Goldener Windbeutel 2020: Hochland lehnt Negativpreis ab

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ernährung und Gesundheit

Dienstag, 29. September 2020

Über 65.000 Verbraucher beteiligten sich dieses Jahr bei der Wahl zum Goldenen Windbeutel 2020. Der Foodwatch-Preis für die dreisteste Werbelüge des Jahres ging mit einem deutlichen Stimmenvorsprung an das Unternehmen Hochland für seinen Grünländer Käse. Die Reaktion von Hochland? Not amused…

In der Werbung und auf der Verpackung verspricht Hochland, für die Produktion des Grünländer Käses „Milch von Freilaufkühen“ zu verwenden und die grüne Verpackung des Käses legt Assoziationen mit einer Wiese nahe. Die Realität sieht anders aus: „Freilaufkühe“ sind für Hochland Kühe, die sich frei bewegen können – allerdings nicht auf der Weide, sondern in einem Stall. Für die Verbraucherrechtsorganisation Foodwatch handelt es sich hierbei um einen klaren Fall von irreführender Werbung, und zwar einen besonders gravierenden. „Hochland täuscht ausgerechnet diejenigen, die bewusst Produkte auswählen, von denen sie sich eine bessere Tierhaltung versprechen“, moniert Foodwatch-Mitarbeiter Manuel Wiemann. Diese Ansicht teilten 43,5 Prozent der Verbraucher, die bei der Wahl zum Goldenen Windbeutel für die dreisteste Werbelüge 2020 ein gültige Stimme abgegeben hatten. Damit ist der Grünländer Käse von Hochland mit weitem Abstand der diesjährige Preisträger. Platz 2 erreichte der Volvic Bio Rooibos-Tee von Danone Waters (17,6 Prozent), gefolgt von Arla haltbare Weidemilch (14,0 Prozent), Zentis „50% weniger Zucker“ Konfitüre Erdbeere (13,3 Prozent) und Schlusslicht „Be-Kind Protein-Riegel Erdnuss“ von Mars (11,6 Prozent).

Gerne hätte Foodwatch den Goldenen Windbeutel persönlich an Hochland übergeben – zusammen mit einer lebensgroßen Käseverpackung, die mit einem Schild protestierte: „Ich will keine Werbelüge mehr sein!“ Doch im Gegensatz zum Vorjahressieger Zwergenwiese verweigerte Hochland das Gespräch. Neben strengen Hygiene- und Sicherheitsvorkehrungen bedingt durch die Corona-Pandemie führt der Konzern an, die Kritik von Foodwatch wäre „nicht angemessen“. „Für unsere Marke verwenden wir ausschließlich Milch von Kühen, die sich 365 Tage im Jahr frei im Stall bewegen können“, legt Hochland in einer schriftlichen Stellungnahme dar. Und weiter: „Wir erläutern dies sach- und wahrheitsgemäß auf der Verpackungsrückseite und beschreiben eindeutig, dass es sich um im Stall gehaltene Kühe handelt. Dies zeigen wir deutlich erkennbar auch in der begleitenden TV-Kampagne.“

Doch auch Foodwatch beharrt auf seinem Standpunkt. In einer laut Foodwatch repräsentativen Umfrage, die das Meinungsforschungsinstitut Kantar (vormals Emnid) im Auftrag von Foodwatch durchgeführt hatte, gingen über drei Viertel der Befragten (78 Prozent), davon aus, dass der Begriff „Freilaufkühe“ sich auf Kühe bezieht, die (in irgendeiner Form) Weidezugang haben müssen. Um die laut Foodwatch irreführende Vermarktung des Grünländer Käses zu stoppen, hat die Verbraucherrechtsorganisation sich an die zuständige Lebensmittelbehörde, die Bayerische Kontrollbehörde für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen in Kulmbach, gewandt. Sollte diese nicht gegen den Lebensmittelkonzern tätig werden, plant Foodwatch, eine Klage gegen die Behörde einzureichen.

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verfasst von am 29. September 2020 um 06:17

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