Werbung hält ihre Versprechen nicht

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ern√§hrung und Gesundheit

Dienstag, 22. Februar 2011

Werbung kann dem Verbraucher eine Orientierung erschweren und verwirrt wahrscheinlich eher bei der Einsch√§tzung der Fett-, Salz- und Zuckergehalte, als dass sie aufkl√§ren w√ľrde.

Supermarkt
© paulswansen

F√ľr eine Studie √ľber die N√§hrwert-bezogene Werbung auf Lebensmittelverpackungen betrachteten amerikanische Wissenschaftler aus North Dakota h√§ufig verkaufte Lebensmittel, die sie aus drei Superm√§rkten in Grand Forks zusammenstellten. Bei den 56.900 ausgew√§hlten Lebensmitteln auf Frucht- bzw. Milchbasis wurde die Verpackungsbeschriftung n√§her untersucht. Eine N√§hrwert-bezogene Werbung fanden Colby et al. auf 49 Prozent der gepr√ľften Produkte, von diesen wies knapp die H√§lfte hohe Gehalte an ges√§ttigten Fetts√§uren, Kochsalz und Zucker auf. Unter den Lebensmittel mit Anpreisungen richtete sich eine eindeutige Mehrheit an Kinder. Gerade bei diesen Erzeugnissen fanden die Forscher hohe Mengen an ges√§ttigten Fetts√§uren, Salz und Zucker – Inhaltsstoffe die im √úberma√ü die Gesundheit nachteilig beeinflussen k√∂nnen. H√§ufig bezog sich die Werbung auf den Calcium– oder den Fettgehalt bzw. warb ganz allgemein mit einem gesundheitlichen Nutzen f√ľr den Verbraucher.

In Europa gilt seit 2006 die Health-Claims-Verordnung, die diesem Trend entgegen wirken will und f√ľr eine angemessene Kennzeichnung sorgt. Zielsetzung der Health-Claims-Verordnung ist es, den „Verbraucher europaweit vor irref√ľhrenden, wissenschaftlich nicht belegten Angaben zu besonderen gesundheitsf√∂rdernden und krankheitsverhindernden Eigenschaften von Lebensmitteln [zu] sch√ľtzen“ (Heinz, 2007). N√§hrwert-bezogene Angaben, die durch diese Verordnung geregelt werden, betreffen insbesondere den Energiegehalt sowie Fett, Natrium/Kochsalz, Zucker, Protein, Ballaststoffe, Vitamine und schlie√üen die Bezeichnungen „reduziert“ bzw. „erh√∂hte Anteile von“ bezogen auf bestimmte Inhaltsstoffe sowie die Deklaration „nat√ľrlich/von Natur aus“ mit ein.

Europäisches Parlament
© *Brujita*

Europäisches Parlament

Im Jahr 2010 griff das Europ√§ische Parlament das Thema „Lebensmittelkennzeichnung“ auf. Die Minister haben sich im Juni letzten Jahres zun√§chst gegen eine Ampel- Kennzeichnung (rot, gelb, gr√ľn bezogen auf N√§hrwerte) entschieden. Im Dezember 2010 tagte das EU-Parlament erneut und beschloss, dass eine Kennzeichnung des Energiegehalts sowie der N√§hrwerte Protein, Fett, ges√§ttigte Fetts√§uren, Kohlenhydrate, Zucker und Salz bindend festgelegt wird. Die N√§hrwerte k√∂nnen entweder in Bezug auf 100 g/100 ml oder auch als prozentualer Anteil an der Zufuhrempfehlung (Guideline Daily Amounts, „GDA“) genannt werden. Eine gut sichtbare N√§hrwert-Deklaration auf der Vorderseite von Verpackungen ist nach dem letzten EU-Beschluss nicht verpflichtend. Die frontale Zweit-Angabe hat freiwilligen Charakter, ebenso wie eine zus√§tzliche, erl√§uternde Form der Kennzeichnung, z. B. in Form der Ampel, wie sie in Gro√übritannien von vielen Herstellern bereits seit l√§ngerem verwendet wird. Zus√§tzliche Kennzeichnungen d√ľrfen von Lebensmittel-Firmen nur genutzt werden, wenn sie das Verst√§ndnis des Verbrauchers nicht √ľberfordern.

Joghurt
© Listener42

Die in Europa aktuell zur Kennzeichnung zugelassenen GDAs beziehen sich jedoch lediglich auf 19-50-Jährige und sind somit z. B. nicht am Bedarf von Kindern ausgerichtet, die nach den Ergebnissen von Colby et al. jedoch die wichtigste Zielgruppe von Werbemaßnahmen abgeben. Auch wenn europäische Gesetze die gesundheitsbezogene Werbezulässigkeit regeln, bleiben Kinder Рund Eltern Рein beliebtes Ziel von Werbeversprechen. Eine kritische Auseinandersetzung mit der Nährwertzusammensetzung, gerade von beworbenen Lebensmitteln, kann deshalb nur nahe gelegt werden.

Quellen einblenden

Inhaltsstoffe und N√§hrwerte von √ľber 23.000 Lebensmitteln finden Sie in unserer Lebensmittel-Datenbank.

Mehr zum Thema

verfasst von am 22. Februar 2011 um 08:18

Was ist das?

DEBInet-Ern√§hrungsblog - √ľber uns

Unsere Autoren schreiben f√ľr Sie √ľber Aktuelles und Wissenswertes aus Ern√§hrungswissenschaft und Ern√§hrungsmedizin. Die redaktionell aufbereiteten Texte richten sich nicht nur an Experten, sondern an alle, die sich f√ľr das Thema "Ern√§hrung" interessieren.

Sie k√∂nnen sich die Beitr√§ge per Newsletter zuschicken lassen oder diese √ľber RSS-Feed oder Twitter abonnieren.

F√ľr die Schriftenreihe der Gesellschaft f√ľr Rehabilitation bei Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten e.V. (GRVS) wurden 222 unserer Blog-Artikel ausgew√§hlt. Das dabei entstandene Ern√§hrungs-Lesebuch ist 2017 im Pabst Science Publishers Verlag erschienen und steht Ihnen hier kostenlos zum Download zur Verf√ľgung

Der "DEBInet-Ernährungsblog"
ist ein Projekt der


© 2010-2020 Kluthe-Stiftung Ern√§hrung und Gesundheit

- noch keine Kommentare -

Kommentar abgeben