Unter die Lupe genommen: Warum Intervallfasten bei Insulinresistenz hilft

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ern√§hrung und Gesundheit

Donnerstag, 23. April 2015

Immer mehr Menschen erkranken an Typ 2-Diabetes. H√§ufig beginnt die Krankheit unbemerkt mit einer Insulinresistenz, die dann weiter fortschreitet bis zum klinisch manifesten Typ 2-Diabetes. Es ist bekannt, dass √úbergewicht und insbesondere Fettleibigkeit (Adipositas) Risikofaktoren f√ľr eine Diabeteserkrankung darstellen. W√§hrend ein bereits medikament√∂s behandelter Diabetes nur sehr schwer durch √Ąnderungen des Lebensstils geheilt werden kann, sind die Aussichten im Stadium der alleinigen Insulinresistenz vielversprechend. Durch eine Verringerung der Energieaufnahme, beispielsweise w√§hrend einer Intervall-Fastenkur, l√§sst sich eine Insulinresistenz r√ľckg√§ngig machen. Der zugrunde liegende Mechanismus ist allerdings bislang kaum erforscht.

Wissenschaftler des Deutschen Instituts f√ľr Ern√§hrungsforschung (DIfE) haben sich zum Ziel gesetzt, diesen Mechanismus besser zu verstehen. In einer Studie, die von dem Deutschen Zentrum f√ľr Diabetesforschung (DZD) und der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) finanziert wurde, untersuchten sie Stoffwechselvorg√§nge bei M√§usen. Alle M√§use hatten eines gemeinsam, n√§mlich eine erblich bedingte Pr√§disposition f√ľr √úbergewicht und Typ 2-Diabetes. Zu Beginn der Studie wurden die bereits √ľbergewichtigen und insulinresistenten M√§use drei Gruppen zugeordnet: Bei den M√§usen der ersten Gruppe wurde die Futterration um 10 Energieprozent reduziert, um die Auswirkungen einer kalorienreduzierten Kost zu untersuchen. Mit M√§usen der Gruppe 2 wurden dagegen die Effekte des Intervallfastens simuliert: Sie erhielten jeden zweiten Tag so viel Futter, wie sie wollten, an dem anderen Tag jedoch nur Wasser. In der Kontrollgruppe (Gruppe 3) durften die Tiere so viel fressen, wie sie wollten.

Nach einem Vierteljahr hatten fast die Hälfte der Tiere der Kontrollgruppe Typ 2-Diabetes (43 Prozent), während alle Mäuse der Interventionsgruppen gesund blieben. Beim Vergleich der Insulinsensitivität hatten intervallfastende Mäuse die Nase vorn: Sie hatten deutlich bessere Untersuchungsergebnisse als ihre Geschwister aus der Kontrollgruppe, während zwischen den anderen beiden Gruppen kein statistisch signifikanter Unterschied bestand.

Au√üerdem hatten die Tiere aus den beiden Interventionsgruppen einen geringeren Leberfettgehalt. Insbesondere die Fette, die im Verdacht stehen, eine Insulinresistenz zu beg√ľnstigen, waren in beiden Gruppen verringert. Dieser Unterschied war zwischen den M√§usen aus Gruppe 1 mit Intervallfasten und der Kontrollgruppe statistisch signifikant. Bei M√§usen aus der zweiten Gruppe mit einer energiereduzierten Kost zeigte sich immerhin ein Trend f√ľr einen geringeren Leberfettgehalt. Verglichen mit den Tieren aus der Kontrollgruppe ver√§nderte sich sowohl die Gr√∂√üe der Fetttr√∂pfchen in der Leber als auch die Zusammensetzung der Eiwei√ümolek√ľle, mit denen Fetttr√∂pfchen in der Leber assoziiert sind. „Wir nehmen an, dass diese ver√§nderte Eiwei√üzusammensetzung f√ľr den g√ľnstigen Effekt verantwortlich ist“, erl√§utert die an der Studie beteiligte Professorin Dr. Annette Sch√ľrmann. Weitere Untersuchungen seien aber notwendig, um diesen molekularen Zusammenhang weiter aufzukl√§ren, so Sch√ľrmann weiter.

Sch√ľrmanns Kollege, Dr. Robert Schwenk, stellte au√üerdem bemerkenswerte Verbesserungen des Energiestoffwechsels der intervallfastenden Tiere heraus. Hier weisen die gemessenen Daten darauf hin „dass sich durch das Fasten der Energiestoffwechsel deutlich verbesserte. Die Muskeln der M√§use waren in der Lage, viel rascher zwischen der Verbrennung von Kohlenhydraten und Fetten zu wechseln. Diese gr√∂√üere Stoffwechselflexibilit√§t tr√§gt im gesunden Menschen dazu bei, die Mengen an sch√§dlichen freien Fetten niedrig zu halten. Dies wiederum kann einer Insulinresistenz vorbeugen.“

Demnach scheint sich bereits eine moderate Einschr√§nkung der Energieaufnahme positiv auszuwirken, wenn auch das drastischere Intervallfasten zumindest bei M√§usen gr√∂√üere Effekte auf die Insulinsensitivit√§t und die Stoffwechselflexibilit√§t zeigte. Ein besseres Verst√§ndnis f√ľr die zugrunde liegenden Vorg√§nge soll Ansatzpunkte f√ľr die Entwicklung neuer Behandlungsm√∂glichkeiten aufzeigen.

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verfasst von am 23. April 2015 um 10:20

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Ein Kommentar zu “Unter die Lupe genommen: Warum Intervallfasten bei Insulinresistenz hilft”

  1. Artur Bablok sagt:

    Hoch interessant und f√ľr Laien leicht anwendbar. Pharmaind. hat damit keine Freude und daher auch keine Forschungsgelder.

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