Warum ist der Fettabbau im Alter so schwierig?

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ernährung und Gesundheit

Donnerstag, 23. November 2017

Auf der Suche nach einer Antwort auf diese Frage sind Wissenschaftler der Universitäten Yale und Bonn ein ganzes Stück weiter gekommen. Sie entdeckten Makrophagen im Bauchfett, die in den Stoffwechsel älterer Menschen eingreifen und den Fettabbau hemmen.

Selbst wenn ältere Menschen nicht übergewichtig sind, besitzen sie gewöhnlich mehr Fett in der Bauchgegend als jüngere Menschen. Dies lässt sich dadurch erklären, dass der Fettabbau in der Bauchregion im Alter gestört ist. Benötigt der Körper Energie, werden die dort verfügbaren Fettreserven nur sehr unzureichend mobilisiert. Größere Fettspeicher am Bauch sind nicht nur ein optisches Problem, sondern können auch zur Entstehung chronischer Erkrankungen beitragen.

Die Ursache für den gestörten Fettabbau im Alter war bislang nicht bekannt. Wissenschaftler der Universitäten Yale und Bonn hatten einen bestimmten Verdacht, den sie zunächst experimentell an Mäusen prüften. Ebenso wie Menschen haben Mäuse im Alter Probleme, ihre Fettreserven im Bauchbereich anzuzapfen. Die Wissenschaftler vermuteten einen Zusammenhang zu einer neu entdeckten Art von Makrophagen im Bauchfett. Makrophagen, auch als „Fresszellen“ bekannt, zählen zu den weißen Blutkörperchen und spielen eine wichtige Rolle bei der Zerstörung von Krankheitserregern. Doch Makrophagen sind nicht nur im Blut zu finden. Die Wissenschaftler entdeckten Makrophagen im Fettgewebe, interessanterweise stets in der Nähe von Nervenzellen. So entstand der Verdacht, dass die Makrophagen Signale der Nervenzellen zum Fettabbau stören könnten. Auf welche Weise dies geschehen könnte, war allerdings nicht bekannt.

Zur Überprüfung ihrer Hypothese isolierten die Forscher aus den Makrophagen des Bauchfetts von jungen und älteren Mäusen alle aktiven Gene, das sogenannte Transkriptom, wobei die älteren Tiere zuvor auf Diät gesetzt worden waren. Die Transkriptoms-Daten wurden anschließend am Life & Medical Sciences Institut (LIMES) in Bonn analysiert. „Wir konnten so herausfinden, welche Gene sich hinsichtlich ihrer Aktivität in den alten und jungen Tieren unterscheiden“, erklärt Prof. Joachim Schultze vom LIMES-Institut in Bonn. „Darunter mussten auch die Erbanlagen sein, die für den verlangsamten Fettstoffwechsel im Alter verantwortlich sind.“ Transkriptoms-Analysen wie diese sind sehr aufwändig, da die Aktivitätsunterschiede meist äußerst klein sind, und üblicherweise zahlreiche Kandidatengene weiter untersucht werden müssen. Aufgrund ihrer Expertise konnten die Wissenschaftler die Zahl möglicher Gene allerdings erheblich eingrenzen.

Die Analysen eröffneten den Forschern eine Vorstellung davon, wie Makrophagen den Fettstoffwechsel im Alter stören könnten: Bei einem Energiedefizit (Hunger) schütten die Nervenzellen im Bauchraum den Botenstoff Noradrenalin aus, der wiederum den Fettabbau ankurbelt. Anders als in jungen Jahren befinden sich die Makrophagen im Alter in einem permanenten Entzündungszustand. Dies hat zur Folge, dass sie vermehrt das Enzym MAOA produzieren und freisetzen. Es zerstört Noradrenalin, sodass gespeichertes Fett nicht mehr abgebaut werden kann.

Diese Erkenntnis stammt bislang ausschließlich aus dem Mausmodell. Die Wissenschaftler nehmen allerdings an, dass es bei Menschen einen entsprechenden Mechanismus geben könnte und überprüfen dies in einer aktuellen Studie. Sollte dies der Fall sein, könnten schwerwiegende Störungen im Fettabbau älterer Menschen zukünftig eventuell auch medikamentös behandelt werden. Bereits heute seibekannt, dass manche Antidepressiva MAOA hemmen, berichten die Wissenschaftler.

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verfasst von am 23. November 2017 um 08:02

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