Osteoporose - Ursachen

Eine Abnahme der Knochendichte erfolgt immer dann, wenn mehr Knochensubstanz abgebaut wird als neues Material gebildet werden kann. F√ľr den Knochenstoffwechsel sind zwei verschiedene Zellsysteme verantwortlich, n√§mlich die knochenbildenden Osteoblasten und die knochenabbauenden Osteoklasten. W√§hrend beim Gesunden ein Gleichgewicht zwischen Auf- und Abbau herrscht, ist die Aktivit√§t der Osteoklasten beim Osteoporotiker erh√∂ht bzw. die der Osteoblasten verringert. Dies kann mehrere Ursachen haben.

Calciummangel

Calcium als Baustoff

Calcium spielt bei der Ausbildung der Knochenmatrix eine wichtige Rolle. Der K√∂rper speichert davon etwa 1-1,5 kg in den Knochen. Auch im Stoffwechsel besitzt Calcium eine Vielzahl an Funktionen (Muskelkontraktion, Aktivierung des Blutgerinnungssystems, Zellmembranstabilisierung, Cofaktor f√ľr die Sekretion von einigen Enzymen, Neurotransmittern und Hormonen).

Wird mit der Nahrung zu wenig Calcium zugef√ľhrt, greift der K√∂rper auf die Calciumspeicher der Knochen zur√ľck. Diese Entmineralisierung der Knochenmatrix kann auf Dauer zur Osteoporose f√ľhren.

Vitamin D-Mangel

Copilot des Calciums

Das fettlösliche Vitamin D verbessert die Calciumaufnahme aus dem Darm, indem es die Bildung des calciumbindenden Proteins (Calbindin-D) fördert. Es ist somit indirekt am Knochenstoffwechsel beteiligt.

Der Körper ist in der Lage, aus UV-Strahlen und einem Cholesterinabkömmling (7-Dehydrocholesterol) Vitamin D (Cholecalciferol) selbst herzustellen. In Leber und Niere erfolgt dann die Umwandlung in die eigentlich wirksame Form, dem sogenannten Calcitriol (Vitamin D-Hormon).

Vitamin D-Mangel f√ľhrt bei Kindern zur sogenannten Rachitis ("Englische Krankheit"), die mit Verformungen der Knochen einhergeht. Der Tagesbedarf liegt bei 5¬Ķg/Tag (Ausnahme: Schwangere, Stillende und S√§uglinge: 10¬Ķg/Tag). Besonders reich an diesem Vitamin sind Fettfische (Lachs, Hering, Makrele), Lebertran, Margarine, Pilze und Eier.

√Ėstrogenmangel

W√§hrend eine gesteigerte Bildung von Sexualhormonen zu einem vermehrten Knochenaufbau f√ľhrt, kommt es bei fehlender Produktion (z.B. bei operativer Entfernung der hormonproduzierenden Dr√ľsen wie Eierst√∂cke und Hoden) zu einem gesteigerten Knochenabbau.

Der Mangel an √Ėstrogen (weibliches Sexualhormon) wird bei der Frau durch die Wechseljahre herbeigef√ľhrt, die zwischen dem 45. und 55. Lebensjahr eintreten. Aus diesem Grund sind Frauen h√§ufiger betroffen als M√§nner.

Bewegungsmangel

Bewegungsmangel f√ľhrt nicht nur zu einer verringerten Muskelmasse, sondern auch zu einer verminderten Knochendichte. F√ľr ein stabiles Knochenger√ľst ist also eine regelm√§√üige k√∂rperliche Beanspruchung durch Sport unentbehrlich. Es konnte gezeigt werden, dass der Aufbau von Knochenmasse proportional zum Muskelaufbau zunimmt. Hier empfiehlt sich ein progressives Krafttraining aller Muskelgruppen, mit h√∂heren Widerst√§nden mindestens 2-3 mal die Woche f√ľr je 45min. Desweiteren kann man auch ein kombiniertes Kraft-, Ausdauer- und Koordinationstraining mindestens 2-3 mal die Woche f√ľr je 1Std, machen. Hier wird nicht nur der Knochenaufbau gef√∂rdert, sondern auch das Sturzriskio, durch das Koordinationstraining, verringert.

Ein weiterer Vorteil der k√∂rperlichen Aktivit√§t ist, dass die Reaktionsf√§higkeit sowie das Gleichgewicht trainiert wird. Die hohe Anzahl an Oberschenkelhalsbr√ľchen lie√üe sich durch einen besseren k√∂rperlichen Zustand der Senioren reduzieren. Die Kr√§fte, die bei einem hilflos St√ľrzenden auftreten, sind um ein Vielfaches h√∂her als bei Menschen, die in der Lage sind, den Sturz abzufangen.

√úbertriebenes Training kann aber auch negative Konsequenzen haben. Bei jungen Hochleistungssportlerinnen kann dies zu einem relativen √Ėstrogenmangel f√ľhren, was sich im Ausbleiben der Monatsblutung √§u√üert. Dieser Mangel hat die gleichen knochensch√§digenden Auswirkungen wie der Mangel an Sexualhormonen nach der Menopause. In diesem Fall √ľbersteigt die negative Wirkung die positiven Aspekte des k√∂rperlichen Trainings.

Auch im Alter ist Vorsicht geboten. Wer als Untrainierter √§lteren Jahrgangs mit sportlichen Aktivit√§ten beginnt, sollte sich vorher vom Arzt gr√ľndlich untersuchen lassen. Eine unerkannte Herz-Kreislauf-Erkrankung k√∂nnte bei pl√∂tzlich auftretenden Belastungen fatale Folgen haben. Bei bestehenden Gelenkserkrankungen bzw. anderen St√∂rungen des Bewegungsapparates sollte die jeweilige Sportart mit dem Orthop√§den und/oder Krankengymnasten besprochen werden, um Verschlei√üerscheinungen zu vermeiden. Jeder √ľber den normalen Muskelkater hinausgehende Schmerz sollte ebenfalls dem Arzt mitgeteilt werden.

Untergewicht

Psychisch bedingte Essst√∂rungen wie Bulimia nervosa (Ess-Brech-Sucht) und Anorexia nervosa (Magersucht) k√∂nnen bei Frauen ebenfalls zum Ausbleiben der Periode (Amenorrh√∂) f√ľhren. Der dadurch entstehende √Ėstrogenmangel sch√§digt die Knochenmasse in gleicher Weise wie nach den Wechseljahren. Die geringere Knochendichte f√∂rdert so die Entstehung einer Osteoporose.

Medikamente

Glucocorticoide

Unter Glucocorticoiden versteht man eine in der Nebennierenrinde gebildete Hormongruppe. Die beiden bekanntesten Vertreter sind Cortison und Cortisol. Als Medikament werden diese Substanzen vorwiegend bei entz√ľndlichen Erkrankungen wie z.B. Rheuma verschrieben. Jedoch besitzen Glucocorticoide eine Reihe von knochensch√§digenden Eigenschaften:

  • Hemmung der knochenaufbauenden Osteoblasten
  • verringerte Calciumaufnahme aus dem Darm
  • gesteigerte Calciumausscheidung √ľber die Nieren
  • verminderte Calcitoninaussch√ľttung (siehe Medikamente)

Diuretika

Bei diesen Medikamenten handelt es sich um Medikamente, die z.B. bei der Behandlung des Bluthochdruckes eingesetzt werden. Einige von ihnen f√∂rdern die Ausscheidung von Wasser und Mineralstoffen √ľber die Nieren, d.h. es kommt u.a. zu einer verst√§rkten Ausschwemmung von Calcium. Es gibt jedoch auch Diuretika (z.B. Hydrochlorothiazid), die genau das Gegenteil bewirken und somit zu einer Zunahme der Knochendichte f√ľhren.

Antacida, Phosphatbinder

Sowohl die magensäurehemmenden Antacida als auch die Phosphatbinder, die bei Dialysepatienten eingesetzt werden, besitzen eine knochenschädigende Wirkung.

Schilddr√ľsen√ľberfunktion / Hyperthyreose

Eine schwere Schilddr√ľsen√ľberfunktion (Hyperthyreose) kann ebenfalls eine Osteoporose verursachen. Durch einen gesteigerten Knochenumsatz kommt es zu einer verst√§rkten Calciumausscheidung mit dem Harn sowie zu leicht erh√∂hten Blutcalciumwerten. Dies f√ľhrt zu einer Unterversorgung des Knochens mit Calcium, woraus eine geringere Knochendichte und ein erh√∂htes Frakturrisiko resultiert.