Verbraucher entscheiden sich f√ľr Nutri-Score

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ern√§hrung und Gesundheit

Dienstag, 29. Oktober 2019

Ende September hat die Bundesministerin f√ľr Ern√§hrung und Landwirtschaft (BMEL) Julia Kl√∂ckner das Ergebnis der Verbraucherbefragung zu verschiedenen N√§hrwert-Logos vorgestellt. Bei dieser Umfrage hatte der Nutri-Score ganz klar die Nase vorn und soll nun bundesweit eingef√ľhrt werden.

Schon seit langem fordern Verbrauchersch√ľtzer, verpackte Lebensmittel mit einem N√§hrwert-Logo zu kennzeichnen, damit Verbraucher leichter deren Gesundheitswert einsch√§tzen und verschiedene Produkte vergleichen k√∂nnen. Bislang herrschte allerdings Uneinigkeit dar√ľber, wie eine solche Kennzeichnung aussehen sollte.

Der Entscheidung f√ľr den Nutri-Score ging ein mehrstufiges Auswahlverfahren voran. Zun√§chst hat das Max Rubner-Institut (MRI) zahlreiche infrage kommende Modelle wissenschaftlich analysiert. Danach haben die Koalitionsfraktionen, der Verbraucherzentrale Bundesverband und der Lebensmittelverband Deutschland (BLL) unter der Regie von Kl√∂ckner vier Modelle ausgew√§hlt, zu denen die Verbraucher befragt werden sollten. Die Verbraucherbefragung ist in der EU Bedingung f√ľr die Notifizierung.

F√ľr die Verbraucherbefragung beauftragte die Ministerin die INFO GmbH Markt- und Meinungsforschung mit dem Ziel, eine fundierte Datengrundlage f√ľr die Evaluation der sogenannten „erweiterten N√§hrwertkennzeichnungsmodelle“ zu erarbeiten. Neben dem Nutri-Score wurden das MRI-Modell, Keyhole und das BLL-Modell evaluiert. Zun√§chst diskutierten zehn Fokusgruppen von Verbrauchern Anforderungen an ein erweitertes N√§hrwertkennzeichnungsmodell und bewerteten die Modelle im Detail. Daraus wurde ein Fragenkatalog f√ľr die anschlie√üenden 1.604 Interviews von Verbrauchern entwickelt.

In der repr√§sentativen Befragung entschieden sich √ľber die H√§lfte der Befragten (57 Prozent) f√ľr den Nutri-Score, w√§hrend knapp ein Drittel (28 Prozent) daf√ľr stimmte, dass das MRI-Modell in Deutschland eingef√ľhrt werden soll. Die anderen beiden Modelle folgten in gro√üem Abstand (Keyhole 7 Prozent, BLL-Modell 5 Prozent). Anhand von Testaufgaben wurde untersucht, welches N√§hrtwert-Logo am besten von Verbrauchern verstanden wird. Von 100 Befragten konnten 70 die Testaufgaben zur Einordnung eines Lebensmittels mit Hilfe des Nutri-Scores vollst√§ndig richtig l√∂sen, mit dem MRI-Modell gelang dies 60 Personen. Dagegen waren Keyhole (35 Prozent vollst√§ndig richtige Antworten) und BLL-Modell (21 Prozent vollst√§ndig richtige Antworten) schlechter verst√§ndlich. Bemerkenswert ist au√üerdem, dass zwei besonders relevante Verbrauchergruppen den Nutri-Score pr√§ferierten, n√§mlich Personen, die sich selten oder gar nicht mit der Zusammensetzung von Lebensmitteln befassen (67 Prozent) sowie Personen mit Adipositas (Fettleibigkeit, 64 Prozent). Weitere Ergebnisse der Verbraucherbefragung k√∂nnen auf der Homepage des Bundesministeriums f√ľr Ern√§hrung und Landwirtschaft nachgelesen werden.

„Als erweitertes N√§hrwertkennzeichen f√ľr Deutschland will ich den Nutri-Score einf√ľhren“, k√ľndigte Julia Kl√∂ckner auf der Pressekonferenz in Berlin an. „Damit treffe ich eine valide Entscheidung in einer Debatte, die seit √ľber einem Jahrzehnt sehr emotional – teils auch polarisierend – gef√ľhrt wird. Umso wichtiger daher, dass wir mit der von uns durchgef√ľhrten wissenschaftlichen Analyse und Verbraucherforschung nun eine belastbare und verl√§ssliche Datengrundlage haben.

Der Wunsch der Verbraucher nach mehr Sicherheit und Transparenz beim Kauf von Lebensmitteln ‚Äď das zeigen die Ergebnisse ‚Äď ist gro√ü. F√ľr viele erscheint es bisher schwer, beim Thema gesunde Ern√§hrung vieles richtig zu machen und sich bei der schnellen Kaufentscheidung sicher zu f√ľhlen, gerade in einer Zeit, in der vermehrt zu Fertigprodukten gegriffen wird, die teilweise zu viel Zucker, Salz oder Fette enthalten. Das hat gesundheitliche, aber auch volkswirtschaftliche Folgen, die ich nicht hinnehmen will. Mit dem Nutri-Score soll es nun eine Kennzeichnung auf der Vorderseite geben, die viele der Anforderungen erf√ľllt, die die Verbraucher an ein zus√§tzliches N√§hrwertkennzeichen formulieren: Er ist auf den ersten Blick erfassbar, leicht zu verstehen und nutzt die eing√§ngige, bereits gelernte Farbwelt einer Ampel. Der Nutri-Score l√§sst dabei zwar keine R√ľckschl√ľsse auf die Zusammensetzung der N√§hrwerte zu. Verbraucher erwarten vor allem aber eine zusammenfassende Bewertung, die schnelle Orientierung gibt. Weitere Informationen kann man weiterhin der N√§hrwerttabelle sowie der Zutatenliste entnehmen.“

„Die Ergebnisse der von uns beauftragten wissenschaftlich fundierten Verbraucherbefragung sind europarechtlich zwingend vorgeschrieben, um ein Modell einzuf√ľhren“, f√§hrt Kl√∂ckner fort. „Wir sind dabei sehr strukturiert vorgegangen: Wissenschaftliche Analyse und Seriosit√§t der Kennzeichnungsmodelle, qualitative Befragung und Auswertung. F√ľr mich ist das Ergebnis der Verbraucherbeteiligung ma√ügeblich und ich nehme das ernst. Der Nutri-Score ist wissenschaftlich seri√∂s, bekannte Schwachstellen des Algorithmus werden optimiert. F√ľr den deutschen Markt werde ich sehr zeitnah die rechtliche Grundlage f√ľr die Verwendung von Nutri-Score schaffen und den Kollegen des Kabinetts zur Zustimmung vorlegen.“

Verbrauchersch√ľtzer kritisieren die Freiwilligkeit der Verwendung des Nutri-Scores. Damit seien Verbraucher weiterhin vom Willen der Lebensmittelindustrie abh√§ngig.

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verfasst von am 29. Oktober 2019 um 07:12

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Ein Kommentar zu “Verbraucher entscheiden sich f√ľr Nutri-Score”

  1. Hesemann sagt:

    Nutri-Score scheint f√ľr mich eine schnelle, aber weniger genaue Information zu sein. F√ľr weiterhin unverzichtbar ist die pr√§zise N√§hrwertangabe auf allen Lebensmitteln.

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