Blutarmut (Anämie) - Einteilung / Formen

Blutungsanämie

In diesem Fall ist die An√§mie auf massive Blutverluste zur√ľckzuf√ľhren. W√§hrend akute Blutungen als Folge von gr√∂√üeren Verletzungen auftreten, liegt die Ursache der chronischen Blutverluste h√§ufig in unsichtbaren inneren Blutungen wie z.B. aus dem Magen-Darm-Trakt oder der Geb√§rmutter. Man spricht dann von okkultem Blut, das nur durch spezielle Testverfahren diagnostiziert werden kann.

Störung der Hämoglobin-Synthese

Bei dieser Form liegt der Erkrankung eine gest√∂rte Bildung des roten Blutfarbstoffs zugrunde, dessen Konzentration reduziert ist (hypochrome An√§mie). F√ľr die H√§moglobinsynthese ist die Einlagerung von zweiwertigem Eisen (Fe2+) in das H√§moglobinmolek√ľl erforderlich. Eine verminderte Synthese kann mehrere Ursachen haben. Dazu z√§hlen St√∂rungen der Eisenverteilung (z.B. durch Tumoren), des Eisentransports (Mangel an dem Transporteiwei√ü Transferrin) oder der Eisenverwertung, d.h., dass vorhandenes Eisen z.B. durch Enzymhemmung oder Alkoholmissbrauch nicht in das H√§moglobinmolek√ľl eingelagert werden kann. Der K√∂rper besitzt einen relativ gro√üen Eisenspeicher, so dass die Ausbildung eines Mangelzustandes l√§ngere Zeit dauert.

Die häufigste Ursache stellt jedoch eine unzureichende Zufuhr des Spurenelements Eisen dar (Eisenmangelanämie). Diese Form ist daher in besonderem Maße diätetischen Maßnahmen zugänglich.

Störung der Erythrozyten-Synthese

Die sogenannte megaloblastäre Anämie tritt als Folge eines Vitamin B12- oder Folsäuremangels auf. Beide Vitamine beeinflussen die Zellteilung der roten Blutkörperchen (Erythrozyten). Bei einem Mangel verzögert sich die Teilung der Erythrozyten-Stammzellen im Knochenmark und es entstehen Riesenformen der Vorstufenzellen, sogenannte Megaloblasten, die stärker mit Hämoglobin beladen sind (makrozytäre hyperchrome Anämie).

Die wichtigste Form der megaloblast√§ren An√§mie ist die pernizi√∂se An√§mie. Sie entsteht durch einen langandauernden Vitamin B12-Mangel, wobei die Entwicklung 2-5 Jahre dauern kann, da eine gro√üe Menge des Vitamins in der Leber gespeichert ist. F√ľr die Resorption wird der Intrinsic-Faktor ben√∂tigt, d.h. die An√§mie kann bei chronischen Entz√ľndungen der Magenschleimhaut auftreten (klassische Form), da dann die Sekretion des Intrinsic-Faktors und somit auch die Vitamin B12-Resorption gest√∂rt ist. Weitere Ursachen sind totale Magenresektion, Darmerkrankungen (Morbus Crohn), Befall durch Fischbandwurm und ungen√ľgende Vitamin B12-Aufnahme bei strengem Vegetarismus.

Symptome sind:

  • Bl√§sse, Gelbf√§rbung der Haut
  • St√∂rungen an der Darmschleimhaut (Durchf√§lle)
  • Zungenbrennen
  • h√§ufig neurologische Ver√§nderungen (Kribbeln)

Eine weitere Form der Megaloblast√§ren An√§mie beruht auf Fols√§uremangel. Fols√§ure geh√∂rt zu den B-Vitaminen und der Speicher in der Leber reicht nur 2-4 Monate f√ľr die Bedarfsdeckung aus. Ursachen f√ľr eine An√§mie sind hier schwerer Alkoholmissbrauch, ein mangelnder Verzehr an frischem Obst und Gem√ľse, Resorptionsst√∂rungen oder ein vermehrter Fols√§ureverbrauch in der Schwangerschaft.

Bei fast allen schweren An√§mien ist die Konzentration an Erythropoetin (Wachstumsfaktor f√ľr Erythrozyten) erh√∂ht, nur bei der renalen An√§mie ist sie vermindert. Diese Form der An√§mie wird durch Nierenerkrankungen verursacht.

Hämolytische Anämien

Durch eine Ver√§nderung der Zellstruktur haben die roten Blutk√∂rperchen eine verk√ľrzte Lebensdauer. Kann der gesteigerte Zerfall nicht mehr durch eine Neubildung im Knochenmark ausgeglichen werden, entwickelt sich eine h√§molytische An√§mie.

Durch den erhöhten Hämoglobinabbau steigen Hämoglobin, Bilirubin und Eisen im Plasma an, es finden sich vermehrt die Abbauprodukte Sterkobilin im Kot und Urobilin im Urin. Im Knochenmark wird eine vermehrte Erythrozytenneubildung beobachtet.

Symptome sind Blässe und - aufgrund eines Bilirubinanstiegs - eine Gelbfärbung der Haut und Schleimhäute, bei schwerer Form kommt es außerdem zu Fieber. Bei den hämolytischen Anämien unterscheidet man zwei Formen:

Zellulär bedingte Form (meist vererbt)

  • Membrandefekte: Die Erythrozyten sind weniger verformbar und werden von der Milz abgefangen. Durch eine operative Entfernung der Milz l√§sst sich eine An√§mie vermindern.
  • Enzymdefekte
  • St√∂rungen der H√§msynthese (genetischer Defekt): Zwischenprodukte der Synthese h√§ufen sich im gesamten Organismus an. Ablagerungen in der Haut f√ľhren zu Licht√ľberempfindlichkeit (Blasenbildung), bei der hepatischen Form f√ľhrt die gest√∂rte Synthese zu Leberzellsch√§den.

Extrazellulär bedingte Form (stets erworben)

  • Einwirkung von Toxinen, Mikroorganismen (bei Malaria), chemischen Verbindungen (Arsen, Blei, Knollenbl√§tterpilz, Schlangengift)
  • Autoimmunreaktionen, Immunreaktion durch Medikamente