Der Portionsgrößeneffekt gilt auch für Gemüse

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ernährung und Gesundheit

Dienstag, 21. September 2021

Werden beim Mittagessen größere Gemüseportionen angeboten, steigt der Gemüseverzehr von drei- bis fünfjährigen Kindern. Die von Wissenschaftlern der Pennsylvania State University entwickelte Strategie könnte auch im privaten Bereich von Nutzen sein.

Laut Empfehlung von Ernährungswissenschaftlern sollten Kinder im Vorschulalter jeden Tag jeweils 150 bis 200 Gramm Obst und Gemüse essen. Diese Mengen scheinen für die Eltern von Obst- und Gemüsemuffeln unerreichbar. An der Pennsylvania State University suchten Wissenschaftler nach Wegen, den Gemüseverzehr von Kindern im Alter von drei bis fünf Jahren zu erhöhen.

Aus früheren Studien ist bekannt, dass Kinder bei der Erhöhung von Portionsgrößen insgesamt mehr essen. Allerdings führte dieser sogenannte Portionsgrößeneffekt auch dazu, dass die Kinder weniger des angebotenen Gemüses zu sich nahmen und stattdessen andere Mahlzeitenkomponenten bevorzugten. Prof. Barbara Rolls und ihre Kollegen planten daher, lediglich die Gemüsekomponente einer Mittagsmahlzeit zu erhöhen und hofften, dadurch die Gemüseaufnahme der Kinder zu steigern.

Um dies zu testen, erhielten 67 Kinder im Alter von 3 bis 5 Jahren jeweils einmal pro Woche in ihren Kindertageseinrichtungen ein speziell zubereitetes Mittagessen. Es bestand aus konstanten Mengen an Fischstäbchen, Reis, Ketchup, Apfelmus und Milch. Die Gemüsekomponente bildeten Brokkoli und Mais, die als einfache (60 Gramm) oder doppelte (120 Gramm) Portion angeboten wurden. An zwei Terminen war das Gemüse ungewürzt, bei den anderen beiden Terminen wurde es mit etwas Butter und Salz abgeschmeckt. Um die verzehrte Menge zu ermitteln, wogen die Wissenschaftler das Essen, bevor die Kinder es erhielten. Nach der Mahlzeit wurden die auf den Tellern verbliebenen Reste zurückgewogen.

Die Ergebnisse der Analyse zeigten, dass die Verdopplung der angebotenen Gemüseportion dazu führte, dass die Kinder im Mittel 21 Gramm mehr Gemüse verzehrten. Dies entspricht einer Steigerung um 68 Prozent für das Mittagessen beziehungsweise 12 Prozent der empfohlenen Gemüseaufnahme für Kleinkinder pro Tag. Der Verzehr der anderen Mahlzeitenkomponenten blieb trotz Erhöhung der Gemüseportion weitgehend gleich. Daher erhöhte sich die Energieaufnahme geringfügig (+5 Prozent bzw. 13 Kalorien).

Ob das Gemüse gewürzt war, hatte keinen Einfluss auf die verzehrte Gemüsemenge. „Wir waren überrascht, dass Butter und Salz nicht benötigt wurden, um die Aufnahme zu verbessern, erläutert Doktorand Hanim Diktas. „Aber das von uns servierte Gemüse bestand aus Mais und Brokkoli, welche bei den Kindern vielleicht bereits bekannt und beliebt waren. Für weniger bekanntes Gemüse ist es also möglich, dass etwas zusätzliches Aroma dazu beiträgt, die Aufnahme zu erhöhen.“

Studienleiterin Rolls Botschaft an die Eltern lautet: „Es ist wichtig, Ihren Kindern viel Gemüse zu servieren, aber es ist auch wichtig, ihnen etwas zu servieren, das sie mögen. Denn das Gemüse muss mit den anderen Lebensmitteln auf dem Teller konkurrieren. […] Wir haben uns für Lebensmittel entschieden, die im Allgemeinen sehr beliebt waren, aber auch nicht die Lieblingsspeisen der Kinder. Wenn Sie Gemüse neben beispielsweise Chicken Nuggets anbieten, werden Sie vielleicht enttäuscht sein“, räumt Rolls ein. „Essenskombinationen sind etwas, das Sie beachten müssen. Denn wie attraktiv das Gemüse im Vergleich zu den anderen Lebensmitteln auf dem Teller ist, beeinflusst die Reaktion bezüglich der Portionsgröße. Sie müssen sicherstellen, dass Ihr Gemüse im Vergleich zu den anderen Lebensmitteln ziemlich gut schmeckt.“ Um die Akzeptanz der Kinder für bislang unbekannte Gemüsearten zu erhöhen, rät Rolls, mit verschiedenen Geschmacksrichtungen und Gewürzen zu experimentieren und dabei die Vorlieben der Kinder zu berücksichtigen.

Diese bisherige Herangehensweise der Wissenschaftler führte zwar zur Steigerung des Gemüseverzehrs der Kinder. Zugleich verursacht sie aber auch mehr Lebensmittelabfälle, wenn nicht die gesamte Mittagessensportion verzehrt wird. „Wir arbeiten an zusätzlichen Forschungsprojekten, die sich mit dem Ersatz von anderen Lebensmitteln durch Gemüse beschäftigen, anstatt nur mehr Gemüse hinzuzufügen“, versichert Diktas. „In Zukunft können wir möglicherweise Empfehlungen zur Portionsgröße und zum Ersatz anderer Lebensmittel durch Gemüse geben, damit wir sowohl den Abfall begrenzen als auch den Verzehr von Gemüse bei Kindern fördern können.“

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verfasst von am 21. September 2021 um 08:20

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