Rheuma - Ernährung

Die Entz√ľndungen werden durch die Bildung von Entz√ľndungsfaktoren, den sogenannten Eicosanoiden (Thromboxan A2, Prostaglandin E2, Leukotrien B4) ausgel√∂st, die aus der Fetts√§ure Arachidons√§ure gebildet werden. Je weniger Arachidons√§ure mit der Nahrung zugef√ľhrt wird, desto weniger Entz√ľndungsmediatoren k√∂nnen gebildet werden.

Lebensmittel Arachidonsäure-Gehalt (mg) pro Portion Portionsgröße [g] Arachidonsäure-Gehalt (mg) pro 100 g
H√ľhnerragout 1600 400 400
Suppenhuhn 1095 150 730
Brathähnchen 851 370 230
Croissant 749 70 1070
Schweineleber 650 125 520
Kalbskotelett 480 150 320
Schweinegulasch 345 150 230
Kalbfleisch 330 150 220
Chickenburger 270 150 180
Schweineschmalz 255 15 1700
Aal 225 150 150
Labskaus 175 350 50
Schweinshaxe 150 300 50
Omelett 84 140 60
Gyros 62,5 125 50
Rindfleisch 60 150 40
Bauernbratwurst 57 30 190
Eigelb 38 19 200
Ei 36 60 60
Landjäger 30 30 100
Milch, 1,5% Fett 15 150 10
S√ľlze 12 30 40

Quelle: berechnet mit PRODI expert¬ģ

Tipp

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Aus der oben stehenden Tabelle wird ersichtlich, dass nur tierische Lebensmittel diese Fettsäure enthalten, d.h. optimal wäre eine vegetarische Kost bzw. eine Einschränkung des Fleisch- und Wurstkonsums. Bei normaler Kost werden etwa 200-400mg/Tag, bei einer vegetarischen Ernährung nur ca. 50mg Arachidonsäure pro Tag aufgenommen.

Fettsäuren

Aufbau

Die mit der Nahrung zugef√ľhrten Fette (Triglyceride) bestehen aus einem Molek√ľl Glycerin und drei damit verbundenen (veresterten) Fetts√§uren.

Aufbau einer Fettsäure

Je nach dem, welche Fettsäuren enthalten sind, besitzen Fette unterschiedliche Wirkungen im menschlichen Körper. Bei der diätetischen Behandlung des Rheumas spielen folgende Fettsäuren eine wichtige Rolle.

Omega-3-Fettsäuren

Die Fette bestimmter Fischarten sind reich an sogenannten Omega-3-Fettsäuren, insbesondere an Eicosapentaensäure.

Fisch(-erzeugnisse) Eicosapentaensäure-Gehalt (mg) pro Portion Portionsgröße [g] Eicosapentaensäure-Gehalt (mg) pro 100 g
Sushi 5,2 400 1,3
Hering 3,32 150 2,21
Lachs 1,26 150 0,84
Schillerlocke 0,6 150 0,4
Wels 0,45 150 0,3
√Ėlsardine 0,42 60 0,7
Steinbutt 0,32 150 0,21
Forelle 0,24 150 0,16
Kabeljau 0,12 150 0,08

Quelle: berechnet mit PRODI expert¬ģ

Tipp

Angaben zum Eicosapentaens√§ure-Gehalt weiterer Lebensmittel finden Sie √ľber unsere Lebensmittelsuche.

Die Eicosapentaens√§ure besitzt eine √§hnliche chemische Struktur wie die Arachidons√§ure. Deshalb konkurriert sie mit dem gleichen Enzymsystem, so dass die Umwandlung der Arachidons√§ure in die entz√ľndungsausl√∂senden Stoffe vermindert ist (kompetetive Hemmung).

Daher wirkt sich der regelm√§√üige Verzehr (2x/Woche) dieser Fische g√ľnstig auf das Krankheitsbild aus. Stehen Fischmahlzeiten gar nicht oder nur selten auf dem Speiseplan, empfiehlt sich eine t√§gliche Zufuhr von 30mg Fisch√∂lfetts√§uren pro kg K√∂rpergewicht.

alpha-Linolensäure

Ein ähnlicher, positiver Effekt lässt sich mit der alpha-Linolensäure erreichen, da diese im menschlichen Körper zu der oben genannten Eicosapentaensäure umgewandelt werden kann. Sie kommt v.a. in Pflanzenölen wie Leinöl, Rapsöl, Weizenkeimöl, Walnussöl und Sojaöl vor.

Dihomo-gamma-Linolensäure

Diese Fetts√§ure stellt die Vorstufe der Arachidons√§ure dar. Aus ihr werden Substanzen gebildet, die eine entz√ľndungshemmende Wirkung besitzen. Sie hemmt ebenfalls die Umwandlung der Arachidons√§ure in die entz√ľndungsausl√∂senden Substanzen. Sie ist z.B. enthalten in Nachtkerzen√∂l, Johannisbeer√∂l und Borretsch√∂l (Reformhaus). Die erforderliche Dosierung betr√§gt 2-3 g t√§glich.

Vitamine und Spurenelemente

Bestimmte Vitamine und Spurenelemente (Antioxidantien) haben eine entz√ľndungshemmende Wirkung und sollten daher bei rheumatischen Erkrankungen vermehrt zugef√ľhrt werden. Dies betrifft v.a. die Vitamine C, E sowie das Spurenelement Selen. Die Antioxidantien besitzen die beste Wirkung, wenn sie gemeinsam aufgenommen werden (Synergismus)!

Vitamin E

Vitamin E (Tocopherol) ist in der Lage, die Entstehung von entz√ľndungsf√∂rdernden Substanzen durch verschiedene Stoffwechselvorg√§nge zu reduzieren. Bei 60% aller m√§nnlichen und 50% aller weiblichen Patienten bestehen zu niedrige Plasmawerte an Vitamin E. Aus diesem Grund wird f√ľr Rheumatiker eine h√∂here Vitamin E-Zufuhr empfohlen.

Vitamin C

Vitamin C (Ascorbins√§ure) alleine scheint keinen Effekt auf rheumatische Erkrankungen zu haben. Es ist jedoch zusammen mit Selen in der Lage, oxidierte Vitamin E-Radikale zu reduzieren, d.h., dass bereits unwirksam gewordenes Vitamin E erneut in seine wirksame Form zur√ľckgef√ľhrt wird.

Die Deutsche Gesellschaft f√ľr Ern√§hrung (DGE) empfiehlt f√ľr den Gesunden eine t√§gliche Vitamin C-Zufuhr von 100mg. F√ľr Patienten mit rheumatischen Erkrankungen scheint diese Menge zu gering. Hier wird eine Dosis von etwa 200mg/Tag empfohlen. Eine weitere Dosiserh√∂hung scheint nicht sinnvoll, da h√∂here Mengen √ľber die Niere ausgeschieden werden.

Vitamin A

Obwohl bei vielen Rheumatikern niedrige Vitamin A-Spiegel im Blutserum nachgewiesen werden konnten, scheint eine h√∂here Vitamin A-Zufuhr keinen therapeutischen Nutzen zu haben. F√ľr einen Ausgleich der niedrigen Plasmawerte ist eine ausgewogene Kost ausreichend.

Selen

Selen ist Bestandteil des antioxidativ wirkenden Enzyms Glutathionperoxidase und hat somit ebenfalls einen Einfluss auf das Krankheitsgeschehen. Da dieses Spurenelement haupts√§chlich in den sonst weniger empfehlenswerten tierischen Lebensmitteln vorkommt, empfiehlt es sich, den Bedarf durch Fisch, N√ľsse oder Selentabletten zu decken.

Empfohlene Tagesdosis

Empfohlene Tagesdosis
Inhaltsstoff Gesunde Rheumatiker
Vitamin A 0,8 - 1,1 mg 1 mg
Vitamin E 11 - 15 mg 100 - 200 mg
Vitamin C 95 - 110 mg 200 mg
Selen 60 - 70 ¬Ķg 100 - 200 ¬Ķg

Quellen:
D-A-CH Referenzwerte f√ľr die N√§hrstoffzufuhr, 2. Auflage, 2. aktualisierte Ausgabe 2016
Ern√§hrungsmedizin, 4. √ľberarbeitete Auflage, 2010

Geeignete Lebensmittel

Nahrungsmittel, die reich an den genannten Nährstoffen sind:
Vitamin A (Beta-Carotin) Vitamin C Vitamin E Selen
Leber Sanddornbeeren Sonnenblumenöl Fisch
Karotten Zitrusfr√ľchte Walnuss√∂l N√ľsse
Gr√ľnkohl Paprika Soja√∂l Fleisch
Aprikosen Broccoli Maiskeimöl Leber

Einfluss des Fastens

Es konnte gezeigt werden, dass durch absolutes Fasten ("Nulldi√§t") eine Linderung der Schmerzen erreicht werden kann. Wichtig dabei ist eine ausreichende Fl√ľssigkeitszufuhr (2-3 Liter/Tag) mit geeigneten Getr√§nken wie z.B. Mineralwasser, Molke oder Gem√ľses√§ften.

Die Ursache dieser positiven Wirkung scheint die fehlende Arachidons√§urezufuhr mit der Nahrung zu sein, denn nach etwa zwei Tagen werden nur noch ein Drittel der entz√ľndungsausl√∂senden Eicosanoide gebildet.

Die unter totalem Fasten beobachteten erhöhten Cortisonspiegel tragen ebenfalls zu einer Besserung der Symptomatik bei.

Eine Reduktion des Körpergewichts kann zusätzlich zur Entlastung der Gelenke beitragen. Dies kann jedoch nicht mit einer Nulldiät, sondern nur durch eine Umstellung der Ernährungsgewohnheiten erreicht werden.

Zusammenfassung

6 Regeln

  • Reduktion der Arachidons√§urezufuhr mit der Nahrung (ideal: vegetarische Ern√§hrung)
  • Bestehendes √úbergewicht abbauen (Reduktion des Fettverzehrs)
  • Weniger Fleisch- und Wurstwaren, d.h. weniger tierische Fette, daf√ľr mehr pflanzliche √Ėle
  • Mind. 2x pro Woche Fisch (z.B. Hering, Lachs), ev. Einsatz von Fisch√∂lkapseln
  • Viel Obst und Gem√ľse (Antioxidantien) mit schonendem Garverfahren (D√§mpfen, D√ľnsten)
  • Wenig Alkohol und Nikotin