Kinderernährung / Stillen - Hauptnährstoffe / Vitamine

Hauptnährstoffe

Nährstoffbedarf

Nach der Abnabelung ist der S√§ugling auf die √§u√üere Zufuhr von N√§hrstoffen angewiesen. Die physiologischen Grundlagen hierf√ľr sind der Warzensuchreflex, der Saugreflex und der Schluckreflex des Neugeborenen. Durch die Besiedelung des Darms mit Mikroorganismen aus der Umwelt kann es anfangs zu leichten Verdauungsst√∂rungen kommen, die sich jedoch schnell bessern. Die in der Muttermilch enthaltenen Bifidus-Bakterien hemmen das Wachstum krankheitserregender Keime, indem sie √ľber die Bildung von Milch- und Essigs√§ure den pH-Wert des Darms senken.

Energiebedarf

Eine bedarfsgerechte Energiezufuhr l√§sst sich am einfachsten durch Stillen erreichen. Muttermilch ist in der Regel optimal an die Bed√ľrfnisse des S√§uglings angepasst. Dies ist der Grund, warum gestillte Kinder seltener an √úbergewicht leiden als nicht-gestillte.

Der Energiebedarf steigt stetig und nähert sich dem Bedarf des Erwachsenen allmählich an (siehe Tabelle). Die benötigte Energiemenge, bezogen auf das Körpergewicht, nimmt mit zunehmendem Alter hingegen ab.

Richtwerte f√ľr die Energiezufuhr f√ľr S√§uglinge (gerundet)
Altersgruppe Energie in kcal/Tag
männlich weiblich
0-4 Monate 550 500
4-12 Monate 700 600

Quelle: D-A-CH Referenzwerte f√ľr die N√§hrstoffzufuhr, 2. Auflage, 2. aktualisierte Ausgabe 2016

 

Richtwerte f√ľr die Energiezufuhr f√ľr Kinder und Jugendliche mit PAL 1,4 (gerundet)
Altersgruppe Energie in kcal/Tag
männlich weiblich
1-4 Jahre 1200 1100
4-7 Jahre 1400 1300
7-10 Jahre 1700 1500
10-13 Jahre 1900 1700
13-15 Jahre 2300 1900
15-19 Jahre 2600 2000

Quelle: D-A-CH Referenzwerte f√ľr die N√§hrstoffzufuhr, 2. Auflage, 2. aktualisierte Ausgabe 2016

Eiweiß

Auf eine bedarfsgerechte Eiwei√üzufuhr ist ebenfalls zu achten, da sowohl zu wenig (beeintr√§chtigte Entwicklung) als auch zu viel Eiwei√ü sch√§dlich f√ľr Heranwachsende ist.

Empfohlene Eiwei√üzufuhr f√ľr S√§uglinge, Kinder und Jugendliche
Altersgruppe
in g Eiwei√ü pro kg KG¹ und Tag
in g Eiweiß pro Tag
männlich
weiblich
männlich
weiblich
0 - 1 Monate ²
2,5
8
1 - 2 Monate ²
1,8
8
2 - 4 Monate ²
1,4
8
4 - 12 Monate
1,3
11
1 - 4 Jahre
1,0
14
4 - 7 Jahre
0,9
18
7 - 10 Jahre
0,9
26
10 - 13 Jahre
0,9
37
38
13 - 15 Jahre
0,9
50
49
15 - 19 Jahre
0,9
0,8
62
48

¹ KG = K√∂rpergewicht
² hierbei handelt es sich um einen Sch√§tzwert

Quelle: D-A-CH Referenzwerte f√ľr die N√§hrstoffzufuhr, 2. Auflage, 3. aktualisierte Ausgabe 2017

Fett

Fett ist ein wichtiger Energielieferant und enth√§lt mit 9 kcal /g √ľber doppelt soviel Energie wie Kohlenhydrate und Eiwei√ü. 50 % seiner Energiezufuhr bezieht das Neugeborene daher aus dem Fettgehalt der Muttermilch.

Neben der Menge des zugef√ľhrten Fetts spielt auch die Art der Fetts√§uren eine wichtige Rolle. Die Muttermilch zeichnet sich durch einen hohen Gehalt an mehrfach unges√§ttigten Fetts√§uren (Linols√§ure, Linolens√§ure) sowie der einfach unges√§ttigten √Ėls√§ure aus. Weiterhin ist die Omega-6-Fetts√§ure Arachidons√§ure und die Omega-3-Fetts√§ure Docosahexaens√§ure enthalten. Diese beiden Fetts√§uren werden v. a. im letzten Schwangerschaftsdrittel vom Fetus im Gehirn, Zentralnervensystem und der Retina des Auges gespeichert, was wahrscheinlich zu einer Verbesserung der kognitiven, intellektuellen und visuellen Leistung des Kindes f√ľhrt.

Der Erwachsene ist in der Lage, aus Linols√§ure und Linolens√§ure Omega-3-Fetts√§uren bzw. Omega-6-Fetts√§uren aufzubauen. Im fr√ľhen Kindesalter ist das hierf√ľr notwendige Enzymsystem noch nicht ausreichend aktiv. Deshalb ist das Neugeborene auch nach der Geburt auf die st√§ndige Zufuhr von Arachidons√§ure und Docosahexaens√§ure angewiesen. Durch die Muttermilch ist eine bedarfsgerechte Zufuhr gew√§hrleistet. Diese Fetts√§uren werden teilweise industriellen Babynahrungen zugesetzt, um die positiven Wirkungen der Fetts√§uren auch nicht-gestillten S√§uglingen zug√§nglich zu machen. Diese Zus√§tze sollten sich an dem Fetts√§uregehalt der Muttermilch orientieren. Weiterhin ist ein Vitamin E-Zusatz angebracht, um eine Oxidation der Fetts√§uren zu vermeiden.

Richtwerte f√ľr die Fettzufuhr von S√§uglingen, Kindern und Jugendlichen
Altersgruppe in % der Energie Mittelwert in g pro Tag (PAL 1,4) Mittelwert in g pro Tag (PAL 1,4)
männlich weiblich
0-4 Monate 45-50 28,1 25,5
4-12 Monate 35-45 30,1 25,8
1-4 Jahre 30-40 45,2 41,4
4-7 Jahre 30-35 48,9 45,4
7-10 Jahre 30-35 59,4 52,4
10-13 Jahre 30-35 66,4 59,4
13-15 Jahre 30-35 80,4 66,4
15-19 Jahre 30 83,9 64,5

Quelle: modifiziert nach D-A-CH Referenzwerte f√ľr die N√§hrstoffzufuhr, 2. Auflage, 2. aktualisierte Ausgabe 2016

Kohlenhydrate

Das Hauptkohlenhydrat der Frauen- und Kuhmilch ist die Lactose (Milchzucker). Sie dient hauptsächlich der Energiegewinnung. Da das milchzuckerspaltende Enzym (Lactase) noch nicht vollständig funktionsfähig ist, gelangt ein Teil des Milchzuckers in untere Darmabschnitte und kann dort von den Darmbakterien zu Essig- und Milchsäure abgebaut werden.

Die Kohlenhydrate sollten vorwiegend in komplexer Form verzehrt werden, also in Form von Vollkornprodukten, Kartoffeln, Obst, Gem√ľse etc. Der Anteil der unverdaulichen Ballaststoffe erh√∂ht sich nach der Umstellung auf Breikost. Im Zuge der Anpassung an die Ern√§hrung des Erwachsenen sollte die Ballaststoffzufuhr im Jugendalter bei 30 g pro Tag liegen.

Richtwerte f√ľr die Kohlenhydratzufuhr 
Altersgruppe Kohlenhydratzufuhr in g pro Tag (PAL 1,4) Kohlenhydratzufuhr in g pro Tag (PAL 1,4)
männlich weiblich
0-4 Monate 54,8 48,5
4-12 Monate 89,0 74,7
1-4 Jahre 157,1 144,0
4-7 Jahre 183,3 170,2
7-10 Jahre 222,6 196,4
10-13 Jahre 248,8 222,6
13-15 Jahre 301,2 248,8
15-19 Jahre 356,0 273,8

Quelle: modifiziert nach D-A-CH Referenzwerte f√ľr die N√§hrstoffzufuhr, 2. Auflage, 2. aktualisierte Ausgabe 2016

Vitamine

Vitamine sind lebenswichtige Bestandteile unserer Nahrung. Sie besitzen im menschlichen Organismus die unterschiedlichsten Funktionen. Grunds√§tzlich unterscheidet man zwischen wasserl√∂slichen und fettl√∂slichen Vitaminen. Beim Stillen ist die Versorgung des S√§uglings mit Vitaminen (Ausnahme: Vitamin D und Vitamin K) gew√§hrleistet, da der m√ľtterliche Organismus darauf ausgerichtet ist, den Nachwuchs ausreichend mit N√§hrstoffen zu versorgen. Bei einer unausgewogenen Ern√§hrung kann es aber unter Umst√§nden zu einer N√§hrstoffverarmung der Mutter kommen.

Auch eine Ern√§hrung mit S√§uglingsnahrung bringt keine Probleme bez√ľglich der Vitaminversorgung. Ausnahme davon ist ebenfalls das Vitamin D. Im Folgenden wird auf die beiden kritischen Vitamine, Vitamin D und Vitamin K, n√§her eingegangen.

Vitamin D

Dieses Vitamin ist f√ľr die Resorption von Calcium und Phosphat im Darm sowie die Einlagerung der beiden Mineralstoffe in die Knochensubstanz verantwortlich. In der Haut kann Vitamin D unter Sonneneinstrahlung bzw. ultraviolettem Licht aus Cholesterin (7-Dehydrocholesterol) gebildet werden. Bei einem Vitaminmangel bzw. unzureichender Sonneneinstrahlung kann es zu Verformungen des Skeletts (Rachitis) kommen.

Aufgrund des erh√∂hten Vitamin D-Bedarfs im ersten Lebensjahr und des niedrigen Gehalts in der Muttermilch bzw. der S√§uglingsnahrung wird eine zus√§tzliche Gabe von 10 ¬Ķg (400 I.E.) Vitamin D empfohlen. Nach heutigem Wissen reicht auch eine Aufnahme von 2,5-5 ¬Ķg.

Vitamin K

Vitamin K ist ma√ügeblich an der Blutgerinnung beteiligt. Deshalb kann es bei einem Vitaminmangel zu inneren Blutungen kommen. Dies kann verschiedene Bereiche umfassen, z. B. das Gehirn, die Haut und den Darm. Besonders gef√§hrdet sind Neugeborene, deren M√ľtter w√§hrend der Schwangerschaft Medikamente gegen Epilepsie bzw. Mittel zur Blutverd√ľnnung eingenommen haben.

Der niedrige Vitamin-K-Gehalt der Muttermilch tr√§gt auch zum Entstehen der Blutungen bei. Deshalb wird eine orale Gabe von 2 ¬Ķg Vitamin K direkt nach der Geburt empfohlen sowie je einmal in den ersten beiden Lebensmonaten. Die Gabe erfolgt im Rahmen der gesetzlich empfohlenen U1 bis U3.