Bedeutung der Ernährung bei der Therapie chronisch entzündlicher Darmerkrankungen weiterhin unklar

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ernährung und Gesundheit

Dienstag, 6. Oktober 2020

Nach umfassender Literaturrecherche und kritischer Durchsicht der gefundenen Treffer können Wissenschaftler verschiedener US-amerikanischer und britischer Universitäten nicht mit Sicherheit sagen, ob besondere Diäten die Erreichung und Aufrechterhaltung der Remissionsphase bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen wirksam unterstützen. Im Gegenteil: Die vorhandenen Studien werfen viele Fragen auf.

Im Rahmen eines Cochrane Reviews, das besonders hohe qualitative Anforderungen an die Autoren stellt, untersuchten Dr. Berkeley Limketkai von der Universität Kalifornien und seine Kollegen die Wirksamkeit und Sicherheit von Ernährungsinterventionen bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen. Hierzu zählen Morbus Crohn und Colitis ulcerosa.

Für ihre Studie durchforsteten die Wissenschaftler sieben verschiedene Datenbanken nach Publikationen, in denen der Effekt spezieller Diäten bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen in randomisierten kontrollierten Studien1 mit anderen Ernährungsweisen verglichen wurde. Zusätzlich recherchierten die Wissenschaftler in den Literaturverzeichnissen der gefundenen Studien, früherer Übersichtsartikel sowie Behandlungsleitlinien nach weiteren infrage kommenden Studien. Studien, die sich mit der Wirksamkeit einer enteralen oder parenteralen Ernährung, oraler Nährstoffergänzung, Lebensmitteln für besondere medizinische Zwecke sowie Probiotika befassten, wurden bereits im Vorfeld ausgeschlossen.

Nach weiteren Auswahlschritten verblieben 18 randomisierte kontrollierte Studien mit insgesamt 1878 Probanden, deren Ergebnisse im Cochrane Review soweit möglich zusammengefasst und diskutiert wurden. Unter den Ernährungsinterventionen befanden sich Diäten mit hohem Ballaststoffgehalt, geringem Anteil an raffinierten Kohlenhydraten, (beispielsweise Weißmehl und daraus hergestellte Produkte, weißer Reis, zuckerhaltige Lebensmittel), wenig Mikropartikeln, geringem Calciumgehalt, verringertem Verzehr von rotem Fleisch, symptomangepasste Diäten sowie eine stark eingeschränkte Diät mit Biolebensmitteln.

Interessanterweise wirkten sich fast alle untersuchten Ernährungsinterventionen vorteilhaft auf den Verlauf der chronisch entzündlichen Darmerkrankungen aus, indem sie etwa die Remission2 unterstützen oder die Rückfallrate reduzierten. Aber: Die Autoren hatten große Zweifel an der Vertrauenswürdigkeit des angeblich nachgewiesenen Nutzens (Evidenz). Diese wurde nach einem etablierten Verfahren (GRADE) beurteilt und allen Studien wurde lediglich eine “niedrige” oder “sehr niedrige” Vertrauenswürdigkeit der Evidenz attestiert. Hinzu kommt, dass in keiner einzigen Studie unerwünschte ernährungsbedingte Wirkungen thematisiert wurden.

Mit den bisher vorhandenen Studien lässt sich keine valide Aussage darüber treffen, ob spezielle Ernährungsformen die Remission bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen induzieren oder aufrechterhalten können ebenso wenig wie über unerwünschte Nebenwirkungen, folgern die Autoren. Sie hoffen auf stichhaltigere Ergebnisse aus Studien, die bereits im Gange sind Des Weiteren raten sie, sich bei der Konzeption zukünftiger Studien auf einheitlichere Ernährungsinterventionen zu verständigen, um die Vergleichbarkeit der Ergebnisse zu erleichtern und deren Vertrauenswürdigkeit zu verbessern.

1 Studien mit einer Interventions- und einer Kontrollgruppe, bei denen die Probanden nach dem Zufallsprinzip auf die verschiedenen Gruppen verteilt werden
2 das vorübergehende oder dauerhafte Nachlassen von Krankheitssymptomen

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verfasst von am 6. Oktober 2020 um 06:12

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