Was die mütterliche Ernährung mit der Leistungsfähigkeit ihres Kindes zu tun hat

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ernährung und Gesundheit

Dienstag, 17. März 2015

Die Ernährung von Frauen während der Schwangerschaft und Stillzeit beeinflusst offenbar die körperliche Leistungsfähigkeit ihrer Kinder. Wissenschaftler des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung konnten diesen Zusammenhang zumindest bei Mäusen nachweisen. Ihre Ergebnisse sind im Journal of Nutritional Science nachzulesen.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO warnt, dass sich die Anzahl der Menschen mit krankhaftem Übergewicht seit 1980 verdoppelt hat – ein Trend der sich wohl weiterhin fortsetzen wird. Übergewicht beginnt häufig schon im Kindesalter. Aktuell ist etwa jedes fünfte Kind übergewichtig und die meisten dieser übergewichtigen Kinder (80 Prozent) werden auch im Erwachsenenalter Gewichtsprobleme haben. Meist sind mehrere Faktoren an der Entstehung von Übergewicht beteiligt. Zu ihnen zählen eine erbliche Veranlagung, die Ernährung und nicht zuletzt die körperliche Aktivität.

Die Wissenschaft nähert sich auf ihrer Suche nach den Ursachen von Übergewicht und seinen Begleit- und Folgeerscheinungen immer mehr dem Beginn des Lebens. Untersucht wird inzwischen bereits der Einfluss von vorgeburtlichen Bedingungen auf spätere Erkrankungen. Bekannt ist beispielsweise ein Zusammenhang zwischen der Ernährung der (werdenden) Mutter während der Schwangerschaft und Stillzeit und dem Risiko ihres Kindes, in seinem Lebensverlauf übergewichtig zu werden oder/und an Typ-2-Diabetes zu erkranken. Außerdem ist es gelungen nachzuweisen, dass die Anzahl der Muskelfasern nur bis zur Geburt zunimmt. Damit kommt der fetalen Entwicklungsphase eine entscheidende Bedeutung für die spätere Ausprägung der Muskulatur zu.

Weitgehend unbekannt war bis dato allerdings, ob ein direkter Zusammenhang zwischen der mütterlichen Ernährung während der Schwangerschaft, der Entwicklung der Muskulatur des Nachwuchses sowie seinem Risiko, später übergewichtig zu werden, besteht. Hier beginnt die Forschung der Arbeitsgruppe Physiologie des Energiestoffwechsels unter Leitung von Frau Prof. Dr. Susanne Klaus. Für ihre Studie setzten sie trächtige Mäuse entweder auf eine fettarme oder auf eine fettreiche Diät. Das fettarme Futter enthielt 4,3 Gramm Fett pro 100 Gramm Futter (entspricht 10 Energieprozent aus Fett), das fettreiche Futter dagegen 21 Gramm Fett (entspricht 40 Energieprozent aus Fett). Die Fütterung wurde bis zum Ende der Stillzeit beibehalten. Nach der Entwöhnung erhielten alle Tiere dasselbe fettarme Futter. Jeweils die Hälfte der Mäuse, deren Mütter eine fettarme beziehungsweise fettreiche Kost erhalten hatten, wuchs weiter in einem Käfig auf, in dem ein Laufrad zur Verfügung stand. Die Mäuse konnten es freiwillig nutzen, so oft sie wollten.

Ein Vergleich zwischen den vier Gruppen zeigte zunächst, dass die Mäuse in allen Gruppen in etwa gleich viel fraßen, gleich schwer waren und gleich viel Muskel- und Fettmasse besaßen. Dennoch entdeckten die Wissenschaftler bemerkenswerte Unterschiede: im Ausdauertest waren die Nachkommen der fettreich ernährten Mütter, die das Laufrad tatsächlich genutzt und ein vierwöchiges Lauftraining absolviert hatten, nur halb so leistungsfähig wie die trainierten Nachkommen der fettarm ernährten Mütter. Außerdem stellten die Forscher fest, dass die Muskulatur des Nachwuchses fettreich ernährter Mütter nicht gut auf das Training ansprach. Bei länger andauernder Aktivität wurden die Muskeln dieser Tiere nur unzureichend mit Energie versorgt, was die geringere Leistungsfähigkeit der Nachkommen fettreich ernährter Mäuse erklären könnte. Langfristig könnten diese Mäuse aufgrund ihrer Leistungsschwäche häufiger übergewichtig werden. Die Wissenschaftler führen dieses Leistungsdefizit auf Störungen im Fett- und Zuckerstoffwechsel zurück, da verschiedene Gene des Fett- und Zuckerstoffwechsels bei den Nachkommen der fettreich ernährten Mütter anders reguliert waren.

Mit unserer Untersuchung zeigen wir zum ersten Mal, dass der mütterliche Verzehr einer sehr fettreichen Kost während der Schwangerschaft und Stillzeit die muskuläre Leistungsfähigkeit und Trainierbarkeit der Nachkommen beeinflusst – selbst dann, wenn die Mütter nicht übergewichtig sind„, betont Prof. Dr. Susanne Klaus. Noch stehen die Wissenschaftler am Anfang ihrer Forschung. Zukünftige Untersuchungen sollen die zugrunde liegende molekularen Mechanismen einschließlich Gen-Umwelt-Interaktionen aufdecken und außerdem überprüfen, inwieweit die im Tiermodell gewonnenen Erkenntnisse auch auf den Menschen übertragbar sind.

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verfasst von am 17. März 2015 um 07:13

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Ein Kommentar zu “Was die mütterliche Ernährung mit der Leistungsfähigkeit ihres Kindes zu tun hat”

  1. Michaela sagt:

    Interessanter Artikel,
    ich weiß allerdings nicht in wiefern man die Ergebnisse von den Mäusen auf Menschen übertragen kann aber tendenziell sehe ich die entwicklung genau so. Die Menschen müssen einfach lernen, sich wieder bewusster zu ernähren!
    Liebe Grüße
    Michaela

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