Wieso macht Wasser satt?

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung ErnĂ€hrung und Gesundheit

Dienstag, 16. August 2016

Es ist einfach in der Anwendung, kostengĂŒnstig, nebenwirkungsfrei und zugleich effektiv: das können nicht viele AppetitzĂŒgler von sich behaupten. Bislang war nicht bekannt, ĂŒber welchen Weg das SĂ€ttigungsgefĂŒhl verstĂ€rkt wird, wenn Wasser zum Essen getrunken wird. Mit einer innovativen Methode konnten Wissenschaftler der UniversitĂ€t von Wageningen das Geheimnis lĂŒften.

Manchmal sind es die einfachen Dinge, die besonders wirksam sind. Zum Beispiel genĂŒgt ein Glas Wasser, um die SĂ€ttigung nach einer Mahlzeit spĂŒrbar zu steigern. Damit ist die „Wassermethode“ besonders attraktiv fĂŒr Menschen, die abnehmen möchten. Wissenschaftler wiederum interessieren sich nicht nur fĂŒr den Erfolg einer Methode, sondern auch fĂŒr den zugrunde liegenden Mechanismus: Über welche Signale wird die SĂ€ttigung vom Magen an das Gehirn vermittelt?

Um dies zu ergrĂŒnden, sind spezielle bildgebende Verfahren (hier Magnetresonanztomographie, kurz MRT) notwendig. FĂŒr das aktuelle Vorhaben musste allerdings zunĂ€chst ein Verfahren entwickelt werden, das MRTs vom Magen und von der GehirnaktivitĂ€t kombinierte. „Die Kombination von Messungen dieser Art ist schwierig, da MRT-Scanner normalerweise so eingerichtet werden, nur eine Art von Scans auszufĂŒhren„, erlĂ€utert der Erstautor der Studie, Guido Camps. „Wir haben es geschafft, den Scanner sehr schnell von einer FunktionalitĂ€t zu einer anderen wechseln zu lassen, um diese Art Forschung durchfĂŒhren zu können.“ Damit stand der Untersuchung des Zusammenspiels zwischen SĂ€ttigung, Magenvolumen und GehirnaktivitĂ€t nichts mehr im Wege.

Auf dem Plan stand nun ein Experiment, an dem 19 junge normalgewichtige MĂ€nner teilnahmen. An zwei Tagen tranken die MĂ€nner jeweils auf nĂŒchternen Magen 150 Milliliter einer FlĂŒssigmahlzeit mit 500 Kalorien und entweder 50 Milliliter Wasser oder 350 Milliliter Wasser. Zu Beginn des Versuchs sowie nach 15 und 35 Minuten wurden mit Hilfe von MRT-Scans das Magenvolumen und die GehirnaktivitĂ€t bestimmt. Außerdem wurden die Probanden gebeten, selbst einzuschĂ€tzen, wie satt sie sich fĂŒhlten.

Als Ergebnis zeigte sich, dass das Volumen des Magens nach der Mahlzeit mit der grĂ¶ĂŸeren Wassermenge mehr als doppelt so groß war wie nach der 50-Milliliter-Wasserzugabe. Nach 35 Minuten war der Unterschied zwar geringer, aber immer noch vorhanden. Die Probanden waren zudem weniger hungrig und hatten ein stĂ€rkeres VöllegefĂŒhl, nachdem sie die Mahlzeit mit der 350-Milliliter-Wasserzugabe verzehrt hatten. Durch den Vergleich der GehirnaktivitĂ€t nach beiden Mahlzeiten konnten die Wissenschaftler zwei Gehirnregionen identifizieren (rechter SchlĂ€fenpol, linker Gyrus angularis), welche durch die voluminösere Mahlzeit stĂ€rker angesprochen wurden.

Damit sind die Wissenschaftler ihren Zielen, per MRT-Scans Gehirn-Signaturen zu identifizieren, die Menschen dazu veranlassen, das Essen zu beenden, und zu bestimmen, wie beispielsweise die Wassermethode effektiv zu einer frĂŒheren SĂ€ttigung beitragen kann, nĂ€her gekommen.

Wir haben hier herausgefunden, dass es genĂŒgt, einfach Wasser hinzuzufĂŒgen, um den Magen stĂ€rker zu dehnen, den Appetit kurzfristig zu zĂŒgeln und bestimmte Regionen im Gehirn zu aktivieren“, fasst Camps die wichtigsten Ergebnisse ihrer aktuellen Studie zusammen.

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verfasst von am 16. August 2016 um 06:12

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