Ausreichend trinken: Wann man sich besser nicht auf sein Durstgefühl verlassen sollte

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ernährung und Gesundheit

Dienstag, 19. April 2022

Welche Trinkmenge ist die richtige? Diese Frage lässt sich nicht pauschal beantworten. Und: je nach Gesundheitszustand können eine zu geringe wie auch eine zu hohe Flüssigkeitszufuhr schädlich sein, warnten Experten der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin e.V. (DGIM) anlässlich des diesjährigen Weltwassertags am 22. März.

Unser Körper besteht zu mehr als zwei Dritteln aus Wasser, das Blut sogar zu 90 Prozent. Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr, idealerweise in Form von Wasser, ungezuckertem Tee oder als stark verdünnte Saftschorle, ist essenziell. Sie regt den Stoffwechsel an, fördert die Verdauung und kann zur Blutdrucksenkung beitragen. Im Körper sorgen aufwändige Regelmechanismen dafür, dass der Wassergehalt von Geweben und Blut auch bei wechselnden Temperaturen und unterschiedlicher körperlicher Beanspruchung nahezu konstant bleibt. Hierzu zählen die produzierte Harnmenge beziehungsweise der Harndrang sowie das Durstgefühl.

Welche Trinkmenge ist empfehlenswert? „Bei gesunden Menschen spricht nichts dagegen, sich im Großen und Ganzen auf das Durstgefühl zu verlassen“, erläutert Prof. Markus M. Lerch, Ärztlicher Direktor am LMU Klinikum München und Vorsitzender der DGIM. So ergeben sich meist von alleine Trinkmengen in Höhe der empfohlenen eineinhalb bis zwei Liter täglich. Feuchte Nahrungsmittel wie Suppen, Obst und Gemüse dürfen laut Lerch durchaus als Trinkmenge mitgerechnet werden. Neben der Umgebungstemperatur hängt der Flüssigkeitsbedarf auch vom Körpergewicht, dem Alter, der Ernährung, der körperlichen Belastung sowie dem Gesundheitszustand ab. Bei Hitze, trockener kalter Luft, hohem Verzehr von Kochsalz oder Eiweiß und akuten Erkrankungen wie Fieber, Erbrechen oder Durchfall sollte mehr getrunken werden.

Manchmal ist das Durstgefühl allerdings kein zuverlässiger Indikator. Dies gilt etwa im Alter. „Bei älteren Menschen lässt das Durstempfinden deutlich nach“, warnt Lerch. Sie sollten daher auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr achten und sich ab und zu bewusst ein Glas Wasser einschenken. Auch für Menschen mit Diabetes lautet der Rat, etwas mehr zu trinken. Denn eine leicht erhöhte Trinkmenge fördert die Ausscheidung von Zucker über die Nieren. Darüber hinaus sollten Menschen, die entwässernde Mittel einnehmen, aufgrund der erhöhten Harnbildung ausreichend trinken.

Zu den Warnzeichen für einen Flüssigkeitsmangel zählt eine Dunkelfärbung des Urins, der Stuhl kann fester werden und Verstopfungsbeschwerden treten auf. Ein einfacher Test ist der Hautfaltentest: Hierfür hebt man mit zwei Fingern eine Hautfalte an und lässt sie dann wieder los. Bei einem Flüssigkeitsdefizit bleibt die Falte kurz stehen. Ist der Körper dagegen ausreichend mit Wasser versorgt, verschwindet die Falte sofort wieder. „Gerade an heißen Tagen kann sich der Flüssigkeitsmangel verschärfen und kritisch werden, was sich durch Herzrasen, Verwirrtheit und Kreislaufschwäche bis hin zur Ohnmacht äußert“, erläutert Prof. Georg Ertl, Internist, Kardiologe und Generalsekretär der DGIM. Unter dem Flüssigkeitsmangel (Dehydrierung) leiden auch die Nieren, es kann sogar zu akuten Nierenversagen kommen.

Gilt daher, dass man umso gesünder lebt, je mehr man trinkt? Ertl warnt ausdrücklich vor diesem Umkehrschluss. Denn bei gewissen Krankheiten können große Trinkmengen sogar schaden. „Das ist etwa bei Patienten mit fortgeschrittener Herzschwäche der Fall, bei denen zu viel Flüssigkeit das Herz über Gebühr belastet“, führt Ertl auf. Auch bei Nierenerkrankungen kann eine verringerte Trinkmenge erforderlich sein.

Hinzu kommt, dass der Flüssigkeitshaushalt des Körpers eng verzahnt ist mit dessen Mineralhaushalt. Wer zu viel trinkt, riskiert daher einen Mangel an Elektrolyten, insbesondere, wenn zugleich wenig oder gar nichts gegessen wird. Diese Gefahr besteht beispielsweise bei Fastenkuren oder einer Essstörung. „Auch Sportler oder Menschen, die körperlich arbeiten und mit dem Schweiß viele Elektrolyte verlieren, können ihren Mineralhaushalt durch große Trinkmengen in Schieflage bringen“, fährt Ertl fort. Er empfiehlt, den Durst dann lieber mit einer Saftschorle oder einem alkoholfreien Bier zu stillen. Auf diese Weise kann zugleich der Verlust an Elektrolyten ausgeglichen werden.

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verfasst von am 19. April 2022 um 09:10

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