Osteoporose - Medikamente

Bemerkung

Die hier angegebenen Dosierungen der Medikamente dienen lediglich der Orientierung. Sie sollten in jedem Fall mit dem Hausarzt oder Apotheker besprochen werden!

Medikamentöse Behandlung

Die medikamentöse Behandlung ist neben der Ernährung und der Bewegung die dritte Säule der Osteoporosetherapie. Man unterscheidet neben der Basistherapie grundsätzlich zwei Arten von Wirkstoffgruppen. Die erste Gruppe stimuliert den Knochenaufbau und die zweite hemmt den Knochenabbau.

Die Wahl des Medikamentes h√§ngt ma√ügeblich vom Patienten bzw. der jeweiligen Diagnose ab. Die Entscheidung kann nur der behandelnde Arzt nach gr√ľndlicher Untersuchung des Patienten treffen. Im Folgenden wird auf die Wirkstoffgruppen der Osteoporose-Medikamente n√§her eingegangen.

Basistherapie

Calcium und Vitamin D

Obwohl der Calciumversorgung in den ersten drei Lebensjahrzehnten eine entscheidende Bedeutung zukommt, hat Calcium auch in höherem Lebensalter einen positiven Effekt auf die Knochendichte.

Calcium hat generell bei der Behandlung mit Medikamenten eine unterst√ľtzende Wirkung. Da Vitamin D die Calciumresorption verbessert, l√§sst sich durch die gezielte Gabe dieses Vitamins der Knochenabbau verringern. Es empfiehlt sich eine zus√§tzliche Gabe von 800-2000 IE Vitamin D bei Personen, die sich weniger als 30min am Tag im Freien aufhalten. Wird die empfohlene Menge Calcium (1000mg/d) durch konventionelle Ern√§hrung nicht erreicht (z.B. bei Milcheiwei√üallergie), ist eine Substitution empfehlenswert.

Calcitriol

Der Körper ist in der Lage, aus UV-Strahlen und einem Cholesterinabkömmling (7-Dehydrocholesterol) Vitamin D (Cholecalciferol) selbst herzustellen. In Leber und Niere erfolgt dann die Umwandlung in die eigentlich wirksame Hormonform, dem sogenannten Calcitriol. Bei vielen älteren Menschen ist diese Umwandlung in der Niere gestört, so dass sie auf eine direkte Zufuhr dieses Hormons angewiesen sind. In diesem Fall sollte eine weitere Vitamin D-Supplementierung unterbleiben und die Calciumaufnahme durch die Nahrung zumindest reduziert werden.

Knochenabbau-hemmende Medikamente (Antiresorptiva)

Bisphosphonate

Es handelt sich hier um Phosphorverbindungen, die ähnliche chemische Strukturen aufweisen wie die Knochenmatrix. Sie bilden eine Art Schutzschicht und verringern somit die Angriffsfläche der Osteoklasten (knochenabbauende Zellen). Neuere Formen reichern sich unter den knochenabbauenden Zellen an der Knochenoberfläche an und werden daher nur in geringen Mengen verabreicht. Durch die selektive Hemmung der Osteoklasten bleibt die Aktivität der knochenaufbauenden Osteoblasten erhalten, wodurch eine gewisse Erhöhung der Knochendichte erreicht werden kann.

Bisphononate sollten nicht w√§hrend der Schwangerschaft bzw. der Stillzeit, bei Nierenfunktionsst√∂rungen und Entz√ľndungen des Magen-Darm-Traktes eingesetzt werden. Als Nebenwirkungen wurden Magen-Darmbeschwerden beobachtet. Bisphosphonate werden haupts√§chlich bei Frauen nach den Wechseljahren (postmenopausal) eingesetzt.

Calcitonin - Das Schilddr√ľsenhormon

Calcitonin ist ein in der Schilddr√ľse gebildetes Hormon, welches den Knochenstoffwechsel reguliert. Es wird in der Osteoporosetherapie eingesetzt, wenn eine Therapie mit √Ėstrogenen abgelehnt wird, Kontraindikationen vorliegen, sowie bei der Therapie osteoporotischer M√§nner.

In der Wirkung als Gegenspieler des Parathormons hemmt es die Freisetzung von Calcium und Phosphat aus den Knochen und f√∂rdert die Einlagerung dieser beiden Mineralstoffe in die Knochenmatrix. Weiterhin beg√ľnstigt es die Umwandlung von knochenabbauenden Osteoklasten in knochenaufbauende Osteoblasten. Es besitzt eine schmerzstillende Wirkung, weshalb es h√§ufig zur Schmerzlinderung bei Frakturen eingesetzt wird.

Verabreicht wird es in Form von Nasensprays, da es nach oraler Gabe im Magen verdaut wird und somit nicht mehr wirksam ist. Typische Nebenwirkungen dieser Medikamente sind Übelkeit, Hautrötungen sowie Magen-Darm-Beschwerden. Bei der Anwendung von Lachs-Calcitonin kann es zusätzlich zu allergischen Reaktionen kommen.

√Ėstrogene - Die weiblichen Sexualhormone

Die fehlende √Ėstrogenproduktion nach den Wechseljahren ist eine der h√§ufigsten Ursachen der Osteoporose. Um diesen Mangel zu beheben, wird vielen Frauen eine Ersatzbehandlung empfohlen. Die Art der Verabreichung (Tabletten, Spritzen, Pflaster, etc.) spielt dabei keine Rolle.

√Ėstrogene hemmen direkt den Knochenabbau, sie verringern die Calciumausscheidung und erh√∂hen die Calciumabsorption. Dies f√ľhrt zu einer Zunahme der Knochendichte und damit zu einem verringerten Frakturrisiko. Sie sind ebenfalls in der Lage, die typischen Beschwerden der Wechseljahre zu mildern. Entscheidend ist jedoch, dass die Therapie rechtzeitig begonnen wird, um m√∂gliche Sch√§den zu vermeiden. Ein Kausalzusammenhang zwischen Hormoneinnahme und Brustkrebsrisiko ist noch nicht gekl√§rt.

SERM's - Selektive √Ėstrogen-Rezeptor-Modulatoren

Die SERM's wirken an den √Ėstrogenrezeptoren. Sie hemmen die Osteoklasten, da sie dort √§hnlich wie √Ėstrogen wirken. Jedoch besitzen die SERM's den Vorteil, dass sie an anderen Organen nicht wie √Ėstrogen wirken und somit dort unerw√ľnschte Wirkungen verhindern. Sie werden meistens auch postmenopausal, anstatt √Ėstrogen, verabreicht.

Knochenaufbau-stimulierende Medikamente

Fluoride

Fluoride f√∂rdern den Knochenaufbau, da sie die Osteoblastenbildung f√∂rdern. Eine Zunahme der Knochendichte ist auf eine teilweise Einlagerung von Fluorid in die Knochenmatrix zur√ľckzuf√ľhren. Diese Effekte sind an der Wirbels√§ule st√§rker ausgepr√§gt als an den Extremit√§ten. Fluoride konkurrieren mit Calcium um die Einlagerung, daher wird bei einer erh√∂hten Fluoridzufuhr weniger Calcium eingebaut.

Eine √úberdosierung kann jedoch auch durch das Konkurrenzverhalten negative Auswirkungen haben. Durch √ľberm√§√üige Einlagerung von Fluorid kann es zu einer St√∂rung der Knochenstruktur (Fluorose) kommen, was die Frakturanf√§lligkeit trotz erh√∂hter Knochendichte verst√§rkt.

Als Nebenwirkungen k√∂nnen √úbelkeit, Gastritis sowie Schwellungen im Kn√∂chel- und Fersenbereich auftreten. Die Dauer der Therapie sollte drei Jahre nicht √ľbersteigen.

Androgene

Androgene sind m√§nnliche Sexualhormone, die nur bei sehr schwerwiegenden F√§llen eingesetzt werden. Bei einer stark ausgepr√§gten Osteoporose findet sich h√§ufig ein Teufelskreis aus einer Abnahme der Knochendichte und dem damit verbundenen vermehrten Auftreten von Knochenbr√ľchen. Dies f√ľhrt h√§ufig zur Bettl√§gerigkeit, woraus eine weitere Abnahme der Knochendichte resultiert usw. Androgene k√∂nnen durch ihren knochenaufbauenden Effekt helfen, diesen Teufelskreis zu durchbrechen.