Essverhalten - Hunger
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Allgemein
Aussagen zu Hunger und Durst im Rahmen der Psychologie umfassen die verschiedenen Verhaltensweisen zu Beginn und zum Ende der Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme. Hunger zu verstehen bedeutet, Regeln und Prinzipien aufzustellen, die Vorhersagen darüber erlauben, wann ein Organismus mit der Nahrungsaufnahme beginnen und aufhören wird. Um solche allgemeinen Regeln zu formulieren, wurden Anfang und Ende der Nahrungsaufnahme im Laufe der Jahre mehrfach untersucht.
Hypothesen zur Regulierung des Hungers
In der psychologischen Hungerforschung wurde zunächst die Bedeutung von Mund und Magen bei der Regulation der Nahrungsaufnahme experimentell untersucht. Später wurde deutlich, dass neben der Nahrungsmenge auch die Qualität der Nahrung wichtig ist. Ferner zeigte sich, dass Stoffwechselvorgänge sowie die Hirnaktivität wichtige Faktoren bei der Auslösung von Hunger und Durst sind.
Die drei folgenden Hypothesen, die zum Thema Auslösen von Hunger aufgestellt wurden, sind als komplementär anzusehen. Keine von ihnen kann Hunger für sich alleine erklären.
Regulierung durch Magen
Hunger entsteht aufgrund von Kontraktionen des leeren Magens. Diese Hypothese hat an Bedeutung verloren. Verschiedene Untersuchungen zeigten, dass es zu keiner Veränderung im Essverhalten kommt, auch wenn der Magen entfernt wurde. Außerdem zeigten sie, dass Magenkontraktionen die Aktivität des Hunger- und Sättigungszentrum nicht beeinflussen.
Regulierung über den Zellstoffwechsel
Demnach sind Veränderungen in den Zellen des gesamten Organismus verantwortlich für die Entstehung des Hungergefühls. Eine wichtige Funktion wird der im Blut vorhandenen Glukosemenge zugeschrieben. Der Kohlenhydratstoffwechsel gilt als verantwortlich für Hunger- und Sattheitsempfindungen. Ein niedriger Blutzuckerspiegel führt zur Nahrungsaufnahme. Weiter spielen die Fettspeicherung, die Aminosäurenzusammensetzung der Nahrung sowie hormonale Faktoren eine wichtige Rolle. Auch Körpertemperatur und Wärmeenergieverlust im Körper wirken sich auf das Essverhalten aus. Quantitativ wird bei Kälte mehr gegessen als bei Hitze, qualitativ wird bei Hitze weniger kalorienreich, flüssiger bzw. saftiger und mineralhaltiger bzw. gewürzter gegessen.
Regulierung durch Gehirnregionen
Eine bestimmte Hirnregion, der Hypothalamus, ist für die Nahrungs- und Flüssigkeitsregulierung von großer Bedeutung. Der laterale Hypothalamus stellt "Hunger" fest, der ventromediale "Sättigung". Dabei scheint das Hungerzentrum permanent zu arbeiten, sein Einfluss wird jedoch bei einer Aktivierung des Sättigungszentrum ausgeschaltet. Ebenso sind das limbisches System und die Hirnrinde an der Regulation der Nahrungsaufnahme beteiligt.
Modelle zur Ess- / Sättigungsregulation
Es wurden verschiedene Modelle entwickelt, die den Ablauf der Sättigung und die Bedeutung der verschiedenen Faktoren auf das Essverhalten darstellen.
Sattheitskaskade
Der Sättigungsvorgang kann durch die sogenannte Sattheitskaskade erklärt werden. Um den verzögernden sättigenden Effekt von aufgenommener Nahrung beim Hungerstillen zu erläutern, wird die Sättigung in vier aufeinander folgende Phasen unterteilt.
- Sensorische Effekte durch die lustvolle Wirkung von Geruch, Geschmack, Temperatur und Konsistenz der Nahrung. Eine positive Ausprägung verschiedener sensorischer Qualitäten kann zu einer höheren Nahrungsaufnahme führen.
- Kognitiver Überdruss durch die Bewertung der Nahrung als Sattmacher und die Erwartung des sattmachenden Effektes der Speisen.
- Sattheit nach dem Verzehr von Nahrung durch Völlegefühl und Magendruck
- Empfindung nach Verdauung, d.h. Stoffwechselhaushalt und Blutsystem signalisieren "Sattheit", und das entsprechende Hirnzentrum reagiert.
Dreikomponenten-Modell
Das von Pudel und Westenhöfer entwickelte Dreikomponentenmodell umschreibt die Bedeutung von inneren und äußeren Reizen sowie der kognitiven Bewertung bei der Essregulation.

Abb.: Dreikomponenten - Modell
Die Bedeutung innerer Signale (z.B. Hunger) ist im Säuglingsalter sehr einflussreich, dann entwickelt sich die Bedeutung der äußeren Bedingungen (Nahrungsangebot und Umgebung) und mit zunehmendem Lebensalter wachsen die kognitiven Einstellungen, die das Essverhalten bestimmen.
Esstypen
Unter Esstypen werden persönliche Esstrends, die meist im Laufe des Sozialisierungsprozesses entwickelt worden sind, verstanden. Sie charakterisieren Richtungen in der Alltagsgestaltung. Jeder Typ hat eine vorherrschende Motivation, die bei der Auswahl entscheidend ist. Andere Aspekte treten in den Hintergrund.
Genussmensch
Ist in seinen Essensvorlieben kurzzeitig emotional bestimmt. Sinnlicher Genuss steht im Vordergrund.
Gourmets / Feinschmecker
Ihnen sind frische und qualitativ hochwertige Zutaten wichtig. Ferner: exzellente Kochkunst, ästhetisches Ambiente, Kochen gerne
Fast-Food-Liebhaber
Noch geringeres Gesundheitsbewusstsein als die Feinschmecker
Fertignahrung ist das ideale Essen. Essen unbekümmert, um Hunger zu stillen
Gesundheitsapostel
Suchen rational und bewusst die Nahrung aus 3 Versionen:
- Vegetarier
- Naturköstler
- Diätbewusste
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