Kinderernährung im 1. Lebensjahr

Stillbeginn, Stillpraxis und Stilldauer

Bedeutung des Stillens

Stillen bietet viele gesundheitliche Vorteile f√ľr Mutter und Kind. Daher sollten werdende M√ľtter sich zur Durchf√ľhrung des Stillens beraten lassen und in der Anfangszeit unterst√ľtzt und begleitet werden. Einem fr√ľhzeitigem Stillende, das durch Stillprobleme und Unsicherheiten beim Anlegen und Stillen des Kindes hervorgerufen wird, kann so entgegengewirkt werden.

F√ľr einen guten Stillbeginn

Die Milchbildung setzt direkt nach der Geburt ein, d. h. das Stillen kann bereits in den ersten Stunden beginnen. Ein fr√ľher Hautkontakt unmittelbar nach der Geburt unterst√ľtzt den Stillbeginn und wirkt sich positiv auf die Stillbeziehung zwischen Mutter und Kind aus. Hierzu wird das Kind auf den Bauch der Mutter gelegt, welches dann i.d.R. intuitiv die Brustwarze findet und mit den ersten Saugversuchen beginnt. Wenn m√∂glich sollte das erste Saugen an der Brust in den ersten ein bis zwei Stunden nach der Geburt stattfinden, da die meisten S√§uglinge zu diesem Zeitpunkt noch besonders aufmerksam und wach sind.

Am besten nach Bedarf des Kindes gestillt (self-demand-system). Voraussetzung hierf√ľr ist die gemeinsame Unterbringung von Mutter und Kind (rooming-in) in der Klinik.

Stillpraxis

In den ersten Lebenstagen verlangt das Neugeborene oft sehr unregelm√§√üig nach der Brust. Meistens wird f√ľnf- bis sechsmal pro Tag und auch ein- bis zweimal pro Nacht gestillt. Allerdings gibt es von Kind zu Kind gro√üe Unterschiede, so dass sich die Mutter keinesfalls nach einem starren Schema richten sollte.

Ein Stillen nach Bedarf ist die Basis f√ľr eine positive Stillbeziehung und erfolgreiches Stillen. Dabei werden sowohl die Stillh√§ufigkeit als auch die Dauer der einzelnen Stillmahlzeiten durch das Baby bestimmt. Abh√§ngig von den individuellen Bedingungen (Schlafbedarf, aufgenommene Milchmenge pro Mahlzeit, Krankheit, Entwicklungsphase, etc.) sollte jedes Mutter-Kind-Paar seinen eigenen Rhythmus finden.

Um die Milchbildung anzuregen, ist zu Beginn ein h√§ufigeres Anlegen bzw. Stillen notwendig. In den ersten 7 Tagen verlangt das Neugeborene meist von sich aus in unregelm√§√üigen Zeitabst√§nden (alle 1 ‚Äď 3 Stunden) nach der Brust. Bis sich die Milchproduktion stabilisiert hat, sollten in den ersten Wochen nie mehr als 4 Stunden zwischen 2 Stillmahlzeiten vergehen. Insbesondere bei geringer Gewichtszunahme, Trinkschw√§che oder Gelbsucht (Hyperbilirubin√§mie, Ikterus) kann es zudem notwendig sein, den S√§ugling zur Stillmahlzeit vorsichtig zu wecken.

Im weiteren Verlauf der Stillzeit spielen sich Mutter und Kind meist auf 8 bis 12 Stillmahlzeiten innerhalb von 24 Stunden ein. Auch längere Zeitabstände sind möglich.

Allgemein sollte das Stillen immer in entspannter Atmosph√§re stattfinden, denn Stress und Hektik beeintr√§chtigen nicht nur die Milchbildung, sondern √ľbertragen sich auch auf das Kind und st√∂ren eine ruhige Nahrungsaufnahme. Das Stillen kann sowohl im Sitzen als auch im Liegen durchgef√ľhrt werden. Zu beachten ist, dass die Nasenatmung durch die anliegende Brust nicht eingeschr√§nkt ist. Danach sollte die beim Stillen verschluckte Luft entweichen k√∂nnen ("B√§uerchen").

Stilldauer

In den ersten 4 Lebensmonaten sollte das Baby voll gestillt werden. Mit der Beikost-Einf√ľhrung sollte fr√ľhestens mit Beginn des 5. und sp√§testens mit Beginn des 7. Lebensmonats begonnen werden. Schritt f√ľr Schritt ersetzt die Beikost dann einzelne Stillmahlzeiten. Wie lange insgesamt gestillt wird, bestimmen Mutter und Kind.

Alternativen zum Stillen an der Brust

Abgepumpte Muttermilch

Wenn das Kind aus medizinischen oder beispielsweise beruflichen Gr√ľnden nicht an der Brust gestillt werden kann, kann die Mutter die Milch f√ľr das Kind auch abpumpen. Die Muttermilch kann das Baby aus der Flasche, aus dem Becher oder vom L√∂ffel zu sich nehmen.

Zu beachten sind beim Abpumpen, Aufbewahren, Erwärmen der Milch sowie der Reinigung von Pumpe und Flasche besondere hygienische Vorsichtsmaßnahmen (siehe Merkblätter rund ums Thema Stillen und Abpumpen).

Säuglingsanfangsnahrungen

Wenn aus medizinischen, beruflichen oder pers√∂nlichen Gr√ľnden nicht oder nicht ausschlie√ülich gestillt werden kann, ben√∂tigt das Baby eine nach strengen gesetzlichen Regelungen hergestellte S√§uglingsanfangsnahrung.

Die S√§uglingsanfangsnahrungen, die mit ‚ÄěPre-‚Äú oder ‚Äě1‚Äú gekennzeichnet sind, sind von Geburt an geeignet und k√∂nnen in den ersten vier Lebensmonaten ausschlie√ülich und auch noch nach Beginn der Beikost-Einf√ľhrung als Muttermilchersatz im gesamten ersten Lebensjahr gegeben werden. ‚ÄěPre‚Äú-Nahrungen sind der Muttermilch in ihrer Kohlenhydratzusammensetzung am √§hnlichsten. Sie enthalten als einziges Kohlenhydrat Lactose (= Milchzucker). ‚Äě1‚Äú-Nahrungen k√∂nnen auch andere Kohlenhydrate wie z.B. St√§rke enthalten.

Die sogenannten Folgenahrungen sind mit einer ‚Äě2‚Äú gekennzeichnet. Sie sind in ihrer Zusammensetzung der S√§uglingsanfangsnahrung sehr √§hnlich, enthalten aber zus√§tzlich mehr Eisen. Sie k√∂nnen fr√ľhestens mit Beginn der Beikost-Einf√ľhrung (also mit Beginn des 5. Lebensmonats) gegeben werden. Ein Wechsel auf von S√§uglingsanfangsnahrung auf Folgenahrung im ersten Lebensjahr ist grunds√§tzlich nicht notwendig.

Wenn Eltern oder Geschwister von einer Allergie betroffen sind und nicht oder nicht ausschlie√ülich Muttermilch gegeben werden kann, sollte das Baby in den ersten sechs Lebensmonaten mit einer HA-Nahrung (hydrolisierte S√§uglingsnahrung) gef√ľttert werden.

Spezialnahrungen f√ľr S√§uglinge sind sogenannte ‚Äědi√§tetische Lebensmittel‚Äú, die einem besonderen medizinischen Zweck dienen. Sie sollten nur nach R√ľcksprache mit dem Kinderarzt und unter √§rztlicher Aufsicht verwendet werden, um schwerwiegende Erkrankungen nicht zu √ľbersehen.

Generell ist von der eigenen Herstellung einer Flaschennahrung f√ľr S√§uglinge dringend abzuraten, da keine Tiermilch in Ihrer Zusammensetzung der Frauenmilch entspricht. Sowohl ein Zuviel als auch ein Zuwenig an lebenswichtiger N√§hrstoffen birgt ernste gesundheitliche Risiken.

Weiterf√ľhrende Informationen

Mehr rund ums Thema Säuglingsernährung finden Sie unter

  • Netzwerk Junge Familie
  • Arbeitsgemeinschaft freier Stillgruppen e.V. Karlsruhe
  • La Leche Liga e.V.

    Merkblätter rund ums Thema Stillen und Abpumpen

  • Meine Muttermilch f√ľr mein Kind, BfR und nat. Stillkommission
  • Hinweise zum Umgang mit Muttermilch in Kita oder Tagespflege, BfR und nat. Stillkommission
  • Merkbl√§tter ‚ÄěDas Handbuch f√ľr die stillende Mutter‚Äú, La Leche League

    Buchtipp

  • Das Handbuch f√ľr die stillende Mutter, La Leche League international, Taschenbuch (2016)

    Beikost

    Mit der Beikost-Einf√ľhrung sollte fr√ľhestens mit Beginn des 5. und sp√§testens mit Beginn des 7. Lebensmonats begonnen werden, da ab dem sechsten Monat die Muttermilch aus ern√§hrungsphysiologischen Gr√ľnden nicht mehr ausreicht. Schritt f√ľr Schritt ersetzt die Beikost dann einzelne Stillmahlzeiten.

    Beikost-Fahrplan

    Mit Beginn des 5. und sp√§testens mit Beginn des 7. Lebensmonats wird zun√§chst mit einer kleinen eisw√ľrfelgro√üen Portion (2-3 Teel√∂ffel) Gem√ľse-Mus oder Gem√ľse-Kartoffel-Mus getestet, ob das Baby bereits bereit f√ľr den Brei ist. Erste Zeichen sind, dass sich das Baby f√ľr anderes Essen interessiert, den Baby-Brei nicht mehr mit der Zunge herausst√∂√üt und es seinen Kopf stabil halten, wenn es im Sitzen etwas unterst√ľtzt wird.

    Anschlie√üend kann die Muttermilchmahlzeit am Mittag durch einen Gem√ľse-Kartoffel-Fleisch-Brei (ohne Zusalzen!) mit Fettzusatz ersetzt werden.

    Wird der erste Brei gut akzeptiert, kann ungef√§hr einen Monat sp√§ter (im 6. bis 8 Lebensmonat) der Getreide-Milch-Brei z.B. am Abend eingef√ľhrt werden. Er ersetzt eine weitere Brustmahlzeit. Der beigef√ľgte Obstsaft verbessert durch seinen Vitamin C-Gehalt die Resorption von Eisen. Die Rezeptur f√ľr die Gem√ľsemahlzeit √§ndert sich nur wenig (eventuell andere Gem√ľsesorten etc.).

    Im 7. bis 9. Lebensmonat kommt der Getreide-Obst-Brei als Zwischenmahlzeit am Nachmittag hinzu. Sp√§testens jetzt, ab der Einf√ľhrung des dritten Breis, ben√∂tigt das Baby neben Muttermilch oder Flaschennahrung zus√§tzlich Wasser zum Trinken.

    Im 10. bis 12. Lebensmonat findet der √úbergang zum Familienessen statt. Die vier gleichwertigen S√§uglingsmahlzeiten gehen √ľber in drei Hauptmahlzeiten und zwei Zwischenmahlzeiten, um eine Ann√§herung an eine normale Kost zu erreichen. Anstelle des Milch-Getreide-Breis kann zu Beginn zum Beispiel Brot mit Milch gereicht werden. Anstelle des Obst-Getreide-Breis Obst.

    Die Essens-Fahrpl√§ne f√ľr Babys vom Netzwerk Junge Familie und dem Forschungsinstitut f√ľr Kinderern√§hrung zeigen anschaulich die √úberg√§nge von den Stillmahlzeiten √ľber die B(r)eikost bis hin zum Essen am Familientisch innerhalb des ersten Lebensjahres.

    Selbst gekocht oder aus dem Glas?

    Selbst zubereiteter Brei (siehe Rezepte) ist in der Regel preiswerter, er hilft dem Baby die geschmackliche Vielfalt zu entdecken und den Geschmack zu schulen.

    Fertige Babybreie m√ľssen hohe gesetzliche Anforderungen erf√ľllen, sie machen weniger Arbeit und k√∂nnen aufgrund der Zeitersparnis eine praktische und stressfreie Alternative im Familienalltag darstellen. Bei gekauften Breien sollte immer die Zutatenliste beachtet werden. Die verwendeten Lebensmittel sollten der Grundrezeptur von selbstgekochtem Brei entsprechen. Salz und Zucker oder zuckerreiche Zutaten, die einen starken S√ľ√ügeschmack erzeugen, sollten nicht enthalten sein.

    Unabh√§ngig davon ob es sich um Selbstgekochtes oder ein Fertigprodukt handelt ‚Äď die Portionsgr√∂√üe wird vom Alter und Appetit des Kindes bestimmt und nicht vom Rezept oder dem Gl√§scheninhalt. Das Verh√§ltnis der einzelnen Zutaten zueinander sollte allerdings gleich bleiben und der Grundrezeptur entsprechen.

    Grundrezepte f√ľr Babybreie

    Gem√ľse-Kartoffel-Fleisch-Brei

    100 g geputztes Gem√ľse (z.B. Karotten, Zucchini, K√ľrbis, Pastinake, Kohlrabi, Brokkoli,‚Ķ)
    50 g Kartoffeln ohne Schale (Nudeln, Reis oder anderes Getreide gekocht)
    30 g Fleisch oder Fisch
    1,5 EL (15 ml) Obstsaft oder Obstp√ľree als Nachtisch
    1 EL (10 g) Rapsöl

    Gem√ľse-Kartoffel-Getreide-Brei (bei vegetarischer Ern√§hrung)

    100 g geputztes Gem√ľse (z.B. Karotten, Zucchini, K√ľrbis, Pastinake, Kohlrabi, Brokkoli,‚Ķ)
    50 g Kartoffeln ohne Schale (Nudeln, Reis oder anderes Getreide gekocht)
    10 g Haferflocken
    1,5 EL (15 ml) Obstsaft oder Obstp√ľree als Nachtisch
    1 EL (10 g) Rapsöl

    Milch-Getreide-Breis

    200 g Vollmilch 3,5% (keine Roh- und Vorzugsmilch)
    20 g Vollkorn-Getreide (Flocken oder Grieß)
    2 EL (ca. 20 g) Obstsaft, -p√ľree (z.B. Orangensaft)

    Getreide-Obst-Brei

    90 ml Wasser
    20 g Vollkorn-Getreide (Flocken oder Grieß)
    100 g Obst, als P√ľree, zerdr√ľckt oder fein gerieben (z.B. Apfel, Banane, Birne,‚Ķ)
    1 TL (5 g) Rapsöl

    Quellen:

    Netzwerk Junge Familie - Beikosteinf√ľhrung

    Netzwerk Junge Familie - Rezepte

    Forschungsinstitut f√ľr Kinderern√§hrung (FKE)