Durch intensive Lebensstil-Intervention Typ-2-Diabetes entgegensteuern

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ernährung und Gesundheit

Dienstag, 15. Februar 2022

Die Ergebnisse der Prädiabetes-Lebensstil-Interventions-Studie (PLIS) sind ein weiterer Beleg dafür, dass der Weg zur Diabeteserkrankung keine Einbahnstraße bleiben muss. Neu ist die Ausrichtung der Lebensstilintervention an den Grad des Risikos der Personen mit Prädiabetes.

Sowohl beim manifesten Typ-2-Diabetes als auch bei dessen Vorstufe, dem Prädiabetes, existieren verschiedene Subtypen mit unterschiedlichen Risikoprofilen. Forschende des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung haben es sich zur Aufgabe gemacht, zu untersuchen, wie Menschen mit Prädiabetes von Lebensstiländerungen unterschiedlicher Intensität profitieren. Hierfür konzipierten sie PLIS, eine Studie, die an verschiedenen Standorten in Deutschland durchgeführt wurde. Die daran teilnehmenden Personen wurden nach dem Zufallsprinzip in Interventions- und Kontrollgruppen eingeteilt (randomisiert kontrollierte Studie).

Anhand von Untersuchungsergebnissen zur Insulinsekretion, Insulinempfindlichkeit (Insulinsensitivität) und dem Leberfettgehalt unterschieden die Forscher zwischen PLIS-Probanden mit einem hohen und niedrigen Risiko:

  • Die Probanden mit hohem Risikoprofil erhielten entweder eine konventionelle Lebensstilintervention nach dem Konzept des Diabetes-Präventionsprogramms (DPP) (Kontrollgruppe) oder eine intensivierte Intervention, bei der das erforderliche Bewegungspensum verdoppelt wurde (Interventionsgruppe).
  • Für die Probanden mit niedrigen Risikoprofil sah das Studienprotokoll eine einmalige kurze Beratung (Kontrollgruppe) oder eine konventionelle Lebensstilintervention gemäß dem Diabetes-Präventionsprogramm (DPP) (Interventionsgruppe) vor.

An die zwölfmonatige Interventionsphase schloss sich eine zweijährige Nachbeobachtungszeit an. 82 Prozent der Probanden (908 Personen) beendeten die Studie.

Die Personen mit hohem Risiko waren bei Studienbeginn deutlich älter und hatten einen höheren Körpermasseindex (BMI). Auch die metabolischen Merkmale dieser Risikogruppe wie Blutzuckerspiegel oder Blutfettwerte, Insulinsensitivität sowie Insulinsekretion waren ungünstiger als bei Prädiabetikern mit niedrigem Risikoprofil.

Die Probanden mit geringem Risiko profitierten teilweise von einer konventionellen Lebensstilintervention. „Nach drei Jahren normalisierte sich bei Probanden mit der konventionellen Lebensstilintervention die Glukosetoleranz eher als bei Personen der Kontrollgruppe“, berichtet Prof. Hans-Ulrich Häring, ehemals Ärztlicher Direktor der Abteilung Innere Medizin IV an der Medizinischen Klinik am Universitätsklinikum Tübingen und Leiter des Instituts für Diabetesforschung und Metabolische Erkrankungen bei Helmholtz Munich an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen. In Bezug auf die Insulinsensitivität, Insulinsekretion, den Leberfettgehalt und das kardiometabolische Risiko zeigten sich dagegen kaum Unterschiede zwischen der Gruppe mit und ohne Lebensstilintervention.

Im Gegensatz dazu unterschieden sich die Ergebnisse bei den Personen mit hohem Risiko deutlich. Probanden der Gruppe mit einer intensiven Lebensstilintervention und gesteigertem Bewegungspensum gelang es nicht nur, ihre Blutzuckerwerte und kardiometabolische Befunde zu verbessern. Sie konnten sogar den Leberfettgehalt auf ein normales Niveau reduzieren. Insgesamt schnitt die intensive Lebensstilintervention deutlich besser ab als die konventionelle.

„Unsere Studienergebnisse zeigen, dass eine individualisierte, auf dem Risikophänotyp basierende Lebensstilintervention für die Diabetesprävention vorteilhaft ist“, resümiert Studienleiter Prof. Andreas Fritsche vom Institut für Diabetesforschung und Metabolische Erkrankungen bei Helmholtz Munich an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen und der Medizinischen Klinik, Abteilung für Diabetologie, Endokrinologie und Nephrologie am Universitätsklinikum Tübingen. „Für eine erfolgreiche Prävention müssen wir zukünftig die Hochrisikopatienten identifizieren und eine intensivierte Lebensstilintervention auf diese konzentrieren.“

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verfasst von am 15. Februar 2022 um 08:15

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