Verbraucher reden Klartext – mit Erfolg?!

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ern√§hrung und Gesundheit

Dienstag, 18. Oktober 2011

Lebensmittelklarheit
© lebensmittelklarheit.de

Vor gut zwei Monaten startete das Verbraucherportal lebensmittelklarheit.de. Zeit f√ľr eine erste Zwischenbilanz: Was hat sich ge√§ndert?

Der Einstand von lebensmittelklarheit.de war turbulent: Der Ansturm interessierter Verbraucher f√ľhrte zum Zusammenbruch des Servers der Verbraucherzentrale Hessen (wir berichteten). Inzwischen h√§lt die Technik den Anforderungen stand, doch bis heute ben√∂tigen die Verbrauchersch√ľtzer Unterst√ľtzung aus anderen L√§nderzentralen bei der Bearbeitung von Anfragen. Laut Andrea Schauff von der Verbraucherzentrale Hessen melden Verbraucher t√§glich ca. 20-30 fragw√ľrdige Produkte, in Spitzenzeiten waren es t√§glich ungef√§hr 100. Insgesamt wurden 3000 Meldungen und 1600 Fragen im Forum registriert.

√úber das Internetportal k√∂nnen sich Verbrauchern nicht nur zur Lebensmittelkennzeichnung informieren, sondern auch mit Lebensmittelherstellern in Kontakt treten. Die Ergebnisse der Untersuchungen der Verbrauchersch√ľtzer werden dort ebenfalls dokumentiert.

Bereits mehrfach waren ihre Beschwerden erfolgreich: Bei 17 Produkten wurde die Lebensmittelkennzeichnung oder das Zutatenverzeichnis eines Produkts √ľberarbeitet bzw. die Verpackungsbeschriftung ge√§ndert. Hier findet sich z. B. der Schoko-Birnenjoghurt, dessen Schokoladenanteil in Zukunft auf der Packung angegeben wird ebenso wie der Kaffee eines traditionellen Kaffeer√∂sters, der eine Zeitlang nur noch aus 88 Prozent R√∂stkaffee bestand. Inzwischen verzichtet der Hersteller auf die Beimischung „harmonisierender S√ľ√üe“. Bei einigen Lebensmitteln wurde sogar die Rezeptur ver√§ndert, z. B. enthalten Wasabi-Erdn√ľsse zuk√ľnftig auch echtes Wasabipulver statt lediglich Aroma.

Andere Hersteller waren weniger einsichtig. Sie reagierten emp√∂rt und sahen sich stellvertretend f√ľr die gesamte Ern√§hrungsbranche an den Pranger gestellt. Entsprechend res√ľmiert Andrea Schauff: „Es gibt solche, die darauf pochen, nichts Unrechtm√§√üiges zu tun und daher auch eine Stellungnahme verweigern. Andere sehen das Portal als M√∂glichkeit zu direktem Feedback und gehen schnell auf die Beanstandungen der Konsumenten ein.“

Salat mit Oliven
© www.justgrobio.com

In der Tat ist nicht jede Beschwerde berechtigt. Beispielsweise gen√ľgt es, wenn geschw√§rzte Oliven als „schwarze Oliven“ bezeichnet werden oder wenn im Zutatenverzeichnis von Mozzarella anstelle von „Kuhmilch“ nur „Milch“ aufgelistet ist. Auch wer W√ľrstchen mit 15 Prozent Kalbfleisch- und 73 Prozent Schweinefleischanteil als „Kalbswiener“ bezeichnet, begeht keinen Rechtsbruch.

H√§ufig bewegen sich die Lebensmittelhersteller in einer rechtlichen Grauzone. Dann ist der Gesetzgeber gefragt: „Die Beschwerden, die bei uns einlaufen, beziehen sich auf den Graubereich der Lebensmittelaufmachung und -kennzeichnung. Wir nehmen sie aber als Indiz, dass der Gesetzgeber hier langfristig etwas zugunsten des Verbrauchers √§ndern sollte“, so die Verbrauchersch√ľtzerin.

Summa summarum scheint das Internetportal lebensmittelklarheit.de ein weiterer Schritt zu mehr Transparenz und Verbraucherfreundlichkeit in der Lebensmittelindustrie zu sein, der auf reges Interesse in der √Ėffentlichkeit st√∂√üt. Bleibt zu hoffen, dass auch der Gesetzgeber bald mit eindeutigen Regelungen, die weniger Spielraum f√ľr Interpretationen geben, nachzieht.

Zum Thema

tagesschau.de (2.12.2011): Bundestag beschließt Reform. Verbraucherschutz wird ausgeweitet

verfasst von am 18. Oktober 2011 um 06:28

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Ein Kommentar zu “Verbraucher reden Klartext – mit Erfolg?!”

  1. Anna sagt:

    Das neue Portal finde ich klasse! Dass Konsumenten selbst etwas gegen Großkonzerne ausrichten können, hat bereits Foodwatch eindrucksvoll demonstriert.

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