juni 2017 um 07:46

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Ein Kommentar zu “√úbergewicht, Herz-Kreislauf-Erkrankung und Jo-Jo-Effekt: Gefahr im Verzug?”

  1. Artur sagt:

    Vielen Dank f√ľr Ihren informativen Artikel. Was das √úbergewicht betrifft, so schw√∂re ich auf kalorienarme Energiebringer wie z.B. Chia-Samen! Das ist gut f√ľr K√∂rper udn Geist und seit ich ihn in meinen Ern√§hrungsplan aufgenommen habe, f√ľhle ich mich sehr gut. Aber Vorsicht! Nicht mehr als 15 gr. t√§glich!

    Beste Gr√ľ√üe, Artur

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