Essverhalten - Erhebungsmethoden

Allgemeines

Ernährungserhebungsmethoden werden durchgeführt, um den Ernährungsstatus von Individuen, bestimmter Teilgruppen oder auch ganzer Nationen zu erfassen. Mit ihnen können Ernährungstrends, Ernährungsfehler, Nahrungsmittelverbrauch etc. ermittelt werden.

Die Methoden werden in indirekte und direkte Verfahren unterteilt, wobei die direkten Verfahren nochmals in Methoden, die den zurückliegenden und welche, die den gegenwärtigen Verzehr betreffen, untergliedert werden. Die Entscheidung für eine bestimmte Erhebungsmethode ist u. a. von Untersuchungsaspekt, -einheit, -bedingungen und -ziel abhängig.

Indirekte Erhebungsmethoden

Die indirekten Methoden stützen sich auf Daten, die urspünglich zu anderen Zwecken erhoben wurden. Der wesentliche Nachteil dieser Ernährungserhebungsmethoden liegt darin, dass sie von der Verlässlichkeit der benutzten Statistiken abhängen.

Ernährungs-ökonomische Rahmendaten

Ernährungs-ökonomische Rahmendaten sind für die Vorbereitung von Erhebungen (Stichprobengewinnung etc.), aber auch für die Interpretation von Ergebnissen entsprechender Studien von Bedeutung. Die verwendeten Daten stammen in erster Linie aus Statistiken amtlicher Regierungs- und Planstellen. Die wichtigsten Quellen sind demographische Daten wie Einwohnerzahlen, Alters- und Geschlechtsverteilung. Weitere aussagekräftige Quellen, die herangezogen werden können, sind Gesundheitsstatistiken, geographische sowie soziokulturelle Daten.

Nahrungsbilanzen

Nahrungsbilanzen drücken die für den menschlichen Verzehr verfügbaren Nahrungsmittelmengen pro Kopf der Bevölkerung aus. Die Bestimmung erfolgt für einen bestimmten Zeitraum. Dazu werden verschiedene Daten zusammengetragen. Anhand der nachfolgenden Berechnungsformel wird die Nahrungsmittelbilanz ermittelt. Der Pro-Kopf-Verbrauch ergibt sich nach Division der Nettoversorgung durch die Bevölkerungszahl.

NV = (IP + I +/- V - S – P – SV – F – E) / B

NV = Nahrungsverbrauch pro Kopf
IP = inländische Nahrungsmittelproduktion
I = Importe
V = Vorratssaldo
S = Saatgut
P = Umwandlung in andere Produkte
SV = Schwund u. Verderb
F = Futtermittel
E = Export
B = Bevölkerungszahl

Nahrungsbilanzen bieten den Vorteil, dass sie ein Gesamtbild der Nahrungsversorgung und Lebensmittelproduktion eines Landes liefern. Des Weiteren ermöglichen sie Aussagen über allgemeine Nahrungsgewohnheiten einer Bevölkerung und lassen internationale Vergleiche zu. Dagegen sind Unterschiede innerhalb der Bevölkerungsgruppen nicht ersichtlich.

Direkte Erhebungsmethoden - zurückliegend

Bei den Methoden, die den zurückliegenden Verzehr messen, werden das Einkauf- und Essverhalten durch die Befragung nicht beeinflusst. Der Kosten-, Zeit- und Personalaufwand ist in der Regel geringer als bei den Methoden des gegenwärtigen Verzehrs. Dadurch, dass der befragte Zeitraum schon eine gewisse Zeit zurückliegt, werden die tatsächlichen Verzehrsmengen jedoch häufig falsch wiedergegeben. Außerdem ist ein konstantes Essverhalten der Probanden wichtig, da untypisches oder unregelmäßiges Verhalten am erfassten Tag das Untersuchungsergebnis verfälschen würden.

24–Stunden-Befragung

Bei der 24-Stunden-Befragung wird zunächst ein Interview geführt, in dem der Nahrungsverzehr einer Person nach Art und Menge für einen vor der Erhebung gelegenen Zeitraum so genau wie möglich erfragt wird. In den folgenden Schritten werden die Mengenschätzungen in Gewichtseinheiten umgerechnet und die Inhaltsstoffe mittels Nährwerttabellen kalkuliert.

Auf diese Methode wird zurückgegriffen, wenn Aussagen über die durchschnittliche Nährstoffaufnahme von Personen einer Teilgruppe gemacht werden sollen. Außerdem bietet sich diese Methode an, wenn der Zusammenhang zwischen Verzehrshäufigkeiten bestimmter Nahrungsmittel und dem Auftreten von Krankheiten erklärt werden soll.

Ernährungsgeschichte

Mittels der Ernährungsgeschichte werden charakteristische Ernährungsmuster und Ernährungsgewohnheiten eines Individuums für einen zurückliegenden Zeitraum (bis zu einem Jahr) erfasst. Zunächst werden die Essgewohnheiten des Probanden erhoben und protokolliert. Saisonale Unterschiede werden berücksichtigt. Anschließend werden die Daten durch einen "cross check" (Gegenkontrolle) überprüft und die ermittelten Daten u. a. durch Berechnungen mit Nährwerttabellen ausgewertet.

Fragebogenmethode

Bei der Fragebogenmethode werden Mahlzeitenfrequenz, Häufigkeit des Verzehrs bestimmter Lebensmittel etc. abgefragt. Allgemeine Angaben zur Person und zu ernährungsrelevanten Aspekten werden berücksichtigt. Die Methode wird z. B. angewandt, um Verzehrshäufigkeiten bestimmter Lebensmittel bei Schülern zu ermitteln oder um Änderungen von Ernährungsgewohnheiten zu erfassen. Der standardisierte Fragebogen kann per Post oder per Hand verteilt bzw. durch einen Interviewer abgefragt werden.

Einkaufsliste

Die für die Ernährung einer Familie zuständige Person wird über den Lebensmittelverbrauch eines zurückliegenden Zeitraums befragt, wobei die Lebensmittelmengen geschätzt werden. Die Methode der Einkaufsliste bewährt sich in Gegenden, in denen in der Regel nur einmal wöchentlich eingekauft wird. Das Erhebungspersonal verfügt über Aufstellungen aller gebräuchlichen Lebensmittel sowie Inventar- und Preislisten lokaler Lebensmittelläden. Die Person referiert aus dem Gedächtnis über Verzehr, Kosten, Besuch, Abfall etc. Zur Kontrolle werden Menüpläne und Rezepte herangezogen.

Archäologische Methode

Diese Methode erfasst den Abfall eines Haushalts, um daraus Rückschlüsse auf verzehrte Mengen zu ziehen. Verpackungsmaterial, Kassenzettel und Speisereste werden gesammelt.

Direkte Erhebungsmethoden - gegenwärtig

Bei den Methoden des gegenwärtigen Verzehrs wird das Essverhalten genauer erfasst, da weniger vergessen wird. Die meisten dieser Methoden sind recht aufwendig und stellen einen hohen Aufwand für die Probanden dar. Außerdem neigen einige Teilnehmer dazu, ihr Essverhalten während der Erhebungszeit zu verändern.

Wiegemethode

Die Wiegemethode eignet sich zur Bestimmung der Nährstoffzufuhr einzelner Personengruppen, zur Messung der Energiezufuhr sowie zur Ermittlung der Zusammenhänge zwischen Ernährung und Krankheit. Nach ausführlicher Einweisung werden alle Lebensmittel, Portionen sowie Gesamtmengen mit einer geeichten Waage gewogen, mit Qualitäts-, Energie- und Fettangabe erfasst und protokolliert. Der Außer-Haus-Verzehr wird durch Ausfüllen spezieller Formulare erfasst. Um die Genauigkeit sicherzustellen, werden die Probanden überwacht. Die Auswertung erfolgt mittels Nährwerttabellen oder durch chemische Analyse.

Inventarmethode

Bei der Inventarmethode werden alle persönlichen Daten der Teilnehmenden an einer Mahlzeit erfasst. Alle gekauften und selbst erzeugten Lebensmittel werden aufgezeichnet. Am Ende der Erhebung werden die vorhandenen Vorräte erneut registriert, um daraus die verbrauchten Lebensmittelmengen zu ermitteln. Es werden Tagebücher, Formulare etc. zur Verfügung gestellt. Regelmäßige Kontrollen und eine Unterstützung durch die an der Erhebung Beteiligten sollen die Genauigkeit der Ergebnisse sichern.

Ernährungsprotokoll

Die Lebensmittel werden nicht gewogen, sondern mittels haushaltsüblicher Maße geschätzt. Um genaue Angaben zu erhalten, bekommen die Versuchspersonen Listen und Modelle als Maßstäbe. Außerdem werden sie durch Personal eingewiesen.

Der Verzehr wird von den Probanden protokolliert. Bei der Auswertung werden verzehrte Mengen mittels Normtabellen in Gewichtsmengen übertragen, um anschließend mit Nährwerttabellen oder entsprechender Software die Nährstoffaufnahme zu bestimmen.

Buchhaltungsmethode

Bei der Buchhaltungsmethode wird der Nahrungsverbrauch durch Aufzeichnung eingekaufter, selbst erzeugter oder auf sonstige Weise erworbener Lebensmittel ermittelt. Einkaufsgewichte sollen möglichst notiert werden. Auf eine getrennte Erfassung der Vorräte wird verzichtet. Die Herkunft der Lebensmittel, die tägliche Teilnehmerzahl bei den Mahlzeiten und der Außer-Haus-Verzehr werden protokolliert. Auf die Buchhaltungsmethode wird zurückgegriffen, um die Höhe der finanziellen Aufwendung bei gleichzeitiger Erhebung der Nahrungseinkäufe von Familien oder Haushalten zu erfassen.

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