Diabetes mellitus - Insulinanpassung

Grundprinzipien

Das nachfolgend beschriebene Konzept der Insulinanpassung wird als Intensivierte Insulintherapie (ICT) bzw. als Basis-Bolus-Therapie bezeichnet. Es kommt vor allem bei Typ 1-Diabetikern zum Einsatz und ermöglicht dem Betroffenen eine freie Einteilung der Mahlzeiten, da die Insulineinheiten der Ernährung angepasst werden und nicht umgekehrt.

Basis

Zunächst muss der Grundbedarf (Basis) des Körpers an Insulin abgedeckt werden. Um die basale Insulinsekretion des Körpers am besten nachzuahmen, verwendet man hierzu ein Verzögerungsinsulin (= Basalinsulin), das vor allem dann, wenn es in den Oberschenkel gespritzt wird, über einen Zeitraum von 8-10 Stunden wirkt. Das Basalinsulin wird in der Regel auf zwei relativ gleich große Tagesdosen zum Frühstück und vor dem Schlafengehen verteilt.

Bolus

Der besonders hohe Insulinbedarf zu den Mahlzeiten wird mit dem schnell wirkenden Normal- oder Altinsulin abgedeckt. Hier setzt die Wirkung ca. nach einer halben Stunde ein. Mit Verwendung eines Insulin-Analogons kann bei Bedarf ein noch schnellerer Wirkungseintritt erreicht werden.

BE-Faktoren

Allgemeines

Nachdem Sie die Kohlenhydratmenge der Mahlzeit in BE abgeschätzt haben, multiplizieren Sie die Anzahl der BE mit dem sogenannten BE-Faktor, um die zu spritzende Insulinmenge zu erhalten.

Der "normale" BE-Faktor

Die Wirkung des Insulins ist von mehreren Faktoren abhängig. Dazu zählen vor allem Alter, Geschlecht, Größe, Gewicht, Essgewohnheiten und die Tageszeit. So ist z.B. der Insulinbedarf am Morgen aufgrund der vermehrten körpereigenen Bildung von Cortisol erhöht (Dawn-Phänomen), da dieses Hormon der Wirkung des Insulins entgegenwirkt. Das bedeutet in der Praxis, dass man in der Regel morgens für die gleiche BE-Menge mehr Insulineinheiten (I.E.) spritzen muss als z.B. mittags.

Normale BE-Faktoren

morgens mittags abends
2 I.E. pro BE 1 I.E. pro BE 1,5 I.E. pro BE

Für die Berechnung der zu spritzenden Insulindosis ergibt sich folgende Formel:

Anzahl der BE x BE-Faktor = I.E. Normalinsulin

Beispiel:

Ausgehend von den BE-Faktoren der obigen Tabelle, müsste man für eine Mahlzeit am Morgen mit 4 BE eine Insulindosis von 4 BE x 2 = 8 I.E. Normalinsulin spritzen.

Der individuelle BE-Faktor

Der Insulinbedarf pro BE ist von Mensch zu Mensch verschieden. Die individuellen BE-Faktoren für morgens, mittags und abends legt in der Regel der Arzt fest. Für die Berechnung der Insulindosis müssen nun die BE mit dem vom Arzt festgelegten BE-Faktor für die jeweilige Mahlzeit multipliziert werden.

Beispiel:

Ein Diabetiker hat morgens einen BE-Faktor von 2,5. Für ein Frühstück mit 6 BE müsste er 6 BE x 2,5 = 15 I.E. Normalinsulin spritzen!

Regel:

2-4 Stunden nach der Hauptmahlzeit sollte der Blutzucker im Zielbereich sein!

Blutzuckerkorrektur

Sind die Werte 2-4 Stunden nach einer Hauptmahlzeit bzw. vor der nächsten Hauptmahlzeit zu hoch, so muss zusätzlich zur berechneten Insulinmenge vor der nächsten Hauptmahlzeit eine Korrektur-Dosis gespritzt werden, um den Blutzucker wieder auf den Zielwert zu senken. Der Arzt legt fest, ab welchem BZ-Wert eine Korrektur erforderlich ist. In der Regel liegt dieser im Bereich zwischen 120 und 150 mg/dl.

Aufgrund der individuellen Insulinempfindlichkeit ergeben sich unterschiedliche Korrekturzahlen. In der Regel liegen diese zwischen 20 und 60 mg/dl.

Beispiel:

Eine Korrekturzahl von 20 mg/dl bedeutet, dass durch die zusätzliche Injektion von einer Insulineinheit der Blutzucker um 20 mg/dl gesenkt wird.

Die zusätzlich zu spritzenden Insulineinheiten erhält man durch folgende Formel:

Korrekturinsulin = (Aktueller Blutzucker - Zielwert ) : Korrekturzahl

Beispiel:

aktueller Blutzucker: 200 mg/dl

Zielwert: 100 mg/dl

Korrekturzahl: 50 mg/dl

(200 mg/dl - 100 mg/dl) : 50mg/dl = 2

Sie müssen 2 zusätzliche Insulineinheiten spritzen!

Zwischenmahlzeiten

geplante Zwischenmahlzeit

Wenn Sie Zwischenmahlzeiten einplanen, müssen die BE bei der Berechnung der Höhe der Insulindosis berücksichtigt und bei der vorherigen Hauptmahlzeit mitgespritzt werden.

Beispiel:

Hauptmahlzeit: 5 BE

Geplante Zwischenmahlzeit: 2 BE

BE-Faktor: 2

(5BE + 2BE) x 2 = 14 I.E.

Sie müssen hier 14 I.E. spritzen!

Regel 1:

Wenn Sie die Insulineinheiten für die Zwischenmahlzeit mitgespritzt haben, müssen Sie innerhalb der nächsten 3 Stunden etwas essen (Gefahr der Hypoglykämie!!!)

Regel 2:

Die Größe der Zwischenmahlzeit sollte nicht mehr als 50% der Hauptmahlzeit ausmachen!

Spontane Zwischenmahlzeit

Hier müssen Sie für die Zwischenmahlzeit eine Extra-Insulinmenge spritzen. Schätzen Sie BE-Menge der Zwischenmahlzeit ab, und multiplizieren Sie diese mit dem BE-Faktor der nächstliegenden Hauptmahlzeit.

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Literatur